Ende Mai startet das Projekt auf dem Guidelplatz in Brauweiler. Auch in der Stadtbücherei sind die Ehrenamtlerinnen anzutreffen.
Zuhören draußenPulheimerinnen laden zum Austausch auf der Plauderbank ein

Anne Leudts (v.l.), Sabine Frömel und Bianca Korte freuen sich auf Gespräche auf der Plauderbank.
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„Es ist ein tolles Projekt“, sind Anne Leudts, Sabine Frömel, Engagementförderin des katholischen Kirchengemeindeverbandes Brauweiler-Geyen-Sinthern und Bianca Korte überzeugt. Die Rede ist von der „Plauder-Bank“. Vor einigen Jahren in Düsseldorf ins Leben gerufen, hat sich das Projekt mit dem Titel „Zuhören draußen“ im Laufe der Zeit in anderen Städten etabliert. Neben Düsseldorf, sind Köln, Bonn, Münster, Dinslaken, aber auch im Süddeutschen Ingolstadt dabei. „Es kommen immer neue Städte dazu und Pulheim ist nun eine der nächsten.“
Die Idee, sich an der Initiative zu beteiligen, erläutern die Frauen bei einem Treffen auf dem Guidelplatz. „Wir wollen etwas tun gegen die zunehmende Vereinsamung in der Gesellschaft, gegen die Polarisierung. Wir möchten, dass die Menschen miteinander ins Gespräch kommen, dass sie sich gehört fühlen, das ist uns ganz wichtig.“
Pulheim: Erfahrungen sammeln
Ende Mai soll das Projekt starten, auf einer der Bänke auf dem Guidelplatz in Brauweiler. Dort wird eine der derzeit sieben Ehrenamtlerinnen mit einem Schild mit der Aufschrift mit der Aufschrift „Ich höre dir zu“ oder „Komm ins Gespräch mit mir“ für eineinhalb Stunden sitzen und warten, ob jemand kommt und einfach plaudern möchte. „Wir sagen, wer möchte, kann sich dazusetzen“, ergänzt Bianca Korte.
In der Anfangszeit wollen die Frauen an verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Zeiten vor Ort sein, zumeist auf dem Guidelplatz, aber auch im Abteipark. „Die Erfahrungen aus anderen Städten hätten gezeigt: je belebter ein Platz ist, desto größer seien die Chancen, dass jemand vorbeikomme, so Anne Leudts. „Manche kommen auch einfach vorbei und fragen was der Hintergrund ist, aber auch so kommt man natürlich ins Gespräch.“
Das Projekt ist auf offene Ohren gestoßen
Auch die Stadtbücherei Pulheim, Steinstraße 13, ist mit im Boot. Eine Kooperation macht es möglich. Die Kölner Kolleginnen und Kollegen hätten festgestellt, dass das Projekt in der Stadtbücherei auf der Hohe Straße sehr gut ankomme. Daher hätten sie in der Stadtbücherei Pulheim angefragt, sagte Anne Leudts. „Das Projekt ist auf offene Ohren gestoßen bei den Seniorenbeauftragten der Stadt Pulheim, sie waren hellauf begeistert und haben es gleich an ihren Amtsleiter weitergegeben“, freut sich Sabine Frömel.
Sie hätten sofort signalisiert, dass sie das Projekt finanziell unterstützen, wie auch der Geschäftsführer des häuslichen Betreuungsdienstes Home Instead in Pulheim. „Die Stadt übernimmt die Hälfte der Anschubfinanzierung.“ Die restlichen Kosten beispielsweise für die Nutzung App, auf der alle Termine zu finden sind, die eigene Homepage, die Flyer, die die Initiative „Zuhören draußen“ zur Verfügung stelle, übernähmen Home Instead und der Kirchengemeindeverband Brauweiler-Geyen-Sinthern. Zur Höhe der Kosten äußern sich die Ehrenamtlerinnen nicht.
„Außerdem werden unsere Ehrenamtler einmal pro Mont geschult, wie man gut zuhört. Zuhören ist nicht gleich zuhören, das ist eine tolle Sache“, ergänzt Anne Leudts. Wer sich für das Projekt Plauder-Bank interessiert und die Initiative unterstützen möchte, kann sich per E-Mail melden.
Die ersten Termine: Guidelplatz: 28. Mai von 11. 12.30 Uhr, 2. nd 11. Juni von 16 bis 17.30 Uhr, 17. Juni von 15. bis 16.30 Uhr, 26. Juni von 14 bis 15.30 Uhr; Stadtbücherei: 26. Juni von 14 bis 15.30 Uhr. Die App, in der die Pulheimer Initiative alle Termine aufführt, ist im App Store und im Play Store sowie im Internet zu finden.
„Wir hören zu“ in Bergheim
In Bergheim gibt es bereits eine Plauderbank: Jeden Mittwoch von 11 bis 13 Uhr sitzen Ehrenamtler von „Wir hören zu“ am Hubertusplatz in Kenten – außer bei schlechtem Wetter. Mit im Zuhörerteam dabei ist Hans-Jürgen Knabben. Der Kentener Ortsbürgermeister erzählt, dass manche Leute einfach mal ein offenes Ohr oder einen guten Rat brauchen.
Konkrete Hilfe wünschen sich manche Plauderpartner auch zum Beispiel beim Wohngeldantrag oder wollen auf eine kaputte Straße aufmerksam machen, was dann eher in sein Amt als Ortsbürgermeister fällt. Wo die Themen zu groß für das Team sind, etwa bei Gerichtssachen, versuchen sie, die Personen an die richtige Adresse zu verweisen. Ein guter Zuhörer zu sein bedeutet für Hans-Jürgen Knabben, nicht immer sofort der Problemlöser sein zu wollen und Menschen aussprechen zu lassen, auch wenn es mal länger dauert.
„Das Wichtigste ist erstmal, dass die Leute loswerden, was sie bedrückt“, sagt Hans-Jürgen Knabben. Das Team von „Wir hören zu“ ist auf der Suche nach weiteren Menschen, die sich als Zuhörer auf die Plauderbank setzen würden. Weitere Informationen dafür gibt es bei Knabben unter 0171/3357218. (rag)
