ÖPNVNicht für alle Fahrgäste in Euskirchen wäre das 49-Euro-Ticket die bessere Lösung

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Für die meisten Kunden dürfte  das 49-Euro-Ticket interessant  sein, aber wohl nicht für alle (Archivbild).

Kreis Euskirchen – Auf die Beschäftigten der Stadtverkehr Euskirchen GmbH (SVE) kommt wohl viel Arbeit zu. Sollte das 49-Euro-Ticket kommen – und daran zweifelt kaum jemand, nachdem sich die Verkehrsminister ja sehr weit aus dem Fenster gelehnt haben –, werden die derzeit acht Service-Kräfte der SVE so gut wie alle der 5300 Abos, die sie verwalten, unter die Lupe nehmen müssen, deren Inhaber informieren und deren Bedürfnisse in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr mit den angebotenen Ticketvarianten abgleichen. Denn nicht für alle könnte das Angebot günstiger sein.

„Denn es gibt im VRS Produkte, die sich um die 49 Euro im Monat bewegen, aber zusätzliche Angebote beinhalten“, so SVE-Geschäftsführer Anno Schichler-Koep. Ein Beispiel: Für Menschen ab 60 Jahren gibt es das „aktiv60“-Ticket für 46,40 Euro im Monat. Damit können Fahrgäste im Euskirchener Stadtgebiet fahren.

Nicht nur Euskirchen, auch Köln, Hamburg oder Berlin

Für weitere 2,60 Euro könnten sie bald auch in Köln, Bonn oder Berlin und Hamburg den ÖPNV nutzen, allerdings entgeht ihnen womöglich ein Zusatzangebot, das „aktiv60“ im Tarif 1a bietet: Mit diesem können sie werktags ab 19 Uhr und am Wochenende mit einer weiteren erwachsenen Person und drei Kindern im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) fahren, also etwa nach Köln oder Bonn.

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Das ginge nach jetzigem Stand mit dem 49-Euro-Ticket nicht. „Wir können also nicht einfach sagen: Jeder, dessen Monatsticket mehr als 49 Euro kostet, steht sich mit dem 49-Euro-Ticket besser“, so Schichler-Koep: „Das gilt sicherlich für das Gros der Abo-Kunden, aber nicht für alle.“

Schichler-Koep (SVE) fordert mehr Geld für Nahverkehr

Sobald die Regeln fix seien, werde die SVE die Abonnenten anschreiben und bei Bedarf beraten. „Das wird ziemlich personalintensiv, aber dem werden wir uns stellen“, so Schichler-Koep, der künftig eine veränderte Bilanz haben wird. Denn Bund und Länder wollen je 1,5 Milliarden Euro jährlich aufbringen, um die mit dem 49-Euro-Ticket verbundenen Mindereinnahmen abzufedern.

Es seien aber weitere Regionalisierungsmittel notwendig, um den Investitionsstau abzubauen und neue Vorhaben möglich zu machen – vor allem, wenn wie erhofft wegen des 49-Euro-Tickets mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen.

Schichler-Koep nennt zudem die hohen Einnahmeausfälle durch Corona und die immensen Ausgaben durch steigende Kraftstoffpreise: „Wir erinnern uns ja an das Neun-Euro-Ticket, das viele Menschen nutzen wollten, dann aber vor vollen Zügen standen.“

Bestes Ticket nutzt nichts, wenn der Bus nicht kommt

Bei dieser Frage schaut auch Hans-Werner Ignatowitz, Vorsitzender des Regionalverbands Rheinland des Fahrgastinteressenvertretung Pro Bahn und Mitglied der Vereinigung „Eifelpendler“ aufmerksam auf die politischen Entscheider: „Es nützt das beste Ticket nichts, wenn Bus oder Bahn nicht fahren.“ Pro Bahn würde die Einführung des 49-Euro-Tickets begrüßen, sagt er.

Details seien dann noch zu klären, wie Ignatowitz an seinem eigenen Beispiel zeigt: Sein Jobticket koste rund 70 Euro, 40 Euro steuert sein Arbeitgeber bei. Wie die künftigen 49 Euro aufgeteilt würden, sei offen.Angenommen, der Arbeitgeber würde sich aus der Finanzierung des dann 49 Euro teuren Monatsabos verabschieden, müsste Ignatowitz 19 Euro drauflegen – könnte dann aber deutschlandweit den ÖPNV nutzen und nicht, wie bisher, nur im VRS-Bereich.

„Wenn es aber die Mitnahmemöglichkeiten nicht gibt, wäre das schon ein Einschnitt“, sagt er. Beim Neun-Euro-Ticket zahlten Stammabonnenten in den drei Monaten jeweils nur neun Euro und konnten je nach Abo-Variante weiterhin in ihrem Verbandsgebiet zu bestimmten Zeiten eine bestimmte Anzahl weiterer Personen mitnehmen.

Fahrgastverband Pro Bahn sind die Einzelfahrten viel zu teuer

Vielleicht wäre das ein Lösungsansatz für das 49-Euro-Ticket, so Ignatowitz. Er fordert zudem von der Politik, auch Gelegenheitsfahrer besser zu stellen – sowohl preislich als auch logistisch. Einzelfahrten seien viel zu teuer, so Ignatowitz auch mit Blick auf die kürzlich verkündeten Preiserhöhungen.

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Und während ein bundesweit gültiges 49-Euro-Ticket den Tarif-Flickenteppich für die Nutzer beenden würde, müssten sich Gelegenheitsfahrer weiterhin durch den Tarifdschungel kämpfen. „Es gibt ja unzählige Verkehrsverbünde mit unzähligen Tarifen“, so Ignatowitz.

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