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Kölner Gemeinde zeigt VerständnisReul lässt Schutz an Synagogen in NRW wieder zurückfahren

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Das Rabbinerhaus an der Alten Synagoge in Essen ist mit rot-weißem Flatterband umzäunt.

Auf das Rabbinerhaus bei der Alten Synagoge in Essen wurde im November geschossen. In Bochum wurde am gleichen Tag ein Molotow-Cocktail an eine Synagoge geworfen. Anschließend wurden Synagogen in NRW verstärkt polizeilich geschützt.

Nach Angriffen auf Synagogen in Essen und Bochum im November 2022 hatte das Innenministerium weitere Anschläge befürchtet.

Vier Wochen standen Polizisten in Schutzwesten mit Maschinenpistolen vor den Synagogen in NRW. Jetzt wurde abgerüstet. In einem vertraulichen Erlass, der dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, hat das Innenministerium zum Jahreswechsel bei den örtlichen Polizeibehörden die „Rückführung der Maßnahmen“ verfügt. Hintergrund: Die zunächst befürchtete Angst vor neuerlichen Anschlägen hat sich nicht bewahrheitet.

Zur Vorgeschichte: Mitte November hatte ein unbekannter Mann um 22.41 Uhr dreimal auf das ehemalige Rabbinerhaus an der Alten Synagoge in Essen geschossen. Später kam heraus, dass am selben Abend ein Molotow-Cocktail gegen ein Gymnasium an der Rückseite der Bochumer Synagoge geflogen war. Wegen des zweiten Falls wurde ein Deutsch-Iraner (35) verhaftet, dem die Schüsse in Essen bislang nicht nachgewiesen werden konnten.

Der 35-Jährige hatte aber versucht, einen anderen Deutsch-Iraner für einen weiteren Anschlag auf die Synagoge Dortmund anzuheuern. Laut Medienberichten im November hatten die Ermittler damals den Verdacht, dass das Regime im Iran die Strippen zieht – und weitere Attentäter unterwegs sein könnten. Gesteuert von einem Rocker aus Mönchengladbach, der sich unter Mordverdacht in den Iran abgesetzt hatte.

„Beurteilung der Gefährdungslage“ habe sich geändert

Polizeiintern hieß es damals, dass es „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ zu einem Anschlag kommen könnte. Am 29. November ließ das Innenministerium daher den bereits erhöhten Schutz an etlichen jüdischen Einrichtungen noch einmal steigern. Die örtlichen Polizeibehörden, die für die Bewachung zuständig sind, mussten zahlreiche Kräfte für die 24 Stunden-Bewachung abstellen.

Inzwischen hat sich die sogenannte „Beurteilung der Gefährdungslage“ verändert: In polizeiinternen Dokumenten heißt es, dass ein Anschlag nun nur noch „wenig wahrscheinlich“ sei. Auch wenn man irrational handelnde Einzeltäter nie ausschließen könne. War die Theorie von einem Attentäter-Netzwerk also falsch? Unklar. Der Generalbundesanwalt ermittelt weiter.

Synagogen-Gemeinde Köln vertraut der Landesregierung

Die Synagogen-Gemeinde Köln (SGK) äußerte sich auf Anfrage zuversichtlich gegenüber den Maßnahmen der Landesregierung. „Wir vertrauen auf die Sicherheitsorgane des Landes NRW, dass weiterhin für ausreichend Sicherheit gesorgt ist“, erklärte der Vorstand der SGK.

„Die Ereignisse in Essen, Bochum und Dortmund verunsichern unsere Gemeindemitglieder“, betonte jedoch der Vorstand. Insgesamt habe die Gefahrenlage durch mögliche Anschläge zugenommen, „die Medien berichten stets darüber“. Die SGK selbst könne jedoch die Risiken nicht einschätzen. Der Vorstand wünsche sich natürlich den größtmöglichen Schutz. „Dennoch, wenn das Risiko entfallen sein sollte, was wir nicht beurteilen können, haben wir für die Reduzierung der Schutzmaßnahmen Verständnis.“