„Kunst am Weg“ eröffnet in Kronenburg: 32 Kunststationen verbinden auf vier Rundwegen Natur, Geschichte und Skulpturenkunst.
32 KunststationenAus einer Silvester-Idee entstand in Kronenburg die „Kunst am Weg“

32 Stationen bietet „Kunst am Weg“: Die Foto-Grafik von Udo Haeske steht an der Ruine des Bergfrieds der Kronenburger Burg.
Copyright: Stefan Lieser
„Kunst am Weg“ heißt ein aus 32 Stationen auf vier Rundwegen rund um und durch Kronenburg und Kronenburgerhütte bestehendes neues Kunst- und Skulpturenangebot. Am kommenden Sonntag, 10. Mai, wird das von Kronenburger Kunstfreunden und Kreativen umgesetzte Projekt eingeweiht.
An Neujahr werden oft Vorsätze gefasst, deren Haltbarkeitsdatum eher kurz ist. Doch in der Silvesternacht von 2023 auf 2024 ging es an der „Kaffeebar“ in Kronenburg nicht ums Abnehmen oder die feste Absicht, mehr für die Fitness zu tun. Es ging um Kunst. „Wir standen da kurz nach Mitternacht wie immer zusammen“, so Hildegard Igelmund.
Die grundsätzliche Idee war schnell gefunden
Da habe sie zu den Freunden gesagt: „Sollten wir nicht gemeinsam was für Kronenburg machen? Was mit Kunst?“ Petra Schulze-Lefort, Andreas Schulz, Hildegard Demmer, Claudia Anton, Udo Haeske, Rüdiger Meierjürgen und Hildegard Igelmunds Mann Peter dürften nicht lange überlegt haben. Sie machten „was mit Kunst“.
Es sollte, so viel stand schnell fest, eine Art Skulpturen- und Kunstweg sein, der die zahlreichen schon im Ort Kronenburg zu sehenden Skulpturen, vor allem im Burgbering, und kunsthistorisch bedeutsamen Orte zusammenführt. Man wollte Künstler fragen, ob sie Neues schaffen würden entlang der Rundwege, die es aber noch zu finden gab. Ebenso klar war: „Für das haben wir kein Geld“, so Peter Igelmund.
„Kunst am Weg“ verbindet Kunst aus vielen Jahrzehnten in Kronenburg
Das aber hat die Gruppe nicht daran gehindert, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Zu überlegen, wo welcher Rundweg hinführen, auf welche Kunst, welchen Kunstort am Wegesrand hingewiesen werden sollte. Auf Neues und Vorhandenes. Dieser Ansatz bei der Konzeption von „Kunst am Weg“ verbindet nun erstmals, was alles im bekannten Kunstort Kronenburg über die Jahrhunderte gebaut, gesammelt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
Anfang Mai 2025 wurde mit der Skulptur „Ein sicherer Ort“ von Maria Hill (Nummer 24 der Stationen) am jetzt 2,4 Kilometer langen Ostrundweg der Startschuss für „Kunst am Weg“ gegeben. „Und Mitte Mai bekamen wir den Tipp, dass es die Leader-Kleinprojekte-Förderung gibt“, erinnert sich Peter Igelmund.
14 Tage hatten die Kronenburger Kunstfreunde Zeit, sich dafür zu bewerben, denn Ende Mai lief die Antragsfrist ab. Das war knapp. „Aber wir hatten Glück“, freuen sich die beiden Igelmunds. Von den 15.000 Euro, die sie an Kosten kalkulierten, wurden 11.000 Euro als förderfähig anerkannt. Infotafeln, Stelen, Wegemarkierungen – die Infrastruktur des Projekts war gesichert.

Die Idee entstand in der Neujahrsnacht 2023/24. Zwei Jahre später steht Mitinitiator Peter Igelmund an der fertigen Übersichtskarte von KUNST am WEG auf am Parkplatz vor dem Nordtor von Kronenburg.
Copyright: Stefan Lieser

