Nach langer Pause gab es erstmals wieder eine Classic-Rallye in Blankenheim – 64 Teams rollten recht gemütlich über den Asphalt.
Oldtimer-Rallye in BlankenheimMit Picknickkorb im Renault 4CV auf Eifeltour

Gleich drei Ford Model A aus den Jahren 1929 und 1930 waren am Start. Harald (v.l.) und Gunnar Krutwig aus Bad Berleburg hatten die Startnummer 1.
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64 Old- und Youngtimer sind am Freitag und Samstag zur „1. ADAC Classic Rallye um den Preis der Ahrquelle“ in Blankenheim gestartet. Sie wurden auf zwei jeweils gut 200 Kilometer lange Rundkurse durch die Nord- und die Vulkaneifel geleitet. Starter aus ganz Deutschland waren mit ihren Schätzchen unterwegs, darunter drei Ford Model A, ein Newtimer-Porsche und ein gepimpter Renault 4CV.
Einer der Teilnehmer: Timo Stücker, der auf dem Parkplatz unterhalb der Weiherhalle von Blankenheim sein Starterschild am Opel Ascona A, Baujahr 1975, 130 PS, befestigte. Ein Eins-zu-eins-Nachbau des Rallyeautos von Europameister Walter Röhrl aus dem Jahr 1973 sei das, so der Bad Berleburger. Und der sollte nun schön – wie es die Straßenverkehrsordnung erlaubt – über die Straßen und Sträßchen durch die Nord- und Vulkaneifel zuckeln. Anders konnte man es ja in diesem Fall nicht bezeichnen. „Friedlich über den Asphalt“ werde es für ihn als Kartenleser und seinen Fahrer Udo Rath gehen, beschrieb es Stücker: 220 Kilometer am Freitag, 250 am Samstag.
Technische Kommissare überprüften alle Autos bei Oldtimer-Rallye
Den Segen von Helmut Segeth und Andreas Wette hatten die beiden jedenfalls. Die zwei Technischen Kommissare, die die Fahrzeuge der 64 Starterteams abnehmen mussten, hatten vor allem ein Auge auf zwei Ziffern-Buchstabenkombinationen an den Fahrzeugen: Die Fahrgestellnummer und die, die im Fahrzeugschein eingetragen war, mussten stimmen. „Bei den Profis ist das schon eher ein Problem als hier“, berichtete Segeth. Da werde schon mal aus einem Käfer ein Porsche.

Timo Stücker schraubte das Teilnehmerschild an seinen Opel Ascona A.
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Auch Johannes Bahlsen und Hannah Kurz aus Berlin hatten bei der Fahrzeugabnahme keine Probleme. Der feuerrote Porsche 356, Baujahr 1963, 90 PS, von Bahlsen sei original bis ins Detail, schilderte der Besitzer stolz. Ein „Flach-Käfer“, ergänzte er mit Blick auf das legendäre Runddesign von Erwin Komenda, dem verantwortlichen Designer für diese Baureihe. Die berühmten Froschaugen-Rundscheinwerfer – fürs warm-gelbe Licht waren 6-Volt-Birnen installiert – waren nur ein Detail.
Ohne Sicherheitsgurt und Kopfstützen in der Eifel unterwegs
Am Wochenende zeigten die zwei Berliner sich gespannt auf ihre erste Eifelausfahrt im Porsche. Ohne Sicherheitsgurte und ohne Kopfstützen, aber mit TÜV. „Der Wagen hat Bestandsschutz“, erklärte Bahlsen. In engen „Eifel-Kurven“ müsse er eben seine Hannah festhalten. „Dann haben wir Kuschelzeit“, fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu.
Wobei, egal ob Porsche oder MG-Roadster, alter „Jag“ oder Mercedes-Cabrio – eines galt für alle: „Et wid net jerannt“, wie Reinhard Sesterheim betonte. Die Rallye-Legende war mit einem R5 Turbo 2 angereist. „Von dem wurden nur 3180 Stück gebaut, der ist derzeit 125.000 Euro wert.“ Angesagt war Entspanntheit, also das Cruisen mit genussvollem Blick auf die sommerliche Eifelnatur. Davon werde es viel geben, versprach die Veranstaltergemeinschaft SFG Schönau und MSC Oberehe für ihre „Sportliche Orientierungsfahrt mit Sonderprüfungen“.
Blankenheims Bürgermeisterin froh über Oldtimer-Rallye
Sesterheim steuerte am Freitagvormittag den „Vorwagen“. An seiner Seite im Turbo 2: Blankenheims Bürgermeisterin Jennifer Meuren. „Schön, dass die Rallye wieder stattfindet! Für uns ein tolles Marketinginstrument. Hoffentlich kommt sie noch häufig wieder“, freute sie sich.
2011 hatte die „ADAC Rallye Blankenheim“ zum bis dahin letzten Mal stattgefunden, 2013 führte noch einmal die „ADAC Deutschland Rallye“ durchs Gemeindegebiet. Seitdem war Motorsportpause. Allerdings: In der nahen Vulkaneifel finden seit Jahrzehnten die „Eifel Rallye“ (Daun) und die „Rallye Oberehe“ statt.

