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Von Brodie bis VaroshaDie 11 rätselhaftesten Geisterstädte der Welt

8 min
Blick auf verlassene Häuser in Kolmanskop.

Fotogen und verlassen: Kolmanskop, früher Kolmannskuppe genannt, ist heute ein Geisterort, der an den Diamantenboom Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert. (Archivbild)

Entdecken Sie 11 der faszinierendsten Geisterstädte weltweit – von Tschernobyl bis Namibia, vom Wüstensand bis zur verlassenen Polarstation.

Verlassene Häuser, verblasste Erinnerungen – und eine unheimliche Stille. Geisterstädte erzählen Geschichten von Flucht, Katastrophen und Verfall. Manche sind heute Touristenmagneten, andere schwer zugänglich. Ob vom Wüstensand verschluckt oder vom Eis umschlossen: Diese elf Orte zeigen, wie vergänglich Zivilisation sein kann.

Prypjat (Ukraine)

Ein wilder Fuchs sitzt vor einem verlassenen Gebäude.

Ein wilder Fuchs spaziert in der verlassenen Stadt Prypjat in der Nähe des Kernkraftwerks Tschernobyl, Ukraine. (Archivbild)

Pripjat ist eine der bekanntesten Geisterstädte der Welt. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 wurde die gesamte Stadt evakuiert. Zurück blieben verlassene Häuser, ein verrosteter Vergnügungspark und verblasste Symbole sowjetischer Alltagskultur. Heute ist der Ort Ziel von Katastrophentouristen und Lost-Places-Reisenden. Der Zugang ist jedoch nur im Rahmen offizieller, geführter Touren möglich, die eine vorherige Genehmigung erfordern. Seit Beginn des Kriegsrechts in der Ukraine sind solche Touren teilweise ausgesetzt.


Hashima Island (Japan)

Wie ein Geisterschiff liegt Hashima Island vor der Küste von Nagasaki im Südwesten Japans. Wegen ihrer markanten Silhouette und der hohen Betonmauern, die die Insel einst vor dem Meer schützten, trägt sie auch den Namen „Gunkanjima“ – auf Deutsch etwa „Kriegsschiff-Insel“. Das nur rund 480 Meter lange und 160 Meter breite Eiland wurde vor allem durch den Kohlebergbau geprägt. 1890 übernahm Mitsubishi die Mine und baute Hashima in den folgenden Jahrzehnten zu einer dicht besiedelten Industriestadt aus.

Die Insel Hashima von oben.

Als Kohlenmine wurde Hashima 2015 zum Bestandteil des UNESCO-Welterbes „Japan's Meiji Industrial Revolution“ erklärt. (Archivbild)

Auf dem Höhepunkt des Bergbaus lebten 1959 rund 5259 Menschen auf der gerade einmal etwa 6,3 Hektar großen Insel. Weil der Platz knapp war, entstanden zahlreiche mehrstöckige Stahlbetongebäude. Zur Infrastruktur gehörten unter anderem Schulen, ein Krankenhaus, Geschäfte, ein Tempel und ein Schrein. Unter der Insel erstreckten sich weitläufige Stollen und Schächte, in denen Kohle abgebaut wurde. Die Geschichte Hashimas umfasst allerdings auch den Einsatz koreanischer Zwangsarbeiter und chinesischer Kriegsgefangener während der japanischen Kriegszeit.

Mit dem Aufstieg des Erdöls verlor die Kohle in Japan zunehmend an Bedeutung. Mitsubishi stellte den Bergbau auf Hashima im Januar 1974 ein, wenige Monate später war die Insel vollständig verlassen. Seitdem sind die Gebäude Wind, Regen, Salz und Taifunen ausgesetzt. Viele Wohnhäuser und Industrieanlagen verfielen, während die Natur zunehmend Teile des einst dicht bebauten Geländes zurückeroberte. Wegen der Einsturzgefahr sind große Bereiche für Besucher gesperrt; die Insel kann nur im Rahmen organisierter Touren betreten werden.

