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Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch6 Irrtümer zur Jagd, die sich hartnäckig halten

Lesezeit 4 Minuten
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Übrigens: Das männliche Reh heißt Rehbock.  

Köln – Sollte ein Bekannter Ihnen erzählen, er habe in einem Wildpark die Rehe gefüttert, können Sie als erklärter Besserwisser demnächst entschieden widersprechen. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit hatte der Tierfreund Hirsche vor sich, Rehe kann man nicht in Gefangenschaft und größeren Gruppen halten, sie haben Reviere und würden sich gegenseitig nach kurzer Zeit an den Kragen gehen. Auch andere Verwechslungen halten sich hartnäckig. So ist vielen Stadtbewohnern der Unterschied zwischen Jägern und Förstern ebenso schleierhaft, wie der zwischen Kaninchen oder Hasen. Dabei ist es oft gar nicht so einfach, so sind zwar Jäger keine Förster, Förster wiederum aber fast immer auch Jäger. Mit diesen kleinen Beispielen möchten wir zur Entwirrung im Jäger-Latein beitragen.

Hirsch und Reh

Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch. Es ist auch nicht sein Kind. Reh und Hirsch sind entfernte Verwandte. Rothirsche wiegen mit gut 100 Kilogramm vier bis fünf Mal so viel wie Rehe, die Männer haben riesige Geweihe, Rehböcke dagegen nur ganz kleine. Hirsche leben in NRW in den großen Waldgebieten Eifel und Sauerland. Rehe hingegen sind außerhalb der Städte fast überall anzutreffen. Hirsche bilden riesige Herden, Rehe sind im Sommer meist allein oder zu zweit unterwegs, nur im Winter bilden sie Gruppen.

Kaninchen und Hase

Ist es ein Hase, oder ein Kaninchen? Wenn es im Stall sitzt, ist es ein Kaninchen. In freier Wildbahn gibt es sie beide. Feldhasen sind groß, schlank mit langen Hinterbeinen und vier bis sechs Kilo schwer. Sie lassen sich nicht in Gefangenschaft halten. Hasen leben auf Feldern und gelten mancherorts als bedroht. Kaninchen leben auch in Großstädten wie Köln und graben unterirdische Baue, die an Deichen zur Gefahr werden können. Sie wiegen maximal zwei Kilogramm und sind die Stammväter unserer Hauskaninchen.

Biber und Nutria

Ende Januar häuften sich die Meldungen von zwei Bibern am Kölner Ebertplatz. Doch es waren keine, sondern Nutrias. Biber sind mit einem Meter Länge fast doppelt so groß wie die invasiven und aus Nordamerika stammenden Nutrias. Biber sind äußerst selten und streng geschützt, Nutrias, weil sie Deiche gefährden, vielerorts eine Plage. Nutrias haben hervortretende, sichtbare Ohren und weiße Barthaare, ihr Rücken ist meistens beim Schwimmen sichtbar, bei Bibern nicht. Sie tauchen bis auf den Kopf komplett unter. 

Dachs und Stinktier

Dachs und Stinktier wird man in freier Wildbahn eher nicht verwechseln können. Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit laufen sie sich niemals über den Weg. Der Dachs lebt in Europa und kann mit bis zu 15 Kilogramm so schwer werden wie ein Baby-Wildschwein. Er gräbt riesige Baue, die er oft in einem Burgfrieden mit Füchsen teilt. Stinktiere oder Skunks leben in Amerika. Sie wiegen maximal ein Drittel eines Dachses. Verwechslungen kommen deshalb vor, weil es der Skunk in einige US-Comics geschafft hat.

Marder und Iltis

Marder und Iltis sind in Größe und Gestalt vergleichbar. Der Steinmarder hat einen weißen gegabelten Kehlfleck. Der Iltis hat eine Art Maske, ein weißes Gesicht mit dunklen Rändern um die Augen. Sollten Sie Ärger mit durchgebissenen Kabeln im Auto haben, so war es der Marder, der gern auch auf Dachböden lebt. Doch auch der Iltis wagt sich in die Nähe von Siedlungen. Das Frettchen ist die domestizierte Form des Iltis. Um die Verwirrung komplett zu machen: Ähnlich sind noch Baummarder, Hermelin und Mauswiesel.

Jäger und Förster

Jäger und Förster tragen grüne Klamotten und sind oft im Wald. Da liegt es nahe, sie für ein und dieselbe Person zu halten. Ist aber nicht so. Jäger sind Menschen, die in der Regel als Hobby zur Jagd gehen und dafür viel Geld bezahlen. Dazu pachten sie von den Landbesitzern einen so genannten Jagdbezirk und haben so das Jagdausübungsrecht.

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Förster dagegen ist ein Hauptberuf, meist sind sie bei Bund, Land oder Kommune angestellt und oft sogar Beamte. Ihre Aufgabe ist die Pflege des öffentlichen Waldes und die Betreuung der privaten Waldbesitzer in allen Fragen um Bäume und Co. Oft üben sie auf den Flächen der öffentlichen Hand – nebenbei – auch die Jagd aus, der Jagdschein ist Bestandteil ihres Studiums. So kommt es, dass Förster auch Jäger sind, aber nicht umgekehrt. Zwischen beiden Parteien gibt es Konflikte. Jäger haben oft Interesse an reichen Wildbeständen, Förster wollen diese zum Schutz des Waldes kurz halten.

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