Das Trio aus Reetz hatte die Idee zur „Classic Rallye“ : Manfred Fries (v.l.), Alexander Mey und Gerd Leuther.
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Aufgrund der langen Pause seien sie froh, dass es nun endlich losgehe, sagte Gerd Leuther aus Reetz, einer der Initiatoren der Rallye-Neuauflage. „64 Starterteams sind zwar etwas weniger, als wir erhofft haben, aber immerhin“, ergänzte Kompagnon Alexander Mey. Die beiden sowie Manfred Fries als Dritter im Bunde hatten im Blankenheimer Rathaus sofort große Unterstützung gefunden. Die Gemeinde öffnete für das Motorsportevent die Weiherhalle, räumte ein Büro im Eifelmuseum für die Rennleitung frei und stellte zwei Mitarbeiterinnen der Tourismusverwaltung als Vermittlerinnen bei Anrufen der Teams von unterwegs zur Rennleitung. Es sollte sich ja niemand verfahren, wenn das Navi streikte.
Scheibenwischer im Handbetrieb und Blinker zum Ausklappen
Bis zur Ausgabe der Streckenbücher bei der Abschlussbesprechung für die Fahrerteams in der Weiherhalle konnte man im „Parc-non-fermé“ unterhalb der Halle viele Anekdoten hören. Etwa die von Harald Krutwig aus Bad Berleburg, der mit Sohn Gunnar einen von drei originalen Ford Model A geparkt hatte. Einer davon, mit dem Baujahr 1929, erhielt die Startnummer 1.
Er sei ein „Originalitätsfanatiker“, sagte Krutwig und erklärte, was er damit meinte: Den zierlichen Scheibenwischer auf der Beifahrerseite habe er auf Handbetrieb umgestellt. Während der Fahrt müsse er ihn mit einem Hebel aktivieren, falls es regne. Und wollte sein Sohn, der bei der Rallye am Steuer saß, laut Streckenbuch und Anweisung seines Vaters abbiegen, wurde der Blinkerhebel ausgeklappt. Für den Pannenfall stand Werkzeug in einem auf dem Trittbrett der Beifahrerseite aufgeschraubten Bastkörbchen bereit.
Für manche Rallyefahrer in Blankenheim war der Weg das Ziel
Fahrtunterbrechung? Die sahen Andreas Bernardy und Torsten Ernsberger aus Kerpen in der Vulkaneifel eher als willkommene Gelegenheit zum Päuschen, wenn sie denn freiwillig erfolge. „Wir machen mit, weil wir uns zwei schöne Nachmittage machen wollen“, berichtete Bernardy. Das Duo hatte sich einen alten Renault 4CV mit 110 PS zurechtgemacht. „Das ist das Maximum an Ausbaustufe für dieses Auto“, wie Ernsberger mit fachmännischem Blick auf das nachtblaue „Cremeschnittchen“ sagte. So sei das Wägelchen seinerzeit genannt worden, fügte er hinzu und lachte.
Mit an Bord hatten sie zwei Campingklappstühle, einen Picknickkorb, Baguette und alkoholfreien Roséwein – allerdings keinen Käse. „Den müssen wir unterwegs noch einkaufen“, berichtete Bernardy.
Zeitkontrollen, Durchfahrtskontrolle, Streckenkontrollen? Bernardy/Ernsberger störte das nicht wirklich. „Wir gehen davon aus, dass wir so viele Minuspunkte machen werden, dass wir das nächste Mal ohnehin nicht mehr starten dürfen“, schätzten sie die Ausgangslage ein. Dabei sein ist eben manchmal doch alles.
