Kerpen/Köln – Er soll sich Bombenbaupläne aus dem Netz heruntergeladen haben, zudem bewegte er sich in radikal-islamische Salafistenkreisen in Niedersachsen. Seinem Vater in Kerpen teilte der junge Verdächtige nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ via Handy mit, dass es Männer gebe, die ihn unter Druck setzen würden. Diese Leute hielten ihn fest. Von einem Anschlag war die Rede. Der junge Mann, so schien es, wusste nicht mehr weiter.
Besorgt wandte sich der Vater vergangenen Samstag an die Polizei. Er befürchtete, dass sein 17-jähriger Sohn etwas Furchtbares anrichten könnte. Die Kölner Staatsschützer waren alarmiert und leiteten eine weitreichende Fahndung ein. Seit Mittwochabend sitzt er nun im Untersuchungsgefängnis in Wuppertal. Der Verdacht lautet auf Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.
Bekenntnis zur Terror-Miliz Islamischer Staat
Auf dem Bahnhof Hannover wurde der Extremist festgenommen, ein Zug mit 100 Passagieren zu der Zeit nach einer möglichen Sprengstoffablage durchsucht. Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag fanden sich jedoch nicht.
Zunächst brachten die Ermittler den Verdächtigen in Polizeigewahrsam. Im Verhör bekannte er sich dann zur Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS). Im Keller seiner Wohnung in Kerpen habe er einen Sprengsatz versteckt, auch von einer entsprechenden Einweisung zum Bombenbau soll der Jugendliche demnach gesprochen haben. Er belastete sich selbst gleich mehrfach, heißt es aus Ermittlerkreisen.
Zeitgleiche Durchsuchungen
Den Kölner Staatsschützern waren die Verbindungen zu mutmaßlich militanten Salafisten im Raum Hildesheim nicht neu. Etwa zu dem einschlägig bekannten Radikalen Ahmad B.. Der Deutsch-Iraker zählte zur Clique um den irakischen Hassprediger Abu Walaa, der als deutscher IS-Statthalter im Hildesheimer Moscheeverein DIK den Dschihad gepredigt und neue Rekruten für die Terror-Brigaden in Syrien angeworben haben soll. Darunter den tunesischen Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz mit elf Toten. Die Führungsclique um Abu Walaa unterzog junge, sinnsuchende Muslime und Konvertiten einer Gehirnwäsche, um sie auf den Heiligen Krieg gegen die Kuffar (Ungläubige) einzuschwören.
Vor knapp einem Jahr wurde Abu Walaa wegen diverser Terrordelikte zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Während die Anwälte in Revision gegangen sind, scheint sich die dritte Garde der Hildesheimer Salafisten erneut auf die Suche nach labilen, jungen Männern gemacht zu haben, um sie anzuwerben. Wie zu erfahren war, durchsuchte die niedersächsische Polizei zeitgleich bei den Mentoren des Kerpener Tatverdächtigen. Die Auswertung der dortigen beschlagnahmten Datenträger dauere noch an, hieß es aus Justizkreisen.
Zweifel an Aussage
Bereits seit 2020 haben Sicherheitsbehörden den Jugendlichen aus Kerpen im Blick. Demnach driftete er immer mehr in die Salafisten-Szene ab. Er radikalisierte sich zum einen über einschlägige IS-Hetze im Netz, zum anderen über die geistigen Brandstifter aus Hildesheim. Gleich mehrfach avancierte er zum Prüf-Fall im Bereich islamistischer Terrorismus.
Wie der „Spiegel“ berichtet, fürchtete die Familie zeitweilig, dass sich der Sohn auf Drängen seiner radikalen Vorbilder aus Hildesheim nach Syrien zum IS absetzen könnte. Zudem fiel der der junge Mann, der die Schule abgebrochen hat, mehrfach wegen Körperverletzungsdelikten auf.
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Derzeit untersucht eine Kölner Sonderkommission den Fall. Die Handy-Daten des Verdächtigen sollen ausgewertet werden, um seine Angaben zu überprüfen. Die Kölner Staatsschützer Zweifel an seiner Aussage. Während der Vernehmung soll er einen psychisch auffälligen Eindruck vermittelt haben. So will sich der 17-Jährige laut einem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf „Gegenstände zum Bau einer Sprengstoffvorrichtung beschafft haben.“
Ob dies zutrifft, werde noch geprüft, hieß es. Über tatsächliche Funde zum Bau einer Bombe wurde bisher nichts bekannt.