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Wolfgang Schonert mit Multi-InstrumentSonntags kommt die Ein-Mann-Band nach Bad Münstereifel

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Musik wie von einer Band bot erstmals Wolfgang Schonert mit seinem "Wunderkasten" für die Besucher.

Bad Münstereifel – Bei schönem Wetter erfreut er an Sonntagen als Ein-Mann-Band die Passanten in der Kurstadt. Der Germanist, Bastler und Musiker Wolfgang Schonert wandert dann spielend und singend vom Orchheimer Tor die Stadt hinunter zum Werther Tor. Oft bleibt er mit seinem selbst gebauten Kombi-Instrument stehen, um die Menschen mit seinem Spiel zu begeistern. Dieses Mini-Orchester ist bereits das fünfte seiner Art, das der Tüftler entwickelt hat. Es vereint Gitarre, Piano, Bass und Schlagzeug.

„Da ich ein begeisterter Fahrer von alten englischen und offenen Sportwagen bin, hatte ich mit meinen Instrumenten immer ein Transportproblem“, erzählt Schonert. Daher habe er seine komplizierten und dennoch genial einfachen Instrumente immer weiter verkleinert.

Seine Begeisterung für Musik entstand 1958 bei einem Aufenthalt in England. Dort traf der damals 15-jährige Wolfgang Schonert zum ersten Mal den britischen Folk-, Jazz- und Skiffle-Musiker Lonnie Donegan. Kurz nach seiner Rückkehr aus England kam er mit seinen Bekannten Hartmut Priess zusammen. Die beiden jungen Kölner waren zur gleichen Zeit in England gewesen und hatten dort Lonnie Donegan gehört. Zurück in Köln, schwärmten sie von dem weltberühmten Künstler und von der noch unbekannten Skiffle-Musik, auch unter dem Namen Washboard-Music (Waschbrett-Musik) bekannt. Kurze Zeit später gründeten die beiden ihre erste gemeinsame Band. Natürlich war es eine Skiffle-Band, zu deren Instrumenten Waschbrett, Kistenbass, Banjo und Gitarre gehörten. Wie ungewöhnlich diese Art von Musik damals war, dokumentierte ein Gespräch des Lehrers von Wolfgang Schonert mit seiner Mutter: „Wissen Sie, dass Ihr Sohn Negermusik hört?“, habe er damals seine Mutter gefragt. „Besonders gefreut hat mich ihre Antwort“, erinnert sich Schonert stolz. Sie habe ganz ruhig erwidert: „Ja, weiß ich, er macht die sogar.“

Liebe in Finnland gefunden

Später trennten sich die musikalischen Wege von Schonert und Priess. „Allerdings haben wir uns immer gegenseitig bei unseren Auftritten besucht“, verrät Schonert. Hartmut Priess zog es eher zur Rockmusik, die ihn später zu den Black Fööss führte, bei denen er heute noch ist. Wolfgang Schonert interessierte sich mehr für Blues, Skiffle und Folk. Die Liebe zur Musik nahm er 1966 auch mit nach Finnland, wo er 30 Jahre seines Lebens verbrachte und 1976 seine Ehefrau Erja geheiratet hat.

In den ersten Jahren arbeitete Schonert am Goethe-Institut in Tampere, der zweitgrößten Stadt Finnlands. Die Stadt liegt rund 160 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Helsinki. „Wegen meiner kritischen Einstellung musste ich damals das Kulturzentrum verlassen“, sagt Schonert. Doch schon am Tag danach habe ihn jemand von der Fachhochschule für Dolmetschen und Übersetzen in Tampere angesprochen und gefragt, ob er denn jetzt frei sei und bei ihnen anfangen könne. „Damals entstand gerade die neue Wissenschaft der Translatologie“, erläutert Schonert. Die Translatologie sei die Wissenschaft vom Dolmetschen und Übersetzen. Dabei gehe es um die Frage: Wie übersetzt man? Und was geschieht dabei in unserem Gehirn? So kam es, dass er als Studienrat im Hochschuldienst bis 1993 in Finnland arbeitete.

Seiner Leidenschaft zur Musik blieb er auch als Studienrat treu. Er gründete 1978 das „Original International Philharmonic Washboard Orchestra“. Noch ungewöhnlicher als die Musik war die wirklich internationale Besetzung der Band. Die Gitarre spielte Luis Herrera aus Chile, die tiefen Töne auf dem Kistenbass erzeugte Paul Medley aus England, und Wolfgang Schonert selbst spielte das Banjo. „Der einzige Finne in unserem Orchester war Matti Karhu, der das Waschbrett spielte. Karhu heißt übrigens im deutschen Bär“, erklärt Schonert schmunzelnd.

Seine Karriere als Straßenmusikant begann am 2. September 1979, am Tag der Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der Stadt Tampere. Straßenmusik sei damals in Finnland verboten gewesen. Jahrelang hatten Erja und Wolfgang Schonert versucht, eine Sondererlaubnis zu erhalten. Genau am Tag der 200-Jahr-Feier habe er dann zum ersten Mal öffentlich auf der Straße spielen dürfen. Anlässlich der Jubiläumsfeier beehrte auch König Carl XVI. Gustaf von Schweden die Stadt mit seinem Besuch. „Am nächsten Tag war nicht der König auf der Titelseite der Zeitung, sondern der verrückte Straßenmusiker mit der Ein-Mann-Band“, erinnert sich Schonert.

Leidenschaft für englische Sportwagen

Neben seiner Leidenschaft für die Musik begeisterte sich Schonert auch für alte englische Sportwagen. Dabei liebte er es nicht nur, diese Autos zu fahren, sondern auch, daran zu schrauben. Zu den von ihm bevorzugten Marken gehörten Namen wie Morgan, MG, Triumph und Austin Healey. 1993 zog er mit seiner Frau Erja nach Südtirol und zwei Jahre später nach Brüssel, wo Erja Schonert als Übersetzerin für die Europäische Union arbeitete. 2006 entdeckten die Schonerts ihre neue Heimat Bad Münstereifel, wo sie zunächst nur an den Wochenenden lebten, während sie unter der Woche in Brüssel wohnten. Als Erja Schnoert in den Ruhestand trat, haben sich die beiden endgültig in der Kurstadt niedergelassen und wohnen nun in mittelalterlicher Umgebung über dem Orchheimer Tor, oberhalb der historischen Stadtmauer.

Von dort aus betreibt Wolfgang Schonert auch seinen Internetblock, auf dem er von Zeit zu Zeit seine Ansichten an die Öffentlichkeit bringt und damit interessante Diskussionen auslöst.

Auf die Frage, warum er immer nur sonntags mit seiner Ein-Mann-Band durch die Stadt geht, antwortet der Germanist geheimnisvoll: „Weil sonntags das Outlet geschlossen ist!“ Warum das so ist, solle jeder für sich selbst beantworten können, meint Schonert lächelnd.

www.wolfgang-schonerts-seiten.de