Spitzenköche und Winzer zeigten am Wochenende in Bad Münstereifel ihr Können. Koch Filip Czmok hatte für das Event seine Kontakte genutzt.
Genusstag im „Marielle“Gourmetwelt war zu Gast in Bad Münstereifel

Jens Rittmeyer aus Buxtehude vollendet seine „Ceviche von der White Tiger Garnele“.
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Einen „Tag voller Genuss“ versprachen Christopher und Marielle Haep am Samstag im Garten ihres „Hotel & Restaurant Marielle“ im historischen Stadtkern von Bad Münstereifel. 125 Gourmetfreunde hatten sich ein Ticket dafür gesichert. Sie nutzten die Gelegenheit, zum Pauschalpreis die Künste von Spitzenköchen und Winzern sowie die Angebote der Zulieferer der gehobenen Gastronomie kennenzulernen.
„Alle sechs Köche, die hier sind, hatten oder haben einen Michelin-Stern“ so Marielle Haep gleich beim Start eines Rundgangs, bei dem die Meister ihres Fachs das mit der Auszeichnung gegebene Leistungsversprechen einlösten. Dazwischen gab es Stehtische, Sitzgruppen, Bänke, Stühle – Platz zum Plausch, Kennenlernen und Fachsimpeln unter Hobbyköchen. DJ „Meener und Fencel“ legte dazu Passendes auf.
Austern- und Weintipps gab es für die Besucher des Genusstages
„Die sind einfach leichter zu öffnen!“ Martin Wolthusen aus Meckenheim hatte Fines de Claire-Austern – seine Spezialität – in der Eiswürfelkühlung liegen, griff sich eine und die Austernzange. „Die hier sind klar im Geschmack, das passt einfach zum Anlass“, begründete der Fachmann die Wahl. Man genieße die Austern am besten pur oder mit einer Charlotten-Vinaigrette, alternativ mit Passionsfrucht und Koriander, so sein Serviervorschlag.

Austernspezialist Martin Wolthusen aus Meckenheim knackte den ganzen Tag Schalen.
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Sommelier Raffaele Manganiello von „Wattlers Wein Welt“ in Zülpich griff wenige Meter weiter zu einer kleinen, mit einer orange-gelben Flüssigkeit gefüllten Glasflasche. „Crodino“, so der Name, sei eine Essenz aus verschiedenen Kräutern und Bitterorange. Mit Sodawasser ergebe das einen wunderbareren Aperitif, so sein Tipp. Oder wie wäre es mit einem Amaro Montenegro aus Bologna? „Den kennen die Leute einfach nicht, schade“, so der Experte. Auch deshalb mache es Spaß, ihn zu empfehlen.
Passionsfrucht, weiße Schokolade und Gurkensalat verarbeitet
„Aufgeschlagene Vanillecreme“ von Marco D’Andrea aus Hamburg, Patissier des Jahres 2020 für den Gourmet-Führer Gault-Millau, war ebenfalls für viele Genussneugierige Neuland. Der Name der Kreation führte allerdings in die Irre: Passionsfrucht, weiße Schokolade und Gurkensalat sind verarbeitet. „Das schmeckt ja wirklich schön frisch“, lobte Heide aus Gemünd überrascht. Welche Strategie sie sich für den Rundgang überlegt habe, um erstens nichts zu verpassen, andererseits aber auch nicht in den Genuss-Stress zu kommen? „Sich zwischen den Gängen zu den Ständen Zeit für Gespräche lassen. Ich denke, dass ich die fünf Stunden, die das hier dauert, auch brauchen werde.“
Einer derjenigen, die aus dem Freundeskreis und Kollegennetzwerk von Marielle-Koch Filip Czmok der Einladung zum Genusstag gefolgt waren, war Jens Rittmeyer aus Buxtehude. Bei ihm waren die Warteschlangen immer wieder lang. „Ceviche von der White Tiger Garnele“ hatte er vorbereitet. Tomate, Ingwer, Beurre Blanc und eben die Supergarnele – wie Rittmeyer das zusammenbrachte, zeigte er den Gästen gerne. „Man braucht eben ein bisschen Geduld. Und vor allem wie immer die richtigen Zutaten“, sagte er nur. Rittmeyer ist ein eher kommunikativer Vertreter seiner Zunft. Er bietet Kochkurse an, hat einen Online-Shop und man kann ihn für die Party als „Privater Chef-Service“ buchen.
Gäste in Bad Münstereifel bekamen„Puddingstreuseleis“
Was sich dann doch als ein eher exklusives Vergnügen für die, die das nötige Kleingeld haben, anhört, gilt bei den Produkten des „Eiswerks“ aus Rheinbach, das auch eine Filiale in Bad Münstereifel hat, nicht so unbedingt. Christopher Nolden hatte Blutorangen- und Haselnusseis mitgebracht. Die ungewöhnlichste Mischung aber war zweifellos das „Puddingstreuseleis“ aus Milcheis, Vanillepudding und eben Streusel. Wie immer sei alles „ohne künstliche Zusatzstoffe und Stabilisatoren“ hergestellt, so Mitarbeiterin Kathi Hitz.

