Hinter einer unscheinbaren Tür nahe eines Kreisverkehrs in Bad Münstereifel verbirgt sich ein weithin unbekannter Teil der Stadtgeschichte.
Kohle, Bier und BombenIm Radberg in Bad Münstereifel stecken spannende Geschichten

Rund 50 Meter wurde der Stollen in den massiven Fels gegraben, bis die Hoffnung, Steinkohle zu finden, aufgegeben wurde. So beginnt die Geschichte des Felsenkellers, mit dem Norbert Liebing sich intensiv auseinandergesetzt hat.
Copyright: Cedric Arndt
An welch geschichtsträchtigem Ort sie gerade vorbeifahren, wissen wohl die wenigsten Verkehrsteilnehmer, die den Kreisverkehr L194/Trierer Straße in Bad Münstereifel passieren. Denn nahe des Kreisels führt eine kleine Metalltür in den Radberg. Die gibt den Weg frei zu einer Anlage mit einer mehr als 300-jährigen Geschichte. Dank des Geschichtsvereins des Kreises Euskirchen kehrt die fast vergessene Historie des Felsenkellers nach und nach wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zurück.
Zu diesem Zweck hat sich Norbert Liebing in die Archive der Kurstadt eingearbeitet. Das war angesichts der Zerstörungen durch die Flutkatastrophe im Juli 2021, von denen auch Dokumente nicht verschont geblieben sind, nicht immer einfach. Erste schriftliche Belege über die Entstehung des Felsenkellers stammen aus dem Jahr 1720: Es wurde beantragt, mit einem nahe des heutigen Eingangs gewachsenen Baumes einen geplanten Stollen abstützen zu wollen. „Damals wurden für die Metallgewinnung in den Hüttenwerken große Mengen an Steinkohle benötigt, und diese hoffte man hier zu finden“, berichtete Norbert Liebing.
Die erfolglose Grabung schuf den Platz fürs Bier
Ergiebige Vorkommen in Stolberg bei Aachen schürten diese Hoffnungen, doch kein einziger verwertbarer Brocken sollte in Bad Münstereifel zutage gefördert werden. „Etwa 50 Meter haben die Verantwortlichen damals in das Berggestein hineingegraben. Doch weder hier noch an den sogenannten Pingen hatte man Erfolg“, so Liebing über die Geschichte.

Eine unscheinbare Tür führt in das geschichtsträchtige Gewölbe, dessen Historie vor mehr als 300 Jahren begann.
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Über einen Schacht in der Decke entwich warme Luft aus dem Eiskeller.
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Eine massive Druckschleuse sollte die Menschen in dem zum Schutzbunker umfunktionierten Eiskeller vor den Druckwellen der in der Nähe abgeworfenen Bomben schützen.
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Von diesem Rückschlag entmutigt, wurde der Stollen aufgegeben und geriet zum ersten Mal für mehr als 100 Jahre in Vergessenheit. Da sollte sich die vormalige Enttäuschung für Brauereibesitzer Hubert Hendrichs als Glücksfall erweisen. „Innerhalb der Stadtmauern war es zu eng geworden, die Brauerei weiter auszubauen“, so Liebing. Der Plan zum Neubau eines sogenannten Eiskellers musste daher in den Außenbereich verlegt werden – und der einstige Bergwerksstollen sollte die Grundlage dafür sein.
„Im Sommer und im Winter herrschen hier unten gleichmäßige zehn Grad. Durch den leicht abschüssigen Verlauf in Richtung Ausgang konnte das Schmelzwasser des Eises abfließen.“ Für einen Kaufpreis von 20 Talern ging der Stollen 1857 an Hendrichs, dessen Brauerei sich bald zu der größten Bad Münstereifels entwickelte. „Bier war damals nicht nur ein Genussmittel wie heute, es war ein Lebensmittel. Deutlich weniger stark als heute, war es wichtigste Flüssigkeitsquelle für die hart arbeitende Gesellschaft.“
Im Radberg von Bad Münstereifel fanden die Menschen Schutz vor Bomben
Das zur Kühlung benötigte Eis wurde über drei Generationen hinweg durch einen rund 700 Meter vom Stollen entfernt angelegten Teich herbeigeschafft. Der fungierte Anfang des 20. Jahrhunderts während der warmen Jahreszeit als Badeanstalt, in den Wintermonaten wurde das sich bildende Eis in den Keller gebracht. Ab 1911 geschah das mithilfe des ersten Lkw in Bad Münstereifels und mit Aufzügen. „Acht Mann waren damals nötig, um einen solchen Elevator zu bedienen“, berichtet Norbert Liebing den erforderlichen Aufwand. Trotz der knappen Zeit während der Frosttage und der Zerstörung des Lkw im Ersten Weltkrieg sei es gelungen, mehrere hundert Fuhren abzuliefern.
Der Krieg war es auch, der das vorerst letzte Kapitel des einstigen Bergbaustollens einläuten sollte. Während der Bombardierung zum Ende des Zweiten Weltkriegs diente er sowohl Anwohnern aus Bad Münstereifel und Euskirchen als auch zahlreichen Soldaten auf dem Rückzug als Luftschutzbunker. Erfahrungsberichte aus diesen Tagen zeugen auch heute noch von den Ängsten und Sorgen der Schutzsuchenden.
„Letztes Jahr haben wir uns schon mit einem ähnlichen Thema, dem Felsenkeller in Bürvenich, befasst“, erklärte Hans-Gerd Dick, Vorsitzender des Geschichtsvereins: „Die Geschichte des Felsenkellers hier in Bad Münstereifel ist der Öffentlichkeit hingegen größtenteils unbekannt.“ Die Historie nun aufzuarbeiten sei eine große Freude, da sie auch für viele Anwohner Details über ihre Stadt bereithalte.
