Es hätte wohl niemand damit gerechnet, dass der Bau des Brunnens und die Inbetriebnahme eine schier unendliche Geschichte werden könnten.
Unendliche GeschichteBrunnen gegenüber der Abtei Brauweiler sorgt für Diskussionen

Sie nehmen es mit Humor - (von links) Karin und Mila Bröse, Willi Schad und Anne Vieth-Spahn) hoffen auf baldiges sprudelndes Trinkwasser im Brunnen.
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Ein Brunnen ohne Wasser ist möglich, aber ziemlich sinnlos. Frei nach Loriot scheint dessen Humor allmählich auf die Brauweiler übergegangen zu sein. „Man könnte darin vielleicht an Ostern Eier verstecken“, schlägt Claudia Berger von der Bücherstube Brauweiler lachend vor. Das Sorgenkind des Guidelplatzes mit der leicht verschrammten Edelstahlhülle rührt viele Menschen, die ihn seit vielen Jahren immer mal wieder besuchen.
Seine Geschichte begann mit der Entwurfplanung und Skizze im Juni 2018 im städtischen Planungsausschuss. Alle Fraktionen stimmten damals der vorgestellten Gestaltung des Guidelplatzes und des Brunnens im Abteiort zu. Kostenpunkt: Rund 158.000 Euro. Daran hat sich bis heute voraussichtlich nichts geändert.
Pulheim: Diverse Mängel
Doch dass der Bau des Brunnens und die Inbetriebnahme eine schier unendliche Geschichte werden würde, damit hatte wohl keiner gerechnet. Mal musste eine Anschlussleitung behoben, mal ein Leck repariert, mal der Boden erneuert werden. Manchmal floss Wasser, meist nicht. Willi Schad mit eigener Schuhmacherei am Guidelplatz ist Augenzeuge der ersten Stunde.
„Zuerst kam ein anderer Brunnen. Der war wohl zu schwer und wurde gegen den jetzigen Trog ausgetauscht“, erinnert er sich. „Acht Jahre. In der Zeit bauen andere ein Haus.“ Er erinnert sich, dass eines Tages ein Goldfisch im seichten Wasser des Brunnens seine Runden drehte. „Aber nur kurz“, sagt der Schuhmacher. „Am nächsten Tag war er wieder verschwunden.“

Der Brunnen wird und wird nicht fertig, Wasser fließt noch nicht. Die Aufnahme entstand im Dezember 2025.
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Nicht selten war der Brunnen eingesperrt hinter einem Bauzaun, der nicht recht zum Ambiente der altehrwürdigen Abtei passen wollte. Nach Barock sah das Ganze nicht aus. „Ob Nikolaus Lauxen das gefallen hätte?“, fragt Karin Bröse. Der Brunnen war als Hommage an den Barockbaumeisters und Erbauers des Prälaturgebäudes, der von 1722 bis 1791 lebte, errichtet worden.
Nun bietet er statt des versprochenen Trinkwassers seit Jahren Anlass für Diskussionen. Ein alteingesessener Brauweiler versteht nicht, wie man auf die Idee kommen konnte, Nikolaus Lauxen ausgerechnet mit einem Brunnen aus Edelstahl zu ehren. „Granit oder Buntsandstein hätten doch viel besser gepasst“, findet er. „Ich kenne niemanden, der den Brunnen schön findet.“ Vielleicht ändert sich das, wenn er wie geplant ab Mitte Mai Trinkwasser sprudelt.
Er passt überhaupt nicht zur Abtei, viel zu modern
Greta Stramma und ihre Tochter Frida wollen dann gerne wiederkommen und am Brunnen spielen. Bisher allerdings sprudeln hier am Guidelplatz überwiegend Unverständnis und Fragen. „Wer hat sich sowas ausgedacht?“, fragt Ute Kassner aus Brauweiler. „Er passt überhaupt nicht zur Abtei, viel zu modern. Er erinnert mich eher an eine Pferdetränke.“
Da ist sie nicht die Einzige. Die Brauweiler Interessengemeinschaft der Unternehmer (BIG) hatte sich auf ihrem diesjährigen Karnevalswagen dem Brunnen-Thema unter dem Motto „ 40 Fachbetriebe und eine Pferdetränke“ gewidmet. „Wir sehen das mit Humor“, erklärt Helmut Stahl, Vorsitzender der BIG. „Über Geschmack lässt sich ja vortrefflich streiten. Von diesem Brunnen in Form einer Pferdetränke geht ja die Welt nicht unter. Und wenn er nicht sprudelt, kann man ja ein wenig Sprudelwasser dem Brunnen spenden.“
Wahrscheinlich ist das nicht nötig. Denn geplant ist laut Stadtsprecherin Ruth Henn, dass nach einwöchiger Dauerspülung des Brunnens, die noch vor Ostern beginnen soll und Gesundheitsprüfung der Trinkwasserqualität nach Ostern dann voraussichtlich ab Mitte Mai Trinkwasser sprudelt. Der zum Leben erweckte Brunnen soll dann standesgemäß gefeiert werden. Wie? Da zumindest sind sich am Guidelplatz mal alle einig: „Mit einem großen Brunnenfest.“

