Abos, Preiserhöhungen, FahrkartenWas das Deutschlandticket für VRS-Kunden bedeutet

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Fahrgäste an der KVB-Haltestelle Neumarkt

Köln/Berlin – Dem digitalen Deutschlandticket im kommenden Jahr steht nichts mehr im Weg. Bund und Länder haben sich am Mittwoch bei den Gesprächen der Ministerpräsidenten mit dem Bundeskanzler in Berlin auf die Einführung geeinigt. Es soll am Anfang 49 Euro pro Monat kosten, monatlich kündbar sein und für alle Bahnen und Busse im Nah- und Regionalverkehr bundesweit gültig sein.

Noch ist offen, ob der geplante Einführungstermin im Januar zu halten ist. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann bezweifelt das. Der Grünen-Politiker sagte den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (NBR), möglicherweise komme es erst am 1. März oder 1. April. Die Umsetzung sei aufwendig.

Bis zuletzt war die Finanzierungsfrage ungeklärt. Offenbar hat der Bund zusätzliche Mittel für den regionalen Bahnverkehr in Höhe von einer Milliarde Euro noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Außerdem sollen die Gelder für den Ausbau des ÖPNV jährlich um drei Prozent steigen.

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Die Kosten für das neue Ticket wollen sich Bund und Länder teilen. Beide müssen pro Jahr jeweils 1,5 Milliarden Euro aufbringen. Was kommt jetzt auf Bus- und Bahnfahrer zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Das Deutschlandticket soll am 1. Januar an den Start gehen. Ist das aus Sicht des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) zu schaffen?

Sollte es eine Lösung zum geplanten Starttermin im Januar geben, werde man das möglich machen, teilte der VRS auf Anfrage mit. Wer ab Januar mit dem neuen Ticket fahren möchte, könne das auch tun. Man werde aber eine Übergangsphase brauchen, um alle Prozesse sachgerecht umsetzen zu können. Vor allem bei den vielen Abonnenten, die Bahnen und Busse mit Zeitkarten nutzen, sei das aufwändig und zeitintensiv. Ihnen werden aber keine finanziellen Nachteile entstehen.

„Wir begrüßen die Einführung und Finanzierung eines günstigen bundesweit gültigen Tickets", sagte VRS-Geschäftsführer Michael Vogel. „Die größte Herausforderung bleibt allerdings die Sicherung der Finanzierung des Betriebs. Eine Verkehrswende kann nur mit einem quantitativ und qualitativ hochwertigen ÖPNV-Angebot gelingen.“

Stefanie Haaks, Chefin der Kölner Verkehrs-Betriebe, sieht die Einführung und Umsetzung des neuen Tickets zum Jahresbeginn sehr kritisch. „Wir haben bereits beim 9-Euro-Ticket lange Schlangen an unseren Kundencentern erlebt und würden uns im Sinne der Kunden eine ausreichende Vorbereitungszeit – auch inhaltlich – wünschen.“

Warum?

„Viele Fragen sind aktuell noch offen. Das fängt beim Namen an und endet bei Bestell- und Kündigungsprozessen. Ohne eine ausreichende Vertragsgrundlage lassen sich jedoch keine Verträge schließen“, sagt Haaks weiter. Damit die Umstellung gelinge, müssten noch weitere Punkte geklärt werden.

„Uns fehlt in der aktuellen Diskussion beispielsweise der Blick auf die große Solidargemeinschaft der Studierenden sowie die Sicht auf die Arbeitgeber, die sich bereits seit Jahrzehnten im Job-Ticket-Bereich engagieren. Dieses Engagement für die Verkehrswende darf nicht durch Fehlanreize verloren gehen. Günstigere Angebote müssen auch zukünftig weiter erhältlich sein, beispielsweise für Schüler und Bedürftige.“

Wie viele Abo-Kunden werden vom 49-Euro-Ticket profitieren?

