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Streit um PV-AnlageGemeinderat entscheidet uneinheitlich über Solarmodule in Kronenburg

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Nahe eines Tors des Burgberings in Kronenburg befindet sich ein Haus, an das eine Garage angebaut ist. Auf den Dächern liegt Schnee.

Auf diesem gut einsehbaren Garagendach unweit des Nordtors wurde eine PV-Anlage im Gegensatz zum Dach der Orangerie genehmigt.

Der Denkmalschutz sah beim Hotel Burghaus keine Hinderungsgründe für eine PV-Anlage. Der Dahlemer Gemeinderat entschied jedoch anders.

Soll man den Anwohnern des historischen Burgberings in Kronenburg Photovoltaikanlagen auf den Hausdächern erlauben oder nicht? Die Frage hat jetzt den Gemeinderat beschäftigt – und möglicherweise zu einer vorschnellen Fehlentscheidung geführt.

Bernd Hellgardt, Vorstand der Eifelstiftung in Kronenburg und über die in Aremberg ansässige EHS Eifelhaus Service GmbH (Geschäftsführerin ist Bettina Drössler-Hellgardt) indirekt Hotelier der Villa Kronenburg und des Hotels Burghaus im historischen Ort, hat es die Stimmung verhagelt. Er sei sauer, entfährt es ihm im Hof vor dem Burghaus. Ein neuerer Anbau an das denkmalgeschützte Haupthaus ist die Orangerie, und die gibt den Anlass für die Verärgerung. Es geht um das um fünf Prozent leicht geneigte große Metalldach des Gebäudes.

Denkmalbehörde hatte keine Bedenken gegen Photovoltaik

Im November 2024 hatte sich Hellgardt erstmals um die Genehmigung für eine Photovoltaik-Anlage auf den rund 100 Quadratmetern Dachfläche bemüht und bei der Gemeinde Dahlem angefragt. Es kam am 15. Oktober des vergangenen Jahres zu einem Ortstermin mit einer Vertreterin der Gemeinde Dahlem als Untere Denkmalschutzbehörde und der für den Kreis Euskirchen zuständigen Mitarbeiterin des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) als beauftragte Obere Denkmalschutzbehörde.

„Beide haben mir danach mündlich zugesichert, dass sie das Vorhaben genehmigen würden“, so Hellgardt, der sich daraufhin nicht weiter um das Thema gekümmert haben will. Es schien ja alles seinen Gang in den Gemeinderat zu nehmen. Das Gremium sollte in der Sitzung am 18. Dezember über das Projekt entscheiden. Es stand auf der Tagesordnung im öffentlichen Sitzungsteil. Hellgardt erwartete danach den Genehmigungsbescheid.

Gemeinderat äußerte Sorge um die Kronenburger Dachlandschaft

Er sollte sich irren. Der Gemeinderat Dahlem hat bei drei Enthaltungen das Vorhaben abgelehnt. In der Post, die Hellgardt Ende Dezember erhielt, wurde der formale Bescheid für diesen Januar angekündigt.

Ein Mann, der eine rote Winterjacke trägt, steht im Schnee vor einem historischen Gebäude und einem Weihnachtsbaum.

Bernd Hellgardt hofft, dass der Gemeinderat doch noch die geplanten PV-Module auf dem Dach seiner Orangerie genehmigt.

Was war passiert? In der Gemeinderatssitzung vom 18. Dezember ging man irrtümlich zunächst davon aus, dass es sich um ein zu überdeckendes Schieferdach handele. Das lehnten Sprecher verschiedener Fraktionen ohnehin ab. Vor allem aber seien die Dach-PV-Module sowohl von der Kylltalseite als auch vom Feriendorf auf dem Gegenhang aus gut einsehbar, was in der Summe, so Kronenburgs Ortsbürgermeister Johannes Fahling, die Ansicht des Ortsbildes erheblich stören würde.

