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Neue StudieWie schlecht digitalisierte Schulen Chancen verbauen und Lehrer belasten

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Schul-Check-Header Arbeitsbedingungen Lehrer

Lehrerin beim digitalen Distanzunterricht aus dem Klassenzimmer während der Corona-Krise.

Köln/Göttingen – Die Corona-Krise hat den Schulen in Deutschland einen Digitalisierungsschub gebracht, doch es bestehen weiter eklatante Lücken bei der technischen Ausstattung von Schulen und Lehrenden. Das stellt die Universität Göttingen in einer aktuellen Studie, die mit der die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) durchgeführt wurde, fest. Eine weitere Erkenntnis: Die Arbeitsbelastung für Lehrerinnen und Lehrer nimmt weiter zu. Und unter schlechten Voraussetzungen leiden auch Kinder und Jugendliche.

Für die Studie wurden im Januar und Februar 2021 insgesamt 2750 Lehrkräfte an 233 weiterführenden Schulen aus allen Bundesländern befragt, die Ergebnisse sind repräsentativ. Der Anteil von Schulen, die Lehrenden und Lernenden einen kabellosen Zugang zum Internet zur Verfügung stehen, wird der Studie zufolge weiter nicht den Ansprüchen einer digitalen Bildung gerecht. „Nur 70 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer arbeiten an Schulen, an denen es WLAN für alle Lehrkräfte gibt. Die Hälfte der Schulen hat kein WLAN für die Schülerinnen und Schüler“, sagt Studienleiter Frank Mußmann von der Universität Göttingen.

Viel Luft nach oben

58 Prozent nutzten regelmäßig Lernmanagementsysteme – vor der Pandemie waren dies lediglich 36 Prozent. Gefragt nach der digitalen Ausstattung an Schulen, ergibt sich ein durchwachsenes Bild: So arbeiten nur 57 Prozent der befragten Lehrkräfte an Schulen mit ausreichend digitalen Geräten für die Verwendung im Unterricht.

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Und auch bei der Unterstützung, wenn es mal Probleme gibt, ist viel Luft nach oben: Nur die Hälfte der Befragten berichtet, dass sie Hilfe erfährt, um technische Hürden zu überwinden. „Das führt zu Zusatzaufgaben, die Lehrkräfte on-top zu den pädagogischen und organisatorischen Aufgaben leisten müssen“, sagt Mußmann.

Welche Fehler machen wir beim Lernen? Die Lehr-Lernforscherin Ines Langemeyer war zu Gast im Schul-Check-Podcast und ordnet Lernmythen ein:

Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied kritisiert diesen Zustand: „Die Lehrkräfte müssen sich auf die pädagogischen Aufgaben konzentrieren können.“ Die Gelder, um Systemadministratoren und andere dringend benötigte IT-Fachleute einzustellen, stünden bereit und müssten „endlich abgerufen und verstetigt werden“, sagt Hoffmann: „Digitale Werkzeuge sollen die Lehrkräfte pädagogisch unterstützen – und nicht zu einer Dauerbaustelle werden.“

Nicht zu verantwortende Arbeitsbelastung

Die Lücken in der digitalen Ausstattung und die Mehrfachbelastung in der Pandemie hätten zu einer nicht zu verantwortenden Arbeitsbelastung der Lehrkräfte und zu einer zunehmenden digitalen Kluft geführt, ergänzt GEW-Vorstand Ansgar Klinger: „Diese Entwicklung müssen wir stoppen und nachhaltig umkehren, damit Schulen sowie Schülerinnen und Schüler nicht weiter abgehängt werden.“

Denn das vielen Kindern und Jugendlichen Chancen verbaut werden, ergibt sich aus der aktuellen Studie ebenso. Die Studienmacher unterscheiden hinsichtlich des Digitalisierungsfortschritts zwischen vier Schulprofilen: Digitale Vorreiter-Schulen, Digital orientierte Schulen, Durchschnitt-Schulen und Nachzügler-Schulen. Zwischen ihnen gibt es eine gravierende Lücke.

Unterschiede nach Schultyp

Denn je nach Schultyp können Lehrkräfte mehr als doppelt so häufig auf WLAN zugreifen und Schülerinnen und Schüler sogar vier Mal häufiger das WLAN nutzen. In Vorreiter-Schulen wird die digitale Technik viel häufiger zur Motivation von Kindern und Jugendlichen und zur Anpassung an ihre Bedürfnisse genutzt.

Dabei bleiben wichtige Kompetenzen auf der Strecke, wie Frank Mußmann verdeutlicht: „Es ist nicht gut für eine Demokratie, wenn nur 34 Prozent der Schülerinnen und Schüler in digitalen Nachzügler-Schulen lernen, wie sie prüfen können, ob sie sich auf Informationen im Internet verlassen können“. An Vorreiter-Schulen beträgt dieser Wert 62 Prozent. Ein anderes Beispiel: 79 Prozent der Schüler und Schülerinnen an Vorreiter-Schulen lernen, wie sie digitale Inhalte erstellen können. An Nachzügler-Schulen gilt das nur für 44 Prozent.

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Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Schluss: „Die digitale Kluft an Deutschlands Schulen gefährdet die Kompetenzentwicklung und gleichberechtigte Teilhabe.“