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Rockerbanden in NRWAusufernde Gewalt unter Rockern bereitet Behörden Sorgen

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Rockerbanden führen gewalttätige Kämpfe um Einflussbereiche.

  1. Der Chef einer Duisburger Rocker-Gang stach einem Mann in einem Imbiss mit der Gabel in die Wange.
  2. Der Duisburger Club ist neu im nordrhein-westfälischen Rockerkrieg, Alleine im Januar gab es 17 schwere Straftaten in NRW.
  3. In Köln gab es einen Ermittlungserfolg - trotzdem bereitet die ausufernde Brutalität den Behörden Sorgen.

Köln – Der Mann mit der Kutte zögerte nicht lange. Der Präsident der Rockerbande Dirty Blood MC saß gerade in einem Duisburger Schnellimbiss, als er bemerkt haben will, dass ein Gast seine Frau anstarrte. Es gab einen kurzen Streit, dann nahm der Rocker eine Gabel und stach sie dem Mann in die Wange.

Der Chef der Duisburger Gang ist der Polizei wenige Tage zuvor schon einmal aufgefallen. Am späten Abend des 6. Januar dieses Jahres gerieten auf offener Straße drei Männer aneinander. Am Ende lag einer am Boden, durch mehrere Messerstiche schwer verletzt. Die beiden Täter flohen. Als die Polizei die Umgebung durchkämmte, stieß sie auf einige Mitglieder der Hells Angels. Auch mit dabei: Der Präsident der Dirty Bloods.

Der Duisburger Club, womöglich ein Ableger der Angels, mischt seit neuestem mit im nordrhein-westfälischen Rockerkrieg – vermutlich eine Neugründung. Das geht aus einem internen Bericht des Landeskriminalamts NRW hervor, der dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt.

Das 23-seitige Papier listet alleine für den Januar dieses Jahres 17 schwerwiegende Straftaten und Vorfälle auf. Als Auslöser nennt die Behörde „Konfliktlagen um selbsterhobene Gebietsansprüche und Einflussbereiche“. Generell sei die Lage „geprägt von Expansionsbestrebungen“. In Zusammenhang damit stünden Straftaten „bis hin zu schweren Körperverletzungs- und versuchten Tötungsdelikten“.

In Köln gelang den Ermittlern jetzt ein spektakulärer Schlag gegen eine etablierte Bande. Am frühen Mittwochmorgen stürmten SEK-Kommandos zeitgleich 14 Objekte. Neun gesuchte Mitglieder der Hells Angels wurden festgenommen. Einer der Männer soll am 20. November 2015 mit vier Komplizen die Kneipe „No Name“ auf der Neusser Straße gestürmt und einen 29-jährigen Albaner erschossen haben. Auch die Schüsse auf Kiosk-Besitzer am Kölnberg im Juni vergangenen Jahres könnten nun endgültig aufgeklärt werden. Damals wurden eine Mutter und ihre beiden erwachsenen Söhne schwer verletzt.

Ausufernde Brutalität

Trotz des Ermittlungserfolgs in Köln bereitet die zunehmende Gewalt unter Rockerbanden den Behörden große Sorgen. Vor allem die Brutalität, mit der die rivalisierenden Banden vorgehen, scheint auszuufern. In Hagen haben Mitglieder der Hells Angels bei einer Schutzgelderpressung auf den Besitzer eines Wettbüros geschossen. In Herzogenrath haben bislang Unbekannte versucht, mit einem Molotow-Cocktail das Elternhaus eines Bandidos-Mitglieds in Brand zu stecken. In Essen gingen mehrere Männer mit Schlagringen, Messern und Stahlruten aufeinander los – darunter auch ein Mitglied der Gruppe „Crew 45“.

Die Lage in NRW könnte sich nach Einschätzung der Polizei sogar noch deutlich verschärfen. Mit den „Osmanen Germania“ versucht eine weitere rockerähnliche Gruppierung im Kampf um Gebiete und illegale Absatzmärkte mitzumischen, heißt es in dem LKA-Papier. In ihrem „offiziellen Video“ präsentieren sich die Osmanen auf der Internet-Plattform Youtube als skrupellose Schlägertruppe, die mit Pistolen und Pumpguns hantiert. Es sei zu prognostizieren, dass es „zu Konflikten mit den etablierten Outlaw-Motorcycle-Gangs“ kommt, heißt es im Lagebericht.

Doch es gibt auch außerhalb Kölns Erfolgsmeldungen. Den Bereich Aachen, wo Bandidos und Hells Angels zeitweise auf offener Straße kämpften, scheint die Polizei allmählich unter Kontrolle zu bringen. In den vergangenen Wochen seien 21 Mitglieder verfeindeter Rockerbanden festgenommen worden. Die Liste ihrer Delikte ist lang: Landfriedensbruch, versuchte Tötung, Raub, Körperverletzung, Drogenhandel, Förderung der Prostitution und vieles mehr. Den gesetzlosen Motorradfahrern droht jetzt ein jahrelanger Gefängnisaufenthalt.

Drogen-, Waffenhandel und Prostitution

In NRW kämpfen mehrere Outlaw Motorcycle Gangs, also Motorradbanden, die sich selbst gesetzlos nennen, und Rockerbanden um Reviere und Marktanteile im Drogen- und Waffenhandel sowie Prostitution. Der LKA-Bericht listet sieben Clubs mit 2118 Mitgliedern auf. Die stärkste Gruppe sind die Bandidos, die über 20 Chapter, also Gruppierungen, mit 738 Mitgliedern verfügen.

Die zweite Rockermacht sind die Hells Angels mit 14 Chartern und 422 Mitgliedern. Es folgen die Freeway Riders (30/390), Gremium MC (11/379), die Outlaws (9/115) und die Brothers MC (6/74).

Der Boxclub „Osmanen Germania BC“ – aus Frankfurt am Main stammend – hat nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ innerhalb nur weniger Monate in NRW acht Charter gegründet: In Aachen, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund und Bielefeld. (cp, dpa, det)