- Armin Laschet (CDU) setzt sich dafür ein, den Schüleraustausch zwischen NRW und den ostdeutschen Bundesländern zu verstärken.
- Der NRW-Ministerpräsident will damit anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls für die Deutsche Einheit und das Gedenken sensibilisieren.
- Klaffen so große Lücken zwischen Ost und West? Alle Informationen und Hintergründe.
Köln – NRW-Ministerpräsident Armin Laschet setzt sich dafür ein, den Schüleraustausch zwischen NRW und Schulen in Ostdeutschland auszubauen – und wird dabei von der Bundesregierung unterstützt. „Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall wissen wir zu wenig voneinander“, sagte der CDU-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Bei den Schulen schaue man zu Recht auf den internationalen Austausch, etwa mit Frankreich oder den USA.
„Wir brauchen aber auch den innerdeutschen Austausch – von Nordrhein-Westfalen nach Sachsen und Brandenburg“, betonte Laschet. Viele Rheinländer oder Westfalen seien noch nie in Ostdeutschland gewesen. Das gelte gerade auch für junge Leute. Klassenfahrten führten nach Paris, Barcelona oder Berlin. „Warum nicht auch nach Erfurt oder Greifswald?“, fragt Laschet. Man müsse die Schüler mehr „rübermachen“ lassen. Im Idealfall entstünden neue Freundschaften. „Das brauchen wir, um heute zusammenzubringen, was seit 30 Jahren zusammengehört.“
Viele Kooperationen schliefen wieder ein
Nach dem Mauerfall, der sich am Wochenende zum 30. Mal jährt, waren viele Ost-West-Austauschprogramme auf den Weg gebracht worden. Etliche Kooperationen schliefen aber wieder ein. Kölner Schulen präsentieren in ihren Programmen Schüleraustausche sogar mit Indien, Argentinien oder Australien. Ein Ost-West-Programm fand diese Zeitung in der Stadt nicht. Offizielle Statistiken fehlen.

Ministerpräsident Armin Laschet
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Die Europaschule in Rheinberg gehört zu den wenigen Gymnasien in NRW, die an ihrem Projekt festgehalten haben. „Wir führen die Partnerschaft mit Sachsen seit 21 Jahren durch“, sagte Deutschlehrer Christian Drummen. Der Kontakt sei sehr wertvoll, da die Schüler eigene Erfahrungen über die regionalen Unterschiede sammeln könnten. „Das schützt sie später womöglich davor, auf gängige Vorurteile hereinzufallen“, so Drummen. Zum Beispiel, dass es in Sachsen nur Rechtsradikale gebe. So trage der Austausch zu einer Verbesserung des Verständnisses bei.
Auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) wirbt für einen verstärkten Jugendaustausch: „Gerade weil junge Menschen heute wie selbstverständlich in einem geeinten Deutschland aufwachsen und Erinnerungen verblassen, werden Schulfahrten und Begegnungen zur deutsch-deutschen Teilung und Wiedervereinigung immer bedeutender“, erklärte sie.
„Unverzichtbarer Bestandteil unserer Geschichte“
Die Auseinandersetzung mit DDR-Geschichte und SED-Diktatur seien „ein unverzichtbarer Bestandteil unserer historisch-politischen Bildung“. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), unterstützte den Vorstoß aus NRW ausdrücklich.
„Wir erleben gerade, dass tatsächliche und scheinbare Gegensätze wieder stärker betont und in den Blick genommen werden. Wechselseitig nimmt Unkenntnis und Fremdheit eher wieder zu“, sagte Hirte dieser Zeitung. Auch die Bundesregierung bemühe sich um den Bürgerdialog zwischen Ost und West mittels Städtepartnerschaften.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) befürwortet „generell Schüleraustausch zum besseren Verständnis unterschiedlicher Lebensbedingungen und unterschiedlicher Auffassungen, international und zwischen Ost und West“, wie sein Sprecher mitteilte. Auch Treffen an markanten Punkten der Geschichte wie dem ehemaligen Grenzkontrollpunkt Marienborn seien wünschenswert. Einen Zwang dazu lehnte er aber ab.
