Brandgefährlicher Internet-TrendWarum Teelichtöfen nicht beim Gassparen helfen

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teelichtofen

Schnell gebastelt, aber wenig effektiv: ein selbstgemachter Teelichtofen.

Köln – Angesichts steigender Energiepreise fürchten sich viele Menschen vor unbezahlbaren Gasrechnungen. Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten stoßen viele von ihnen momentan bei Youtube, Tiktok und Co. auf Videos, in denen sogenannte Teelichtöfen als kostengünstige Do-It-Yourself-Methode angepriesen werden, um auf die Heizung zu verzichten. Die Konstruktion aus Teelichtern und Tontöpfen mag zwar eine spaßige Bastelaufgabe sein, der Nutzen allerdings ist fraglich. Und: Die Teelichtöfen können gefährlich werden. Was stattdessen wirklich beim Energiesparen hilft.

Zunächst zur Idee, die so einfach wie einleuchtend klingt: Teelichter, die auf einem Untertopf drapiert und angezündet werden, erhitzen die darüber befindlichen Tontöpfe, die durch eine Gewindestange mit dem Untertopf verbunden werden.

„Es funktioniert nicht gut, spart keine Kosten und ist gefährlich“

Die Idee stößt auf immer mehr Nachahmer auch in Köln und der Region. Ein Unternehmenssprecher von Bauhaus bestätigt das gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Nachfrage nach Tontöpfen und Teelichtern sei in den Filialen in und um Köln gestiegen. Gleichzeitig weist das Unternehmen darauf hin, dass es sich bei den Teelichtöfen „um einen DIY-Trend aus dem Netz handelt, für dessen vermeintliche wärmende Wirkung größerer Räume oder auch mögliche Risiken Bauhaus keine Garantie/Gewährleistung übernimmt.“

Das hat seine Gründe. Reinhard Loch, Energieexperte der Verbraucherzentrale fasst den Trend zusammen: „Es funktioniert nicht gut, spart keine Kosten und ist gefährlich.“ Die Wärmeleistung der Teelichtöfen reicht bei weitem nicht aus, um ein Zimmer aufzuheizen. Für eine 15 Quadratmeter große Küche, so rechnet Loch vor, bräuchte man 30 Teelichter. Diese 30 Teelichter würden aber viel Sauerstoff aufsaugen. Gleichzeitig würden Ruße und Kohlenstoffdioxid beim Verbrennen der Lichter entstehen. „Es muss also regelmäßig gelüftet werden, was wiederum für neue Kaltluft sorgt.“

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Auch Ulrich Laschet, Sprecher der Feuerwehr Köln, stellt den Nutzen der Teelichtöfen infrage. „Es gibt zwar einen Wärmeffekt, aber der ist kaum erwähnenswert.“ Auch er rät von den Teelichtöfen ab. An den heißen Tontöpfen könne man sich die Finger verbrennen. Das sei vor allem für Kinder eine Gefahr, die achtlos an die Teelichtöfen fassen könnten. „Und wenn die Teelichtöfen alleine im Zimmer gelassen werden, kann es richtig gefährlich werden“, sagt Laschet. Vor allem, wenn zu viele Teelichter auf einmal auf den Untertöpfen angezündet werden, bestehe die Gefahr eines Wachsbrandes. Ein großes Feuer sei die Folge.

Laschet sind bisher keine Feuerwehreinsätze aufgrund von Teelichtöfen bekannt. In anderen Städten mussten Feuerwehrleute in den letzten Wochen aber schon öfter wegen des Internettrends ausrücken. So etwa in Bad Schwartau in Schleswig-Holstein oder zuletzt in Much im Rhein-Sieg-Kreis, wo ein Teelichtofen für einen Großeinsatz der Feuerwehr verantwortlich war, weil die Teelicht-Konstruktion unbeaufsichtigt zu kokeln begonnen hatte.

Keine goldenen Lösungen fürs Energiesparen

Wer Heizkosten sparen will, dem bleibe kurzfristig nicht viel mehr übrig, als die Temperaturen runterzudrehen, sagt Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale. „Es gibt leider keine goldenen Lösungen.“ Kleinere Tipps, wie die Heizkörper zu entstauben und freizuhalten „und sich neue Nutzungsprofile für den Raum zu überlegen“ würden zwar durchaus Gas einsparen, doch „mehr als zwanzig Prozent Einsparungen sind nicht drin, das sagt auch Wirtschaftsminister Habeck.“

Wie diese Einsparungen am effektivsten vorgenommen werden können, haben wir hier für Sie gesammelt. Als 3-Personen-Haushalt ist es immerhin möglich, bis zu 1074 Euro im Jahr einzusparen. Auch wer weiß, wie die Heizung richtig eingestellt wird, kann damit seine Wohnung deutlich effizienter heizen. Weitere niedrigschwellige Tipps, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen, um die Gasrechnung etwas weniger bedrohlich aussehen zu lassen, finden Sie hier. 

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