In sozialen Medien wird Rapsöl als giftig verteufelt. Doch was sagen Ernährungsexperten zu den Vorwürfen?
Besser als OlivenölWarum Experten das Speiseöl loben und Influencer warnen

Rapsöl - in sozialen Medien ein beliebtes Thema für Negativ-Darstellungen.
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In den Haushalten von Köln und der Umgebung ist es weit verbreitet, doch auf sozialen Plattformen wächst die Kritik daran: Rapsöl. Während Spezialisten das Öl seit langer Zeit günstig beurteilen, geben Influencer Warnungen heraus wie: „Rapsöl vergiftet dich!“. Von anderen werden zudem Risiken durch die industrielle Herstellung oder ein gesteigertes Krebsrisiko thematisiert.
„Die wissenschaftlichen Empfehlungen fallen deutlich anders aus als viele Diskussionen in sozialen Netzwerken“, äußert Matthias Riedl, Ernährungsmediziner und ärztlicher Leiter des Medicum Hamburg. Eine pointierte Darstellung und Verunsicherung hätten in sozialen Medien oft mehr Erfolg als eine differenzierte Betrachtung, erläutert zudem Hans Hauner, Seniorprofessor für Ernährungsmedizin bei der Else Kröner-Fresenius-Stiftung an der TU München. „In sozialen Medien geht es meist nicht um wissenschaftliche Fakten, sondern um Aufmerksamkeit und Klicks.“
Online-Mythen und die Einschätzung von Experten
Die verbreiteten Thesen können einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht genügen. So existieren Fachverbänden zufolge keine Nachweise dafür, dass Rapsöl entzündliche Prozesse begünstigt; stattdessen verfügt es über eine vorteilhafte Relation von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren. Ebenso ist die Warnung bezüglich raffinierten Öls irreführend. Riedl zufolge dient der Raffinationsprozess der Entfernung unerwünschter Substanzen und der Verbesserung der Hitzebeständigkeit. Für ein gesteigertes Krebsrisiko liegen laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ebenfalls keine validen Daten vor. Die Befürchtung bezüglich schädlicher Erucasäure ist grundlos, weil heutige Rapssorten gemäß dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) lediglich gesundheitlich unproblematische Konzentrationen aufweisen.
Eindeutiges Urteil von Experten zu Rapsöl
„Rapsöl ist ein ausgezeichnetes Speiseöl“, so das Urteil von Ernährungsmediziner Hauner. Es liefere zahlreiche einfach ungesättigte Fettsäuren und auch Vitamin E und sei damit „im Prinzip sogar etwas besser als Olivenöl und dabei deutlich günstiger“. Der Ernährungsmediziner Riedl fügt hinzu, dass die Brat-Alternativen, beispielsweise Butter oder Kokosfett, erheblich mehr gesättigte Fettsäuren aufweisen, die von der DGE auch eher negativ bewertet werden.
Zusätzlich zu Rapsöl rät die DGE auch zur Nutzung von Oliven-, Walnuss-, Lein- und Sojaöl als vegetabile Fettlieferanten. Prinzipiell ist nicht der komplette Verzicht auf Fett das Ziel, sondern vielmehr die Auswahl vorteilhafter Quellen sowie ein moderater Gebrauch. Hierbei ist raffiniertes Rapsöl hitzebeständig und flexibel verwendbar. Lediglich starkes oder mehrmaliges Erhitzen sollte man wie bei zahlreichen Fetten unterlassen, weil dabei nicht erwünschte Substanzen gebildet werden können, erklärt Riedl.
Die Suche nach der einfachen Antwort
Die Verbreitung solcher Fehlinformationen ist laut Riedl auch darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Personen einfache Antworten für vielschichtige Gesundheitsfragen suchen. Darüber hinaus nimmt das Misstrauen gegenüber der industriellen Nahrungsmittelherstellung zu. Untersuchungen legen nahe, dass auf Plattformen Inhalte eine größere Verbreitung finden, welche Emotionen hervorrufen. Hierdurch kollidieren zwei unterschiedliche Denkweisen: Die Wissenschaft operiert mit Abwägungen, während soziale Netzwerke simple Botschaften honorieren.
Aus einer wissenschaftlichen Perspektive ist Nahrung selten klar als gut oder schlecht zu bewerten. Fachverbände sehen nicht isoliert einzelne Nahrungsmittel, sondern betrachten Ernährungsgewohnheiten als Ganzes. „Entscheidend ist nicht ein einzelnes Lebensmittel, sondern Menge und Gesamternährung“, sagt Riedl. „Die Dosis macht das Gift.“ (dpa/red)
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