Sowohl das Haus Dahl in Marienheide als auch die Säge- und Getreidemühle sind seit Jahren geschlossen. Beide gehören dem Oberbergischen Kreis.
Dringende SanierungWann werden diese Museen in Oberberg auf Vordermann gebracht?

In diesem Sommer soll das marode Dach des Museums Haus Dahl in der kleinen Marienheider Ortschaft Dahl auf Vordermann gebracht werden.
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„Erbaut im Jahre 1586“ steht – eingegraben in Großbuchstaben – über der Tür von Haus Dahl. Damit dürfte es das älteste heute noch bestehende Bauernhaus in Oberberg sein. Zudem ist es ein Museum. Geöffnet aber dieses Gemäuer in der Marienheider Ortschaft Dahl ist seit dem Jahr 2021 nicht mehr – vor allem, weil das Reetdach undicht ist.
Und nicht nur um diese Stätte in der Obhut des Oberbergischen Kreises ist es still geworden: Im Jahr danach, im Sommer 2022, hat die Verwaltung auch die Säge- und Getreidemühle am Fuße des Burgbergs von Schloss Homburg in Nümbrecht geschlossen, seither lässt der Holzwurm dort seinem Appetit freien Lauf.
Wann diese Ausflugsziele wieder öffnen, sagt der Kreis nicht – überhaupt werden Nachfragen dazu allenfalls knapp beantwortet. Immerhin für Haus Dahl gibt es einen Lichtblick: „Der Oberbergische Kreis investiert 150.000 Euro in die Arbeiten am Reetdach von Haus Dahl“, sagt Felix Ammann, der zuständige Baudezernent im Kreishaus. „Diese sollen im Sommer beginnen. Ein Fachunternehmen ist beauftragt.“
Marienheides Bürgermeister Sebastian Heimes wünscht sich Haus Dahl auch als Standesamt zurück
Das freut Marienheides neuen Bürgermeister Sebastian Heimes: Immer führen seine Fahrradtouren auch dorthin, er möchte sehen, ob sich an Haus Dahl etwas tut. Denn seiner Gemeinde fehlt nicht nur ein kultureller Treffpunkt: „Auch heiraten konnte man früher dort“, blickt Heimes zurück.
Inzwischen ist die Verwaltung auf Schloss Gimborn ausgewichen, doch hofft Heimes, dass auch in Dahl wieder verliebte Menschen ins Eheglück starten können. „Aber erst mal bin ich froh, wenn unser Schmuckstück reaktiviert wird – aus Gesprächen mit der Nachbarschaft weiß ich, dass Haus Dahl vermisst wird.“ Die Summe von 150.000 Euro für Haus Dahl ist bereits seit dem vergangenen Jahr im Etat des Kreises zu finden.

Seit 2022 ist die Gaderother Säge- und Getreidemühle, zu finden am Fuße des Burgbergs von Schloss Homburg in Nümbrecht, bereits geschlossen.
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Zur Zukunft der Nümbrechter Mühle, die einst in der Ortschaft Gaderoth gestanden hat, gibt es vom Kreis dagegen keine konkrete Auskunft. „Wieder und wieder haben wir gebohrt und Antworten verlangt – Haus Dahl und ebenso zur Mühle“, berichtet Marie Brück (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzende des Kulturausschusses im Kreistag. „Doch bislang hat sich einfach wenig bis gar nichts getan.“
Nicht nur die Frage, wann die beiden Sehenswürdigkeiten Schaulustigen wieder offenstehen, treibt Brück um. „Es geht außerdem um die Frage, ob die künstlich angelegte Klus auf dem Gelände von Schloss Homburg dichthält und wie das Wasser abgeführt wird“, ergänzt die Nümbrechterin. Denn neben dem Holzwurm machten 2022 auch starke Regenfälle dieser Museumsanlage stark zu schaffen. „Mit Privatleuten, die ein Denkmal bewohnen, würde der Kreis als Denkmalbehörde sicherlich nicht so zurückhaltend umgehen“, überlegt Brück.