Rund 281.000 Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs im VRS, die derzeit mit einem Abo, einem Jobticket oder einem Großkunden-Ticket fahren. Das sind mehr als 97 Prozent. Die Nutzer von Schüler- oder Semestertickets sind dabei nicht eingerechnet.

Werden alle Abos, die bisher mehr als 49 Euro kosten, vom VRS automatisch umgestellt?

Nein. Die Kunden werden mit der Einführung des Deutschlandtickets aktiv durch die Verkehrsunternehmen auf das neue günstige Angebot hingewiesen und können sich dann entscheiden, ob sie wechseln möchten. Die Einwilligung ist aus datenschutzrechtlichen Gründen erforderlich. Stimmen sie nicht zu, ändert sich für sie nichts.

Beim VRS gibt es seit diesem Jahr einen elektronischen Tarif und das digitale „eezy-Ticket“ mit Kilometer genauer Abrechnung, das für ganz NRW gilt. Bleibt es erhalten?

Ja. Der e-Tarif als eezy.NRW und eezy.VRS ist vor allem für Gelegenheitsfahrer interessant und wird deshalb nicht eingestellt. Viele Kunden erreichen die 49-Euro-Grenze pro Monat aktuell im eTarif nicht. Deshalb geht der VRS davon aus, dass der e-Tarif weiter eine Rolle spielen wird.

Wie hoch schätzt der VRS die Einnahmeverluste, die durch das Deutschlandticket entstehen werden?

Durch die Einführung fallen mehr als 261 Millionen Euro an Fahrgelderlösen im VRS weg. Mit dem Deutschlandticket werden aber auch 175 Millionen eingenommen, sodass das Defizit mindestens bei 86 Millionen Euro liegen wird.

Warum mindestens?

Weil noch nicht geklärt ist, ob die 175 Millionen Euro komplett dem VRS gutgeschrieben werden und damit in der Region bleiben.

Der VRS hat für 2023 zwei Fahrpreiserhöhungen beschlossen. Die Tickets sollen zum 1. Januar durchschnittlich um 3,5 Prozent und zum 1. Juli noch einmal um 3,87 Prozent teurer werden. Bleibt es dabei?

Ja. Die Erhöhung gilt aber nur für die alten Tarife. Das Deutschlandticket für 49 Euro wird nicht gleich mit einem Preisaufschlag an den Start gehen.

Warum bleiben die alten Tickets voraussichtlich alle bestehen. Ist das nicht verwirrend?

Das liegt daran, dass das Klimaticket nicht auf eine andere Person übertragen werden kann. Auch die Mitnahmemöglichkeit von zusätzlichen Personen zum Beispiel an den Wochenenden oder die kostenlose Nutzung der KVB-Räder sind nicht enthalten.

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„Deshalb möchten wir uns das Wechselverhalten der Kunden anschauen und dann gemeinsam im VRS entscheiden, welche Weiterentwicklungen erforderlich und welche Vereinfachungen möglich sind“, sagt KVB-Chefin Stefanie Haaks. „Ein Aktiv60-Ticket-Kunde zahlt in Köln beispielsweise heute 62 Euro und kann sein Ticket weitergeben. Zukünftig würde er dafür zwei Klimatickets zum Preis von je 49 Euro benötigen. Deshalb empfehlen wir unseren Kunden, ihr gültiges Abo-Ticket jetzt nicht zu kündigen. Sobald die Konditionen des Deutschlandtickets feststehen, werden wir hierüber aktiv informieren.“

Der VRS sieht das ähnlich. Die Tarife seien rechtlich genehmigt und seien die Abrechnungsgrundlage für den Ausgleich der geringeren Einnahmen, die durch das Deutschlandticket entstehen.

Wird es das Deutschlandticket nur in digitaler Form geben?

„Wir gehen nach jetzigem Stand davon aus, dass das neue Angebot bei der KVB genauso wie die bisherigen Abonnements auf der Chipkarte erhältlich sein wird. Aktuell arbeiten wir an verschiedenen Lösungsmöglichkeiten, das neue Angebot zugänglich zu machen“, so Haaks.

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