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Interview

Professor Jürgen Wolf
„Ist der Tumor klein, sind nach der Op acht von zehn Patienten gesund“

Papst Leo XIV ist an Lungenkrebs erkrankt. Professor Jürgen Wolf von der Uniklinik Köln spricht über Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen.

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IPA89646606 - Italy, Rome, Vatican, October 13, 2026: Pope Leo XIV arrives at Gemelli University Hospital ahead of surgery to remove a lump from his lung, in Rome. Photo by ALESSIA GIULIANI/Catholic Press Photo PUBLICATIONxNOTxINxITA Copyright: xALESSIAxGIULIANI/xCatholicxPressxPhotox/xx IPA89646606

Papst Leo XIV ist an Lungenkrebs erkrankt.

Herr Professor Wolf, Papst Leo XIV ist an Lungenkrebs, genauer einem Adenokarzinom, erkrankt. Sie können keine Ferndiagnose geben. Kann man dennoch Aussagen zu Heilungschancen treffen?

Jürgen Wolf: Die Tatsache, dass er operiert wurde, ist zumindest ein Hinweis darauf, dass es auf jeden Fall die Chance auf Heilung gibt. Sonst hätte man erst gar nicht operiert, sondern gleich anders behandelt. Wenn operiert wird, geht man erstmal davon aus, dass der Tumor weg ist. Allerdings gibt es natürlich eine Rückfallwahrscheinlichkeit und die ist bei Lungenkrebs jedenfalls deutlich höher als bei anderen Krebsarten wie zum Beispiel Brust- oder Darmkrebs.

Von welchen Zahlen sprechen wir denn da?

Das kommt auch auf die Größe des Tumors an. Ist er sehr klein, also so im Bereich von ein bis drei Zentimeter im Durchmesser und sind keine Lymphknoten betroffen, dann sind etwa acht von zehn Patientinnen und Patienten tatsächlich gesund. Mit zunehmender Tumorgröße und Lymphkontenausbreitung liegt die Rückfallwahrscheinlichkeit schon schnell bei mehr als 50 Prozent.

Kann man das Rückfallrisiko durch zusätzliche medikamentöse Maßnahmen senken?

Ja, ab einer gewissen Tumorgröße ist es wichtig, den Tumor genauer zu untersuchen, also insbesondere mittels molekularer Diagnostik nach einer Treiber-Mutation zu suchen. Es handelt sich dabei um eine genetische Veränderung in den Tumorzellen, die das unkontrollierte Wachstum beim Lungenkrebs auslöst und vorantreibt. Für viele dieser Patienten besteht dann die Möglichkeit, mit einer Tablettentherapie über zwei bis drei Jahre nach der Operation, das Rückfallrisiko noch einmal deutlich zu senken. Auch wenn man keine solche Mutation findet, kann man das Rückfallrisiko mit einer Chemotherapie, in Abhängigkeit von weiteren Tumoreigenschaften auch zusätzlich mit einer Immuntherapie, senken. Die Chemotherapie nach der Operation ist allerdings sehr belastend und sollte nur bei fitten Patienten durchgeführt werden.

Jürgen Wolf

Professor Jürgen Wolf ist Medizinischer Direktor des Centrums für Integrierte Onkologie an der Uniklinik Köln.

Wäre es gut oder schlecht, wenn man beim Papst eine Mutation fände?

Das wäre zumindest gut, wenn es sich um eine therapeutisch angehbare Mutation handelt. Für die akute Situation nach der Operation bestünde dann möglicherweise die Chance einer zielgerichteten Therapie, um das Rückfallrisiko zu senken. Und selbst bei einem Rückfall stünden ebenfalls wirksame zielgerichtete Therapien zur Verfügung.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Papst eine dieser Treiber-Mutationen hat?

Das kommt ein bisschen darauf an, ob er geraucht hat oder nicht. Für die Gesamtheit aller Patienten mit Adenokarzinom der Lunge liegt die Häufigkeit bei etwa 30 Prozent, für Patienten, die nie geraucht haben, bei bis zu 70 Prozent.

Angenommen, der Papst war Nichtraucher. Was könnte das Karzinom dann ausgelöst haben?

Rauchen ist mit Abstand der wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs und für etwa 80 bis 85 Prozent der Erkrankungen verantwortlich. Aber auch Menschen, die nie geraucht haben, können an Lungenkrebs erkranken. Bei ihnen finden wir sogar besonders häufig bestimmte genetische Veränderungen im Tumor, sogenannte Treibermutationen, die das Krebswachstum auslösen. Warum diese Mutationen entstehen, wissen wir häufig nicht. Daneben gibt es weitere Risikofaktoren, insbesondere Feinstaub, Luftverschmutzung und das natürlich vorkommende radioaktive Edelgas Radon.

Wo kann man denn damit in Kontakt kommen?

Radon entsteht beim natürlichen Zerfall radioaktiver Stoffe im Boden. Es kann durch undichte Stellen im Fundament in Gebäude eindringen und sich insbesondere in Kellern und schlecht belüfteten Räumen anreichern. Die Belastung hängt stark von den örtlichen Verhältnissen ab und ist in manchen Regionen deutlich höher als in anderen. Radon ist ein wissenschaftlich gut belegter Risikofaktor für Lungenkrebs.

Könnte auch Weihrauch Krebs auslösen?

Beim Verbrennen von Weihrauch entstehen Feinstaub und andere Schadstoffe, darunter auch potenziell krebserregende Substanzen. Allerdings gibt es bislang keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass die gelegentliche Exposition gegenüber Weihrauch, etwa bei Gottesdiensten, das Lungenkrebsrisiko relevant erhöht.