Der US-Präsident droht Ländern, die sich mit Grönland und Dänemark solidarisieren, mit Zöllen. Die EU sollte mit gleicher Münze zurückzahlen.
Spannung in DavosTrumps Hirn springt beim Dollarzeichen an – das sollte Europa nutzen


Zürich: Demonstranten halten ein Plakat mit der Aufschrift "Put the Trumpster in the Dumpster" während einer Kundgebung gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) und den Besuch von US-Präsident Trump in der Schweiz.
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Es nützt kein Huldigen mehr, kein Hadern, kein Bedauern. Nichts hält den demokratisch gewählten US-Präsidenten davon ab, demokratische Werte zu erschüttern – in seinem Land wie in der Welt. Im Inland lässt Donald Trump Jagd auf Migranten machen, im Ausland bricht er das Völkerrecht. Jetzt will er Grönland nun mal haben.
Ärgerlich für ihn, dass sich die zu Dänemark gehörenden Grönländer nicht kaufen lassen wollen und Dänemark auf Solidarität in der EU und Nato zählen kann. Dann werden jene Unterstützer eben mit zusätzlichen Zöllen überzogen. So zerstört man jahrzehntelanges Vertrauen und Wirtschaftsbeziehungen. So vernichtet der 47. Präsident der Vereinigten Staaten die Weltordnung.
Trumps Zölle: Europa muss den Gegenschlag vorbereiten
Der Bundeskanzler, die Europäische Union, Kanada tun gut daran, einen Gegenschlag vorzubereiten: Zölle. Nicht, weil einer von ihnen einen Handelskrieg riskieren will, sondern weil das Hirn des Milliardärs am ehesten bei Dollarzeichen anspringt.
Wenn ihm schimmert, dass Europa als größter Binnenmarkt der Welt auch für die USA ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor ist, wird er sich die Zollstrafen für Länder, die nichts anderes machen, als ihren Pakt der Solidarität zu erfüllen, noch einmal überlegen. Das haben wir im Übrigen von den Amerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg gelernt.
Es ist inzwischen eine Binsenweisheit: Trump reagiert nur auf Stärke, nie auf Schwäche. Dringend nötig ist, dass Europas Politiker und Topmanager beim Weltwirtschaftsforum in Davos selbstbewusst auftreten. Ohne vernünftigen Handel mit Europa kann Trump seine Re-Industrialisierung im eigenen Land vergessen.
Und ohne wirtschaftlichen Erfolg gehen seine Republikaner mit ihm bei den nächsten Wahlen baden. Was nicht heißt, dass Trump einmal freiwillig aus dem Weißen Haus ausziehen wird. Niemand sollte sich täuschen: Auf Trump ist kein Verlass. Was auch immer er in Davos vereinbart – es sagt nichts darüber aus, was morgen ist.