Kathi Hitz von der „Eiswerk“-Manufaktur in Rheinbach hatte „Pudddingstreuseleis“ im Angebot.
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Was alles im Garten des Marielle aufgebaut war, war aber nur die eine Hälfte des Vergnügens. In den Restaurant- und Foyerräumen des Hotels ging die Genießertour weiter. Auf einem knapp vier Meter langen Tisch hatte Oliver Coppeneur aus Bad Honnef Varianten seiner handgemachten Pralinen als lange geschwungene Ornamente arrangiert. Man traute sich kaum, dieses schon optische Kunstwerk durch Entnahme einer Noir Coppeneur (dunkler Kakao aus Ghana und anderes mehr), eines Johannisbeer-Cakes oder eines Kaffee-Arabica Nougat zu zerstören.

Auch ein Augenschmaus: Pralinenornamente auf dem Langtisch von Oliver Coppeneur aus Bad Honnef.
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Ausgelegt war die Pralinenüberfülle auf einem feinen Splitt aus Kakaobohnen aus Madagaskar. Hier ging es um den Genuss, der im Verzicht liegt, auch wenn der Meister selbst auf Nachfrage zugab, dass ein Tag ohne Praline und ohne Schokolade für ihn zwar denkbar, aber eigentlich sinnlos sei. Dann zwinkerte er vielsagend mit den Augen und wandelte ein berühmtes Goethe-Zitat ab: Das Leben sei doch zu kurz, um auf Genuss zu verzichten. Es fiel schwer, ihm angesichts der aufgebahrten süßen Pracht in diesem Moment zu widersprechen.
Auch Renate aus Rheinbach stand wie andere Gäste nur davor und staunte. Sie fasste ihre Eindrücke vom Genusstag so zusammen: „Die Arbeit, die dahinter steckt – das ist einfach unglaublich. So viel Liebe zum Detail.“ Ob sie sich das ebenfalls zutraue? „Ohne weiteres nicht, vielleicht zu besonderen Anlässen“.
Ein Türmchen aus Püree, Mayonnaise, Couscous und Staub
Was sie meinte, konnte man einige Meter weiter, und bewusst abseits des eigentlichen Genusstag-Trubels, sofort nachvollziehen. Konstantin Kuntzsch aus Würzburg und Jonas Zörner aus Berlin hatten nebeneinander ihre kleinen „Reiche“ aufgebaut. Kuntzsch hatte „Signature 2023“ im Angebot: eine minimalistische vegetarische Köstlichkeit aus Blumenkohl und Blattsalat. Eigentlich. Doch für die Präsentation auf dem Teller griff Kuntzsch zur Pinzette: Und dann wurde ein kleines Türmchen gebaut aus Blumenkohl-Püree, Blumenkohl-Mayonnaise, Blumenkohl-Couscous und Blumenkohl-Staub. Es folgten: Blattsalat-Gel, Blattsalat ganz einfach und naturbelassen, Blattsalat-Sorbet als Topping und oben drauf ein Blumenkohl-Chip. Das Ganze sei ein Gang der Menü-Folge, stapelte Kuntzsch eigentlich etwas tief und schmunzelte.

Christopher und Marielle Haep freuten sich über mehr als 100 Gäste des Genussnachmittags im „Marielle“.
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Nebenan strahlte Jonas Zörner, aktuell „Ein-Sterne-Koch“ und Küchenchef des „Lorenz Adlon Esszimmer“-Restaurants im Hotel Adlon Berlin, die zurückhaltende Souveränität desjenigen aus, der weiß, was er kann. „Saibling“ hatte er lapidar sein kleines Meisterstück mit Bezug auf die Hauptzutat genannt. Es war das Gericht, das einem beim Rundgang andere Besucher ungefragt besonders ans Herz gelegt hatten.
Den Fisch beziehe er von einer Fischzucht in Landsberg am Lech in Oberbayern, so Zörner. „Die Qualität spricht einfach für sich“, sagte Zörner. Er kenne den Fachbetrieb seit seiner Ausbildungszeit. „Und für meine Gäste will ich nur die beste Qualität“. Bestandteile der kulinarischen Wunderkreation sind unter anderem konfierte Limetten-Kokosbutter, Verbene-Öl, ein Tortelett aus Saibling-Kaviar, eingelegte Kohlrabi und frischer Salat mit Kokosdressing.
„Das Rezept gebe ich Ihnen gerne“, so Zörner freundlich, er habe auf Wunsch für seine Gäste sogar eine ganze Rezeptsammlung. Man müsse nur zu ihm ins Restaurant kommen. Zwei Wochen vorher bitte reservieren. Das wiederum ist für eine Spitzengastronomie gar nicht so lange.
Nun kann man am Ende einer wunderbaren Genussreise einwenden: ein Event für die, die es sich leisten können. Ganz so einfach ist es nicht, denn die Restaurantpreise für manche der angebotenen Köstlichkeiten hätten den Ticketpreis von 195 Euro vermutlich deutlich überschritten. 20 Euro pro Eintrittskarte gingen zudem an den Kinderschutzbund Bad Münstereifel, der sich an seinem Stand über einen Scheck in Höhe von 2500 Euro freuen konnte.

