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Schau im EifelmuseumSo lebten die Frauen aus dem Grafenhaus Manderscheid-Blankenheim

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Zwei Frauen präsentieren das Buch und zwei Reiseflakons.

Original-Reiseflakons mit Eau de Cologne aus dem 18. Jahrhundert gehören zu den wertvollsten Exponaten der neuen Ausstellung, die Historikerin Dr. Gabriele Rünger (l.) und Dr. Ruth Kirstgen vom Förderverein des Eifelmuseums präsentierten.

Mit den adligen Damen des Grafenhauses Manderscheid-Blankenheim im 17. und 18. Jahrhundert befasst sich eine Ausstellung und eine Publikation.

Im Eifelmuseum von Blankenheim wird die Zeit der adligen Damen des Grafenhauses Manderscheid-Blankenheim im 17. und 18. Jahrhundert lebendig. Die in zwölf Themen aufgeteilte Schau fasst neue Forschungsergebnisse der Historikerin Dr. Gabriele Rünger zusammen. Zeitgleich werden ihre Erkenntnisse als Jahrespublikation des Geschichtsvereins für den Kreis Euskirchen veröffentlicht.

„Darauf sind wir besonders stolz“, sagt Dr. Ruth Kirstgen. Sie ist mit Johannes Mertens Vorsitzende des Fördervereins Eifelmuseum und rollt vorsichtig eine grünliche dünne, längliche Flasche aus dickem Packpapier. Es ist ein Transportflacon aus dem 18. Jahrhundert. Er war einst luftdicht verschlossen und versiegelt mit dem Wappen der berühmten Kölner Parfümerie Farina. Der Flacon  enthielt das schon vor 200 Jahren beliebte und damals elitäre Eau de Cologne. „Die ließ sich Gräfin Augusta gleich zu 100 Stück liefern“, so Kirstgen mit Blick auf eins der vermutlich kostbarsten Exponate der neuen Schau im Eifelmuseum. Die heißt „Stand. Pracht. Macht. Die Gräfinnen von Manderscheid-Blankenheim“ und ist ab dem 16. April im Obergeschoss zu sehen.

Drei Jahre lang Dokumente des Grafenhauses gesichtet

In der Ausstellung wie auch auf den 496 Seiten der neuen Publikation des Geschichtsvereins fächert Gabriele Rünger die Geschichte der adligen Damen aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf. Drei Jahre lang, berichtet Rünger, habe sie dafür vor allem die Digitalisate der Dokumente des Grafenhauses derer von Manderscheid-Blankenheim gesichtet. Die Originale lagern heute im Nationalarchiv in Prag. Sie habe wissen wollen, „was mit diesen Frauen damals passiert ist“, so Rünger.

Rüngers Untersuchung hat ihren Ausgangspunkt bei den Damenstiften, etwa in Köln (St. Ursula), Essen, Thorn, Emmerich-Elten oder Vreden, einem spezifischen Staatstypus im Alten Reich mit eigener Verfassung, Verwaltung und Herrschaftspraxis. Die Elitenausbildung in den Stiften dauerte ein Jahr. Daran schloss sich entweder eine von Machtinteressen des Adelshauses geleitete Hochzeit in den Hochadel an, bis hinein an den kaiserlichen Hof in Wien. Oder die adlige Dame aus der Eifel entschied sich zu einem ehelosen Leben im Stift. Dort machten Gräfinnen aus dem Eifeler Adelsgeschlecht Karriere als machtbewusste Fürst-Äbtissinnen, die große eigene Rechte hatten.

Unterschiedlichste Frauen-Typen von der Nonne bis zur Femme fatale

So machte Anna Salome von Blankenheim-Manderscheid als regierende Fürstäbtissin in Thorn und Essen den Anfang einer generationenübergreifenden Serie von Besetzungen der hochadeligen katholischen Damenstifte. Im Dienst ihrer Familie etablierte sie eine Art Sekundogenitur und betrieb Hausmachtpolitik.

Man begegnet in Rüngers Untersuchungen wie in einer ausgestellten Ahnentafel im Eifelmuseum unterschiedlichsten Frauen-Typen – von der frommen Nonne bis zur Femme fatale, von der musisch begabten Kunstfreundin bis zur strengen Haushälterin oder überschuldeten Regentin, von der kinderlieben Ehefrau bis zur überzeugten unverheirateten Individualistin.

Reichsgräfin übernahm 1780 die Regierung der Grafschaft

„Ein Beispiel ist Augusta Reichsgräfin von Sternberg-Manderscheid“, so Rünger. Die erstgeborene Tochter des Grafen Johann Wilhelm von Manderscheid-Blankenheim und Gerolstein (1744-1811) übernahm 1780 die Regierung der Grafschaft, zu der zu ihrer Zeit weite Teile der Eifel gehörten. Da es keine männlichen Nachkommen gab, war sie in der Erbfolge die Nummer eins. „Sie war eine der wenigen Frauen, die eine Grafschaft tatsächlich regierten“, so Rünger.

In der Geschichtsforschung werde die Regentschaft der Gräfin Augusta als eine glückliche Zeit bezeichnet, die Hochadelige sei eine tüchtige Regentin gewesen, die sich als wahre Mutter ihrer Untertanen erwiesen habe, so Gabriele Rünger. Sie hat untersucht, ob das so zutreffend war, und stellt ihre Erkenntnisse in einem Vortrag am 7. Oktober im Eifelmuseum vor. Er ist Teil des Rahmenprogramms zur Schau.

In zwölf Abteilungen geht die Ausstellung im Eifelmuseum verschiedenen Fragestellungen nach. „Pracht im Schloss“, „Goldener Käfig“ oder „Macht im Stift“ sind die 40 Exponate thematisch geordnet. Zu sehen sind etwa Kaffee- und Teetassen aus dem 18. Jahrhundert, eine Taufhaube und eben die Reiseflacons aus dem Hause Farina. Die zumindest machen sofort klar: Es ging den adligen Damen auch immer um den kleinen Unterschied, darum, was man sich leisten konnte, andere aber nicht.


Die Ausstellung in Blankneheim ist bis Mai 2027 zu sehen

„Stand. Pracht. Macht. Die Gräfinnen von Manderscheid-Blankenheim“ ist vom 16. April bis zum 2. Mai 2027 im Eifelmuseum in Blankenheim zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung von April bis Oktober montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie samstags und sonntags von 9.30 bis 15 Uhr, von November bis März täglich von 11 bis 15 Uhr. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Zur Vernissage am Donnerstag, 16. April, 18 Uhr, lesen Marie Güttge und Ralf Kramp aus Briefen der Gräfinnen.

Zur Thematik ist das Buch „Wie es meinem standt vnd reputation zu kompt – Die Reichsgräfinnen von Manderscheid-Blankenheim“ von Gabriele Rünger erschienen. Es ist Band 40 in der Reihe „Geschichte im Kreis Euskirchen“, die vom Geschichtsverein des Kreises herausgegeben wird. Das 496 Seiten starke Buch ist im Verlag Ralf Liebe erschienen und kostet 30 Euro