„Innere Dämonen/ Schattenseiten“ heißt die Skulpturengruppe von Barbara Hillebrand, die man auf dem 2,8 Kilometer langen „Nordrundweg“ entdecken kann.
Copyright: Stefan Lieser
Und es kam weitere Unterstützung dazu. Die Dr.-Axe-Stiftung, die mit ihrem Kunstkabinett eine der 32 Stationen am Wegenetz ist (Nummer 19), förderte ebenfalls. Der Gemeinderat von Dahlem stimmte einstimmig zu, das Freie Forum Kronenburg übernimmt als Kooperationspartner der Initiative die Organisation der Eröffnungsfeier.
Nachdem sicher war, welche Stationen auf welchen Rundwegen zu erreichen sein würden, wurde ein Wege-Flyer entwickelt. Das GDF-Atelier von Julia Knie in Dahlem machte sich an die Arbeit. Die Druckauflage liegt bei 2500 Exemplaren, der Flyer ist kostenlos. Detlef Blume entwarf das Logo für die Wegemarkierung und das Signet von „Kunst am Weg“. Eine Internetseite wurde aufgesetzt.
Mithilfe von QR-Codes gibt es Hintergrundinformationen
Dort sind die über QR-Codes an den Hinweistafeln vor Ort mit dem Smartphone abrufbaren Hintergrundinformationen entlang der vier Rundwege hinterlegt. Einer davon, der 2,8 Kilometer lange Nordrundweg, ist sogar barrierefrei. Alle vier – insgesamt über neun Kilometer Länge – starten und enden am Parkplatz am Nordtor des Burgberings, wo auch eine große Übersichtskarte steht.
Die Routen wurden ausschließlich auf schon vorhandenen Wegen markiert. Die Wander-App Komoot bietet eine GPS-geführte Navigation an. Dazu findet man auf der Webseite des Projekts allgemeine Informationen.
Nummer „11“ ist die Arbeit „Causa efficiens“ (Wirkende Ursache) von Udo Haeske oben auf den Mauerresten des einstigen Bergfrieds der Burg Kronenburg. Auf der hier platzierten Wegebank sitzen Peter und Hildegard Igelmund in der schon wärmenden Frühlingssonne.
Der Blick geht auf die hinter einer Kuppe hervorlugende Turmspitze der Pfarrkirche St. Johannes Baptist am Burgbering unterhalb, das Ruinengemäuer und dann weit ins Kylltal. Und auch auf die Alu-Dibond-Platte mit der aufgedruckten Grafik von Udo Haeske, eines der neun neuen Kunstwerke entlang der Wege, die die Kreativen dem Projekt stifteten.
Ursprünglich sei sein Werk schlicht ein Foto, ein Abbild der Umgebung, und dessen, was man sieht, gewesen, heißt es auf der Erklärtafel neben der Arbeit. Haeske hat das Motiv als Vorlage für eine Druckgrafik genommen, das Resultat erneut fotografiert und digital überarbeitet. Eine zunehmende Verfremdung und Abstraktion, die nicht mehr abbilde, sondern darüber hinausweise, heißt es. Auf Fantasien, die die Örtlichkeit auslösen könne, oder Erinnerungen, die so ausgelöst werden. Viel Platz für Interpretation und Fantasie.
Bahnhof ist fast der südlichste Zipfel der vier Rundwege
Andere neue Werke entlang der Wege stammen etwa von Tina Schöddert, Eddi Meier oder Dietrich Schubert. Schubert zeigt in der einstigen Güterlagerhalle des alten Kronenburger Bahnhofs in wechselnden Ausstellungen Werke aus seinem langen Filmer- und Fotografenleben. Der Bahnhof am Rand von Kronenburgerhütte ist fast der südlichste Zipfel der vier Rundwege.
Noch etwas südlicher ist nur noch die mittlerweile bekannte „Freilichtgalerie“ von Monica Breuer und Jennifer Finke. Die Bemalung der am Rand des heutigen Kylltalradwegs vor Jahrzehnten abgestellten Betonrohrelemente war eine der Ideen, die zum „Kunst am Weg“-Projekt führten, so Hildegard Igelmund.
Ebenfalls schon Vorhandenes zum Thema „Kunst und Kunstgeschichte in Kronenburg“ ist teilweise mehrere Jahrhunderte alt: etwa mehrere barocke Wegekreuze. Oder aber auch die von Werner Peiner vermutlich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entworfenen bizarren Straßenlampen.
Ich glaube schon, dass wir alle zusammen was Tolles geschaffen haben. Etwas, das Kronenburg als Kunstort nachhaltig bereichert.
Peiners einstiges Atelier war die heutige Villa Kronenburg am Burgbering, die ebenfalls mit Nummer (10), Erklärtafel und QR-Code Teil der Rundwegewanderung ist. Gleiches gilt für die sehenswerte spätgotische Ein-Säulen-Kirche St. Johannes Baptist (9) und das heutige Haus für Lehrerfortbildung (13), das von 1938 bis 1944 die „Hermann-Göring-Meisterschule“ war.
Man kann „Penelope“ von Hetta Böttger durch ein „Heckenfenster“ entdecken (15) oder auch die Skulptur „Ge-Spalten“ (1) von Wolfgang Martens an dem von ihm und seiner verstorbenen Frau Gisela in einer knapp 300 Jahre alten Kate geschaffenen „Kunststall“ (2). Wolfgang Martens hatte schon vor Jahrzehnten die damals von ihm als erwähnenswert erachteten kunsthistorisch wertvollen Gebäude vor allem im Burgbering, mit der Brigida-Kapelle auch in Kronenburgerhütte, in kleinen Kunstwanderführern vorgestellt. Für „Kunst am Weg“ sei er damit einer der Vorbereiter gewesen, betonen Hildegard und Peter Igelmund.
Über den QR-Code gibt es auch hinterlegte Sounddateien
„Ich glaube schon, dass wir alle zusammen was Tolles geschaffen haben. Etwas, das Kronenburg als Kunstort nachhaltig bereichert“, freut sich Igelmund auf der Bank am ehemaligen Bergfried von Kronenburg. Wer will, kann von „Kunst am Weg“ aus nicht nur den Blick ins Kylltal genießen, sondern vom „Sternenstaub“ (Station 22) am höchsten Punkt des Ortes, einem der „Sternen-Blicke“ im Naturpark Nordeifel, bei klarem Nachthimmel sogar den ins All.
Über den entsprechenden Smartphone-QR-Code kommt man auch zu einer hinterlegten Sounddatei: Christine Högl spielt auf ihrer keltischen Harfe „On the Wings of my Soul“. Högl wird auch am kommenden Sonntag ab 15 Uhr in der Pfarrkirche St. Johann Baptist zur Eröffnung von „Kunst am Weg“ zu hören sein.
Die Eröffnung von „Kunst am Weg“ findet am Sonntag, 10. Mai, ab 11 Uhr im Haus für Lehrerfortbildung statt. Weitere Informationen gibt es online. Der Flyer mit einer Übersichtskarte ist hier kostenlos zum Download oder ebenfalls kostenlos gedruckt am Parkplatz vor dem Nordtor des Burgberings, in der Kronenburger Gastronomie und in der Tourist-Information im Ferienpark Kronenburger See erhältlich.