Vor Regen soll in Dahl eine Plastikplane den rückwärtigen Teil des imposanten Daches schützen. Peter Sturm ist Besitzer eines Sägewerks im selben Ort und ein Nachbar des Bauernhauses. Aus seiner Sicht sind die Sanierungsarbeiten längst überfällig. Denn durch das undichte Dach bestehe die Gefahr, dass Wasser in das Fachwerk der Wände eindringe und dieses dann zu faulen anfange.
Die Vorsitzende des Kulturausschusses im Kreistag fürchtet, „dass irgendwann nur noch Torf übrig ist“
Dass am Ende davon „nur noch Torf übrig ist“, fürchtet auch Marie Brück. „Und darüber darf man sich dann auch nicht wundern, wenn man ein historisches Haus so stiefmütterlich behandelt.“
Die Gaderother Mühle wird wohl weiterhin auf unbestimmte Zeit stillstehen. Auf Nachfrage der Redaktion nennt Kreissprecherin Iris Trespe den unerwünschten Gast weiterhin als Grund für die Schließung: „Der Befall durch den Holzwurm muss zunächst behandelt werden“, sagt sie. „Darüber hinaus ist ein Gutachten zur Funktion der Mühlentechnik erstellt, das weiteren Handlungsbedarf nach sich zieht.“ Geld dafür werde in den kommenden Haushalt für den Kreis eingestellt. Trespe: „Für dieses Jahr sind daher keine Veranstaltungen auf dem Areal von Mühle und Bäckerei geplant.“ Die benachbarte Bäckerei Lindenberg weise übrigens „keine besonderen Schäden auf“.
Blick in die (jüngere) Geschichte der Bauwerke im Besitz des Oberbergischen Kreises
Seit dem Jahr 1971 ist die Säge- und Getreidemühle im Besitz des Oberbergischen Kreises. Errichtet worden ist sie 1884 in Gaderoth, Wasser setzt damals das Mahlwerk und die Holzsäge in Bewegung. Ab 1928 tat dies dann ein Elektromotor. Heute steht das Bauwerk auf dem Gelände von Schloss Homburg. Von 2010 bis 2015 ist es ebenfalls geschlossen, bis sich das Nümbrechter Restauratoren-Ehepaar Hanisch der Mühle annimmt und die alte Technik in Schuss bringt. Staub, Lehm, verkrustete Harze und alter Wachs hatten der Anlage arg zugesetzt. 2016 öffnet die Mühle regelmäßig.
Doch schon damals kündigt der Oberbergische Kreis für 2017 Sanierungsarbeiten an der Mühle und an der künstlich geschaffenen Klus an. So soll ein Deich des Teichs vorsorglich ertüchtigt werden. Wie umfangreich die Arbeiten an der Wassermühle ausfallen, sei derzeit noch nicht abzuschätzen, hieß es damals dazu aus Gummersbach.
Mit 19.450 Euro unterstützt der Landschaftsverband Rheinland die Instandsetzung der Mühlentechnik. 2019 geht die Mühle wieder in den regelmäßigen Schaubetrieb. Im Sommer 2022 stellen Experten jedoch den Befall mit Schädlingen fest. Im Frühjahr haben sich bereits Schäden am Dach aufgetan.
Nebenan steht die Bäckerei Lindenberg, die bis in die 1980er Jahre hinein in Wiehl, an der Mittelstraße, ihren Platz hatte. Ebenso wie die Säge- und Getreidemühle öffnete das Geschäft am Deutschen Mühlentag, dem Pfingstmontag, und ein Bäcker holte heiße Brotlaibe aus dem Königswinterer Steinbackofen.
Als Museum bietet Haus Dahl in Marienheide Einblick in das Leben und die Arbeit der Bauern der damaligen Zeit, es dokumentiert die Zeit der Blaufärber-Familie Schenk bis ins Jahr 1963 hinein, seither gehört es dem Kreis. Das Gebäude hat zwei Geschosse und ist nach der Art eines niederdeutschen Hallenhauses errichtet. Das obere Geschoss trägt Fachwerk, das untere ist aus Bruchstein. 2003 ist das Bauwerk aufwendig restauriert und im Mai des Folgejahres eröffnet worden. Dort zu sehen sind komplett eingerichtete Wohn- und Schlafstuben, ein Bauerngarten und ein Backhaus.