Seit 2015 gehört Hashima als Teil der „Stätten der japanischen Meiji-Industrierevolution“ zum UNESCO-Welterbe. Die Organisation betrachtet die Insel als Zeugnis der Industrialisierung Japans, weist aber zugleich auf den fortschreitenden Verfall der Bausubstanz hin. Seit 2009 können Besucher Hashima wieder betreten, allerdings nur auf einem begrenzten, gesicherten Bereich. International bekannt wurde die Insel auch durch ihre ungewöhnliche Kulisse: Die verlassenen Betonbauten dienten unter anderem als visuelles Vorbild für die fiktive Insel im James-Bond-Film „Skyfall“.


Bodie (Kalifornien, USA)

In Bodie rosten unter anderem Autos und alte Badewannen vor sich hin.

Dank der geringen Luftfeuchtigkeit östlich der Sierra Nevada bleiben viele Gebäude, Gerätschaften und Autos in Bodie relativ gut erhalten. (Archivbild)

Bodie ist ein Paradebeispiel für den Wilden Westen und seine vergängliche Pracht. Die einst florierende Goldgräberstadt wurde Anfang des 20. Jahrhunderts verlassen. Heute zeigt sie sich „in arrested decay“ – also im gepflegten Verfall. Es sind noch ungefähr 170 Gebäude vorhanden, die ein großes Feuer 1932 verschont hat, u. a. eine Kirche, die Schule, ein Bankgebäude aus Ziegelsteinen, eine Bar, ein Laden und mehrere Wohnhäuser sowie das große Minengebäude. Als staatlich geschützter Historic Park ist sie ein Klassiker unter den Lost Places.


Oradour-sur-Glane (Frankreich)

Die Geschichte von Geisterstädten ist oft auch eine Geschichte von Gewalt. Oradour-sur-Glane wurde am 10. Juni 1944 von Einheiten der Waffen-SS zerstört. Beim Massaker von Oradour wurden 643 Menschen ermordet, darunter Frauen und Kinder. Die Bewohner wurden zusammengetrieben, das Dorf anschließend geplündert und in Brand gesetzt. Oradour-sur-Glane gilt als eines der schwersten deutschen Kriegsverbrechen in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs.

Bundespräsident Joachim Gauck steht vor der Gedenkstätte.

Bundespräsident Joachim Gauck besichtigte im September 2013 die Mahn- und Gedenkstätte Oradour-sur-Glane in Frankreich. Im Juni 1944 ermordete eine SS-Einheit 642 Bewohner des Dorfes. (Archivbild)

Die Ruinen der Kirche, Werkstätten und Häuser blieben nach dem Massaker weitgehend erhalten und wurden bewusst als Mahnmal bewahrt. Ein neues Oradour-sur-Glane entstand wenige Kilometer entfernt, während der zerstörte Ort als Gedenkstätte erhalten blieb. Heute erinnern Informationstafeln und eine Gedenkstätte an die Opfer und das Geschehen vom 10. Juni 1944. Der Ort steht für das Gedenken an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt und gehört zu den erschütterndsten historischen Orte Europas.


Varosha (Zypern)

Zerstörte und verlassene Hotels der verlassenen Küstenstadt Varosha.

Zerstörte und verlassene Hotels in einem vom türkischen Militär genutzten Gebiet im türkisch besetzten Gebiet in der verlassenen Küstenstadt Varosha in Famagusta, Zypern. (Archivbild)

Der Tourismus in Geisterstädten hat viele Facetten. Varosha war einst ein glamouröser Badeort mit Luxushotels und Prominenten wie Sophia Loren oder Elizabeth Taylor. Seit der Teilung Zyperns 1974 ist der Ort abgeriegelt und verlassen. Erst seit Kurzem ist ein kleiner Teil wieder zugänglich und die leeren Straßen wirken wie eine Zeitkapsel. Viele Gebäude, Schilder und zurückgelassene Gegenstände sind noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Dennoch ist der Zugang weiterhin stark eingeschränkt, da große Teile der Stadt noch immer als militärisches Sperrgebiet gelten und nicht betreten werden dürfen.


