Mit einer bewegenden Trauerfeier nahmen Weggefährten und Freunde Abschied vom „Verzällchesmann“ Hermann Hertling.
Abschied vom „Verzällchesmann“Hermann Hertling mit 95 Jahren verstorben

Hermann Hertling in seinem Element. Als "Verzällchesmann" rezitierte er Geschichten und Anekdoten mit feinem Humor und schauspielerischem Können.
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Weggefährten und Freunde haben Abschied von Hermann Hertling genommen. Der Schauspieler, Regisseur und kölsche Mundart-Autor ist am Aschermittwoch im Alter von 95 Jahren friedlich eingeschlafen. Ein paar Tage zuvor hatte er noch Karneval gefeiert. Im vergangenen November stand der älteste Podcaster der Stadt beim Kölner Podcasttag noch einmal in der Kirche St. Michael auf der Bühne.
Alle Reden wurden auf Kölsch gehalten
„Ne kölsche Jung met kölscher Siel“ sei verstorben, würdigte ihn der ehemalige Puppenspieler aus dem Hänneschen Theater, Udo Müller, bei einer bewegenden Trauerfeier auf dem Melatenfriedhof. Hertling habe viele Spuren hinterlassen, sagte Nina Blume vom Heimatverein Köln. Er habe nicht nur Türen für andere aufgemacht, sondern ihnen auch gezeigt, wie man durchgeht. „Vieles lebt in dem weiter, was wir von dir gelernt haben.“
Alle Reden wurden auf Kölsch gehalten. „Klimpermännchen“ Thomas Cüpper sang das Lied von der „Kölschen Siel“, das Ludwig Sebus geschrieben hat. Der hundertjährige Altmeister, der in der Trauerhalle dabei war, nahm Abschied vom letzten Weggefährten ähnlichen Alters. Das Krätzjer-Duo Sakkokolonia machte aus Henner Berzaus „Himmel vun Kölle“ ein wunderbares Abschiedslied.
26 Jahre lang Spielleiter der Kumede
Der 1930 geborene Hertling entdeckte nach dem Zweiten Weltkrieg seine Liebe zum Theater und zu kölschen Mundartstücken. Der gelernte Kaufmann wurde zu einer festen Größe in der kölschen Szene. 26 Jahre lang war er Spielleiter der Kumede, des Theaters des Heimatvereins. Er schrieb selbst Texte und machte sich mit feinem Humor einen Namen als kölscher Geschichtenerzähler. Er selbst nannte sich „Verzällchesmann“.
Zuletzt unterstützte er die Theatergruppe „Kölsche Bredder“, die ehemalige Kumede-Schauspieler 2021 gegründet hatten. Sein Patenkind Frank Urbarnek hatte ihn als 90-Jährigen vor der ersten Premiere noch einmal zu einem kleinen Comeback als Regisseur sowie zu einer kleinen Rolle auf der Theaterbühne überreden können. Im selben Jahr ging er mit seiner Lebensgefährtin Karolin Küpper-Popp mit der eigenen Podcastreihe „Podklaaf“ auf Sendung. Auch hier wurde ausschließlich Kölsch gesprochen. Hertling wurde unter anderem mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes und dem Severinsbürgerpreis ausgezeichnet.