Beides, davon ist Bernd Hellgardt überzeugt, stimmt nicht. Es sei zum einen ein Blechdach, zudem hat er mittlerweile Fotos aus verschiedensten Perspektiven, auch vom Kylltal aus und von den obersten Häusern des Feriendorfes aus mit Blick auf den Burgbering, das Burghaus und den Orangerie-Anbau an Bürgermeister Jan Lembach geschickt: „Das Dach der Orangerie ist entweder gar nicht oder kaum zu sehen“, so seine Einschätzung.

Antragsteller versteht Entscheidung der Kommunalpolitiker nicht

Kaum zu sehen seien PV-Module auf insgesamt 100 Quadratmetern Dachfläche, die zudem auch die Auflagen der Verwaltung und des Denkmalschutzes erfüllten: Der gewählte Modultyp besitze keine Raster, der Rand sei farblich angepasst. Zusätzlich seien die Module in „Full Black“ und „matt“ ausgeführt. Die Belegungsfläche sei einheitlich – und nicht kleinteilig – geplant. So stand es auch in der Sitzungsvorlage zur Gemeinderatsitzung Mitte Dezember. Die Verwaltung teilte am Ende des Papiers die Meinung des LVR, die hier zitiert wird: Das Vorhaben sei genehmigungsfähig. Der Gemeinderat möge das beschließen.

Die für das Vorhaben auf dem Dach der Orangerie formulierten Auflagen gelten zudem auch für ein weiteres Projekt. Auf einem wesentlich kleineren, niedrigen Garagendach unweit des Nordtors – mitten im Burgbering – will ein Anwohner ebenfalls PV-Module verlegen. Das Dach ist von der Gasse aus bestens einsehbar. Hier stimmte der Gemeinderat dem Vorhaben überraschend einstimmig zu – auch die Vertreter aus Kronenburg selbst. Für Hellgardt ist noch unverständlicher, warum hier erlaubt sei, was am anderen Ende der Gasse verboten sei.

Komplizierte Ausgangslage für die Bewohner des Burgberings

Grund für die unterschiedliche Bewertung ist vermutlich Grundsätzliches: „Wir müssen aufpassen, dass es bei den PV-Modulen auf den Dächern im Burgbering keinen Wildwuchs gibt“, mahnte etwa Ulrich Böttger (Bündnis 90/Die Grünen). Werner Lorse (CDU) appellierte: „Am Burgbering kann es bei der Frage immer nur um Einzelfallentscheidungen gehen.“ Man will das architektonische Kleinod eben erhalten, so gut es geht.

Für die Anwohner im Burgbering ist dabei die Ausgangslage ohnehin kompliziert genug. Aufgrund des Felsuntergrunds des Burgbergs von Kronenburg und der einzigen Zufahrt durch zwei enge Stadttore ist die Verlegung alternativer Energieversorgungsleitungen wie etwa für Fernwärme für die Anwohner technisch kaum möglich. Selbst dann, wenn es dieses Hindernis nicht gäbe, machte vermutlich die geringe Zahl der Haushalte eine solche Investition für einen Energieversorger wirtschaftlich unattraktiv.

Thema kommt erneut auf die Tagesordnung des Gemeinderats

Auch Bernd Hellgardt will deshalb auf Energie aus der Sonne setzen, um die derzeit hohen Kosten für seine beiden Wärmepumpen des Burghaus-Gebäudeensembles zu senken. „Die betragen schon bei nicht extremen Wintertemperaturen 2000 Euro im Monat“, so Hellgardt. Er wolle aber das zwischen 1760 und 1769 im Auftrag des Grafen von Blankenheim erbaute Burghaus weiter betreiben – zumal der Denkmalschutz auch einer der Stiftungszwecke der Eifelstiftung ist.

Nun geht das Thema in die zweite Runde. Bürgermeister Jan Lembach hat den Tagesordnungspunkt „PV-Dachmodule auf der Orangerie Kronenburg“ zur Gemeinderatsitzung am 11. Februar erneut zur Abstimmung auf die Tagesordnung gesetzt.