Craco (Italien)

Auf einem Hügel in der süditalienischen Region Basilikata liegt Craco, ein verlassenes Dorf wie aus einem Historienfilm. Enge Gassen, steinerne Häuser und die Ruinen der mittelalterlichen Siedlung prägen das Bild des Ortes. Erdrutsche und zunehmende strukturelle Instabilität machten das Leben für die Bewohner jedoch immer schwieriger. Nach und nach wurde Craco aufgegeben und die Bevölkerung in sicherere Gebiete umgesiedelt.

Die alte Bergstadt Craco.

Ein malerischer Blick auf die verlassene, alte Bergstadt Craco, die aus Sandsteinfelsen gebaut wurde. (Archivbild)

Heute gilt Craco als eine der eindrucksvollsten Geisterstädte Italiens. Zwischen den verlassenen Häusern, Kirchen und Mauern wächst die Natur, während die Ruinen auf dem Hügel eine ungewöhnliche Kulisse bilden. Der Ort lockt Filmteams, Abenteurer und Freunde mystischer Orte an. Craco diente bereits mehrfach als Filmkulisse – unter anderem in „Christus kam nur bis Eboli“ (1979), „Die Passion Christi“ (2004), dem James-Bond-Abenteuer „Ein Quantum Trost“ (2008) oder „France“ (2021).


Kolmanskop (Namibia)

Mitten in der Wüste Namibias liegt Kolmanskop, eine ehemalige Diamantenstadt, die heute surreal anmutet. Der Ort entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nachdem deutsche Arbeiter 1908 in der Umgebung Diamanten entdeckt hatten. In kurzer Zeit entwickelte sich Kolmanskop zu einer wohlhabenden Siedlung mit Wohnhäusern, Krankenhaus, Schule, Kasino und weiteren Einrichtungen. Die Gebäude wurden aufwendig errichtet und bildeten einen auffälligen Kontrast zur kargen Wüstenlandschaft.

Das Schild vor der Geisterstadt Kolmanskop.

Auf dem Schild vor der Geisterstadt Kolmanskop in Namibia steht in altdeutschen Lettern der ehemalige Name „Kolmannskuppe“. (Archivbild)

Heute dringt der Sand durch Fenster und Türen und füllt manche Räume meterhoch. Zu den bekanntesten Gebäuden gehört der ehemalige Ballsaal, der mit Kristalllüstern ausgestattet war. Der Niedergang begann, als die Diamantenvorkommen in der Umgebung erschöpft waren und weiter südlich neue, ergiebigere Fundstellen entdeckt wurden. Der Erste Weltkrieg und die politischen Veränderungen in der Region verstärkten den wirtschaftlichen Bedeutungsverlust. 1956 verließ der letzte Bewohner Kolmanskop, seitdem wird die ehemalige Diamantenstadt von der Wüste zurückerobert.


Centralia (Pennsylvania, USA)

Die Ursachen für Verlassenheit sind nicht immer sichtbar, sondern brodeln im wahrsten Sinne des Wortes unter der Erde. In Centralia brennt seit 1962 ein unterirdisches Kohleflöz. Giftige Gase und absackende Straßen machten den Ort zum großen Teil unbewohnbar. Heute zeugen nur noch vereinzelte Ruinen und rauchende Erdspalten vom einstigen Leben.

Ein zerfallenes Haus, umringt von Bäumen.

Die Stadt Centralia, Pennsylvania, ist nach einem 1962 ausgebrochenen Minenbrand, der bis heute anhält, nahezu verlassen. (Archivbild)

Dennoch leben hier noch vereinzelt Menschen. Im Jahr 2023 wurden bei der bislang letzten Volkszählung fünf Einwohner gezählt. Centralia war die Vorlage für die Verfilmung – nicht das Computerspiel – von „Silent Hill“, da der Regisseur Christophe Gans familiäre Verbindungen zu der Stadt hatte.


