Lange gab es Vorbehalte in der Düsseldorfer Staatskanzlei gegen den Social-Media-Kanal. Jetzt soll ein Profi den Ministerpräsidenten mit der Kamera begleiten.
Social MediaLandesregierung plant eigenen TikTok-Kanal

Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, sitzt im Plenum des Landtags und schaut auf sein Handy.
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Lange hat sich die NRW-Landesregierung gesträubt, bei der umstrittenen Plattform TikTok einzusteigen. Jetzt macht sie es doch. Ein eigens engagierter Dienstleister soll den Inhalt für den neuen Kanal liefern und dafür unter anderem Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mit der Kamera begleiten. Das geht aus Ausschreibungsunterlagen hervor, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegen.
TikTok ist die am schnellsten wachsende Plattform der Welt, aktuell gibt es 1,5 Milliarden aktive Nutzer pro Monat. Weil das soziale Medium aus China kommt und für Fake News bekannt ist, hat die Landesregierung es bisher gemieden. Im Gegensatz zum Kanzler (665.200 Follower) oder Linke-Ikone Heidi Reichinnek (636.300 Follower) – die ihre Partei vor allem mit TikTok zu zweistelligen Umfragewerten gepusht hat. Wüsts Staatskanzlei konstatiert: „74 Prozent der jungen Menschen in Deutschland (16-27 Jahre) informieren sich primär über Social Media über Politik. Diese Plattformen haben traditionelle Informationsquellen wie Schule (60 Prozent), Familie (58 Prozent) und klassische Medien (46 Prozent) weit hinter sich gelassen.“
Staatskanzlei: Einjährige Testphase auf TikTok geplant
Die Menschen schenken – so die Analyse der Landesregierung – politischen Influencern „mehr Vertrauen als politischen Organisationen oder den Politikern selbst“. Zugleich seien „Desinformation und der Glaube an Verschwörungstheorien in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet – besonders unter jungen Menschen und TikTok-Nutzern“. Diese Empfänglichkeit für Desinformationen sei eine „Gefahr für die Demokratie“. Deshalb müssten sich auch „demokratische Institutionen“ bei TikTok zeigen „und ihre Inhalte wahrheitsgetreu und faktenorientiert vermitteln“.
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Aus diesem Grund, so heißt es in Unterlagen der Staatskanzlei, „strebt die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens bis zum Ende des ersten Quartals 2026, den Start eines TikTok-Kanals an“. Interessant: Geplant ist erst mal eine einjährige Testphase: „Wenn sich der Kanal bewährt, wird eine Institutionalisierung erwogen“, heißt es dazu.
Um auf Nummer Sicher zu gehen, will das Land einen Dienstleister einstellen, der sich mit TikTok auskennt. Der soll den Kanal „regelmäßig, mindestens jedoch vier Mal pro Woche“ bespielen. Allerdings in enger Abstimmung mit der Pressestelle in der Regierungszentrale.
TikTok besteht vor allem aus Videos, daher soll auch der Dienstleister regelmäßig „(Bewegt-)Bildmaterial vor Ort“ produzieren und zum Beispiel Wüst bei Terminen begleiten. Zu den Kosten ist noch nichts bekannt, in der Ausschreibung ist von einem Festpreis die Rede: „Der Betrieb des Kanals soll durch Projektmittel gewährleistet werden.“

