Erst wollte er FDP-Bundesvorsitzender werden, jetzt hat er sich anders entschieden. In der NRW-FDP scheiden sich an dem Rückzug von Henning Höne die Geister.
FDP-Landeschef überlässt Kubicki den BundesvorsitzHat Henning Höne sich verzockt?

FDP-Landeschef Henning Höne hat den Verzicht auf seine Kandidatur für den Bundesvorsitz als die mit Abstand schwierigste Entscheidung seines politischen Lebens bezeichnet.
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Vorerst ist die Führungsfrage in der Bundes-FDP entschieden. Henning Höne, Chef der NRW-Liberalen, will beim Bundesparteitag der Liberalen Ende Mai in Berlin kein Duell mit Wolfgang Kubicki um den Parteivorsitz liefern. Er wolle seine volle Kraft auf einen Wiedereinzug der FDP bei der Landtagswahl im April 2027 konzentrieren, sagte Höne vor Journalisten in Düsseldorf. „Die will ich zum Fundament machen für das Comeback der Gesamtpartei“, so der Politiker aus dem Münsterland.
Kubicki soll beim bevorstehenden Bundesparteitag allerdings nur für ein Jahr gewählt werden. Nach dem Urnengang in NRW steht bei den Liberalen im nächsten Jahr turnusmäßig erneut die Entscheidung über den Vorsitz an. Sollte Höne erfolgreich sein, hätte er wohl große Chancen, die Nachfolge von Kubicki anzutreten. Auf Fragen zur Aufstellung der FDP im Sommer 2027 wollte Höne nicht eingehen.
Der Politiker aus dem Münsterland hatte am Freitag seinen Verzicht auf eine Kandidatur gegen Kubicki bekannt gegeben. Er habe befürchtet, dass sich der Ton der jeweiligen Anhänger vor dem Parteitag verschärfen würde. „Es hätte die Partei weiter auseinandergetrieben, und das Zusammenführen der Partei wäre im Nachgang immer schwerer geworden“, sagte Höne. „Das Comeback der Partei kann nur mit der gesamten Partei gelingen“, so der FDP-Landeschef. Der Entschluss für den Rückzug sei „die schwierigste Entscheidung“ in seinem politischen Leben gewesen.
Kritik und Lob für Höne aus NRW
Bei der FDP in NRW stieß das Vorgehen von Höne auf unterschiedliche Reaktionen. Ein Vorstandsmitglied der Jungen Liberalen (JuLi) sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, es sei enttäuscht über den Verzicht des Landeschefs auf den Bundesvorsitz: „Da hätte ich mir mehr Mut gewünscht. Der Rückzug hinterlässt für mich den Beigeschmack, dass sich Henning verzockt hat.“ Alexander Steffen, Vize-Landeschef und früher JuLi-Vorsitzender in NRW, sieht das anders. Die wichtigste Aufgabe, vor der die FDP NRW stehe, sei die Vorbereitung einer erfolgreichen Landtagswahl. „Ich bin froh, dass wir mit Henning Höne einen Landesvorsitzenden haben, der dieser Aufgabe alles unterordnet“, sagte Steffen unserer Zeitung.
Hönes Entscheidung, die Kandidatur zurückzuziehen und Kubicki zu unterstützen, sei „kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck politischer Größe und Reflexionsfähigkeit“ – Eigenschaften, die in der Politik selten geworden seien. Er mache sich um die Zukunft des Landesvorsitzenden „keine Sorgen“. Mit Blick auf die entscheidende Landtagswahl im nächsten Jahr komme „ihm eine zentrale Rolle“ zu.
Höne hatte erst Ende März seinen Hut in den Ring geworfen und unterstrichen, dass er mit seiner Kandidatur ein Signal für einen glaubwürdigen Neustart der FDP senden wolle. Die Liberalen sind derzeit nur noch in sechs von 16 Landesparlamenten vertreten. Nach den schweren Niederlagen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit 4,4 beziehungsweise 2,1 Prozent war die gesamte Führung der Bundespartei zurückgetreten.