Einem Papier des Finanzministeriums zufolge sind von der geplanten Zuckersteuer viel mehr Produkte betroffen als bisher vermutet. Ein Überblick.
Ausmaß der ZuckersteuerDiese beliebten Getränke sind überraschend auch betroffen

Cola mit und ohne Zucker soll künftig stärker besteuert werden. (Symbolbild)
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Die von der Bundesregierung geplante Steuer auf Süßgetränke droht, deutlich weiter zu reichen, als bislang bekannt war. Den Verbraucherinnen und Verbrauchern droht nicht nur eine üppige Preiserhöhung um 36 Prozent, sondern offenbar auch eine Ausweitung der betroffenen Getränke.
Laut einem Papier des Bundesfinanzministeriums, über das die „Bild“ berichtet und das von mehreren Medien bestätigt wird, sollen künftig neben klassischen Limonaden auch Säfte, Milchgetränke, Eistees, Biermischgetränke und Fertigkaffees besteuert werden. Selbst zuckerfreie Produkte mit Süßstoffen wie Cola Zero, Sprite Zero oder Fanta Zero sollen unter die Abgabe fallen.
Geplante Zuckersteuer erfasst auch Cola Zero und Säfte
Die Einführung ist den vorliegenden Informationen zufolge bereits für 2027 vorgesehen, also ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) rechnet im ersten Jahr mit Einnahmen von rund 650 Millionen Euro und danach mit jährlich etwa 450 Millionen Euro. Anders als zunächst diskutiert soll es sich nicht um eine zweckgebundene Abgabe zugunsten des Gesundheitssystems, sondern um eine allgemeine Steuer handeln.
Die Abgabe soll nach dem Zuckergehalt der jeweiligen Getränke gestaffelt werden. Für Produkte mit 4,5 bis sieben Gramm Zucker pro 100 Milliliter sind 26 Cent pro Liter vorgesehen. Getränke mit mehr als sieben Gramm Zucker je 100 Milliliter sollen mit 32 Cent, solche mit mehr als zehn Gramm mit 38 Cent je Liter belastet werden.
Für gesüßte Getränke, die unabhängig vom Zuckergehalt Süßstoffe enthalten, soll der niedrigste Satz von 26 Cent pro Liter gelten. Auf sämtliche Beträge kommt die Mehrwertsteuer hinzu. Zunächst müssen die Hersteller die Abgabe entrichten. Geben sie die Kosten vollständig an den Handel und die Verbraucher weiter, dürften die Preise deutlich steigen.
Regierung plant weitreichendere Zuckersteuer als bekannt
Mit der Steuer verfolgt die Bundesregierung zwei Ziele: den Konsum stark gesüßter Getränke zu senken und zusätzliche Staatseinnahmen zu erzielen. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass sich derartige Abgaben auf den Zuckergehalt von Produkten und deren Absatz auswirken können.
Ob die Maßnahme Wirkung zeigt, wird deshalb maßgeblich von ihrer konkreten Ausgestaltung abhängen. Eine niedrige Pauschalabgabe wird vermutlich weniger verändern als ein Modell, das den Zuckergehalt klar staffelt und die Einnahmen transparent in Prävention investiert. Hinter der Zuckersteuer steht somit nicht nur der Versuch, ein problematisches Konsumverhalten verteuern, sondern auch die politische Frage, wie stark der Staat die Ernährungsentscheidungen seiner Bürger lenken darf. (mbr)
