Präsident Putin spricht vom Vormarsch entlang der gesamten Front. Doch unabhängige Analysten sehen Russlands Geländegewinne inzwischen nahe null.
UkraineWende im Krieg – Warum die Zeit nicht mehr für Putin spielt


Der russische Präsident Wladimir Putin
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Kremlchef Wladimir Putin gibt sich im Ukraine-Krieg siegesgewiss: „Russische Truppen rücken entlang der gesamten Frontlinie vor“, sagte er am Rande des Wirtschaftsforums in St. Petersburg. Die Realität sieht anders aus. „Russlands Geländegewinne auf dem Schlachtfeld gehen gegen null“, stellte das unabhängige Institut für Kriegsstudien kürzlich in einem Bericht fest, der „eine neue Phase des Krieges“ ausmachte. Das Magazin „Foreign Affairs“ urteilt bereits: „Die Ukraine wendet das Blatt.“
Dass die Ukraine den russischen Vormarsch gestoppt zu haben scheint, bedeutet noch keinen Sieg. In der Propagandaschlacht hat sie mit Drohnenangriffen in St. Petersburg unmittelbar vor dem Wirtschaftsforum allerdings einen spektakulären Erfolg errungen, auf den auch Präsident Wolodymyr Selenskyj in seinem offenen Brief an Putin verweist. Mit den Angriffen demonstriert die Ukraine ihre neue Stärke. Zugleich unterbreitet Selenskyj Putin in dem Brief ein Angebot für Verhandlungen und eine Waffenruhe.
Putins Sackgasse
Der Krieg ist im fünften Jahr. Nächsten Donnerstag dauert er länger als der Erste Weltkrieg – und die Dynamik hat sich verändert. Ukrainische Drohnen tragen den Krieg tief nach Russland hinein. Die Ölindustrie leidet unter den Angriffen, auf der russisch besetzten Krim wird bereits Treibstoff rationiert. Sanktionen belasten Russlands Wirtschaft. Der Armee gelingt es nicht, den Donbass vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei verzeichnet sie nach ukrainischen Angaben so schwere Verluste, dass die Führung in Moskau sie nicht ausgleichen kann.
Putin steckt in einer Sackgasse. Dennoch lehnte er ein Treffen mit Selenskyj erwartungsgemäß ab - und kritisierte, der Brief enthalte „Elemente von Unverschämtheit“. Doch auch Putin dürfte klar werden: Die Zeit spielt nicht mehr für ihn.