Humberstone und Santa Laura (Region Tarapacá, Chile)

Diese beiden Salpeterstädte in der südamerikanischen Atacama-Wüste zählen zu den berühmten Geisterstädten der Welt. Humberstone und Santa Laura entstanden im Zusammenhang mit dem Abbau und der Verarbeitung von Salpeter, der vor allem als Dünger und für die Herstellung von Sprengstoffen genutzt wurde. Die Industrieanlagen und Wohngebäude stehen heute unter UNESCO-Schutz. Der trockene Wüstenwind und das extrem niederschlagsarme Klima haben dazu beigetragen, dass viele Gebäude und Anlagen erstaunlich gut erhalten sind.

Blick auf die Salpeterwerke.

Die Salpeterwerke Santa Laura und Humberstone befinden sich in der Wüste des Norte Grande von Chile und sind 47 Kilometer von der Stadt Iquique entfernt. (Archivbild)

Die Orte vermitteln einen Eindruck vom Leben in den ehemaligen Salpeterwerken mit Fabrikanlagen, Werkstätten, Wohnhäusern und öffentlichen Einrichtungen. Als der natürliche Salpeter seine wirtschaftliche Bedeutung verlor, wurden die Anlagen aufgegeben. Heute stehen die Ruinen inmitten der kargen Wüstenlandschaft und erinnern an die industrielle Geschichte der Region. Die Städte dienten außerdem als Drehorte für Folgen der deutschen Fernsehserien „Auf Achse“ und „Jolly Joker“.


Kayaköy (Türkei)

Kayaköy ist ein Zeugnis für die komplexe Geschichte von Geisterstädten im Kontext von Vertreibung. Nach dem griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch von 1923 blieb das einst lebendige Dorf leer zurück. Zuvor lebten hier überwiegend griechisch-orthodoxe Christen. Die Häuser, Kirchen und Schulen stehen heute als stilles Denkmal der vergangenen Koexistenz. Viele Gebäude wurden nach der Aufgabe des Ortes nicht mehr bewohnt und verfielen im Laufe der Jahrzehnte.

Blick auf die Geisterstadt Kayaköy.

Die ehemaligen Bewohner der Geisterstadt Kayaköy waren in der Mehrheit Griechen und mussten die Türkei nach dem Ersten Weltkrieg schlagartig verlassen. (Archivbild)

Heute ist Kayaköy ein Museumsdorf und steht unter Denkmalschutz. Fast 3500 Hausruinen sind erhalten geblieben und prägen das Bild des verlassenen Ortes. Zwischen den steinernen Häusern stehen noch zwei griechisch-orthodoxe Kirchen, die zu den markantesten Bauwerken der Siedlung gehören. Die Ruinenstadt liegt nahe der türkischen Mittelmeerküste bei Fethiye und ist heute ein touristisch erschlossener historischer Ort.


Stromness (Südgeorgien, britisches Überseegebiet)

Am Ende der Welt, umgeben von Eis und Felsen, liegt die verlassene Walfangstation Stromness. Berühmt wurde sie durch die Shackleton-Expedition von 1916, die hier ihr glückliches Ende fand, nachdem sie die gebirgige Insel von Süden nach Norden durchquert hatte. Heute wirkt der rostige Hafen wie die Kulisse eines Endzeitfilms.

Blick auf die verlassene Walfangstation.

Ansichten der verlassenen Walfangstation in der Stromness Bay auf Südgeorgien im Südlichen Ozean. (Archivbild)

Zur gespenstischen Atmosphäre tragen auch die mit Walknochen übersäten Ufer der Stromness Bay bei. Als Tourist sollte man übrigens Abstand halten: Gefahr geht von den teilweise baufälligen und asbestverseuchten Gebäuden aus. Besucher müssen einen Abstand von etwa 200 Metern zu den Gebäuden und Anlagen einhalten.