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24h auf dem NürburgringWeilerswister weint im Cockpit auf der Nordschleife

Lesezeit 6 Minuten
Der Weilerswister Rennfahrer Björn Simon vor dem Start beim 24h. Er ist im Gespräch mit einem Mechaniker.

Freut sich wieder auf den Start beim 24-Stunden-Rennen: der Weilerswister Björn Simon.

Der Weilerswister Rennfahrer Björn Simon über eines der härtesten Rennen der Welt: das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

Die ersten Runden auf dem Nürburgring sind Geschichte. Die ersten Zeiten für das 24-Stunden-Rennen stehen in den Büchern. Und die ersten Würstchen der knapp 200.000 Fans entlang der Nordschleife lagen auch schon längst auf dem Grill. Doch wie ist das härteste Rennen der Welt aus der Sicht eines Piloten? Der Weilerswister Björn Simon gibt einen Einblick.

Die Vorbereitungen starten mitunter schon Monate vor dem Rennen. Gemeinsam mit dem Team, in Simons Fall „SRS Sorg Rennsport“, wird möglichst frühzeitig überlegt, mit welchem Fahrzeug in welcher Klasse und mit welchem Fahrerteam ein Start denkbar wäre.

Björn Simon: Finanzieller Aspekt spielt eine wichtige Rolle

„Der finanzielle Aspekt spielt für einen Privatfahrer meist eine große Rolle, da man sich als Amateur einen Fahrerplatz quasi mieten muss, wenn man keine oder nicht genug Sponsoren hat, die einem das Rennen finanzieren“, sagt der Weilerswister.

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Bei ihm habe sich die Fahrerpaarung und das Fahrzeug erst kurz vor dem 24h-Rennen ergeben. „Umso mehr freue ich mich, dass ich auf demselben Auto wie in der NLS-Saison an den Start gehen kann“, so der Rennfahrer.

24h: Komplettes Rennequipment muss vorgezeigt werden

Simon ist seit Mittwoch an der Strecke, da einige administrative Dinge zu erledigen sind. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits sehr viele Fans rund um die Nordschleife versammelt und haben regelrecht kleine Städte entlang der längsten Rennstrecke der Welt aufgebaut.

Jeder Fahrer muss sein komplettes Rennequipment bei der technischen Abnahme vorzeigen. Dabei wird überprüft, ob Helm, Rennanzug, feuerfeste Unterwäsche, Schuhe, Socken und Handschuhe den Vorgaben entsprechen. Zudem muss man seine Rennlizenz sowie die auf dem Nürburgring erforderliche Nordschleifen-Permit bei der Dokumentenabnahme vorweisen.

Mehr als 400 Fahrer beim 24-Stunden-Rennen dabei

„Da beim 24h-Rennen mehr als 400 Fahrer an den Start gehen, heißt es hier schon mal Schlangestehen“, so Simon. Nachmittags ging es dann runter nach Adenau zum Adenauer Racing Day. Die komplette Stadt war abgesperrt und die Fahrzeuge fuhren im Schritttempo an den Fans vorbei und die Fahrer gaben Autogramme.

Am Donnerstagmittag gab es dann das erste Qualifying. Nicht nur den Weilerswister ist das nach eigenem Bekunden ein besonderer Moment. „Das erste Mal auf die Strecke fährt und die unzähligen Fans mit ihren Zelten, Aufbauten, Podesten, Fahnen und Bannern rund um die Nordschleife sieht. Mich beeindruckt das jedes Jahr wieder, wie viele Menschen den Weg an den Nürburgring finden und teilweise schon eine Woche vor dem Rennen ihre Zelte aufschlagen“, sagt der Rennfahrer.

Nacht-Qualifying ein besonders Erlebnis

Nach dem ersten Qualifying erfolgt am Donnerstagabend das Nachtqualifying, was ebenfalls sehr besonders ist. „Da wir im Hellen starten und bis 23.30 Uhr in die Nach hinfahren, ist ein schon krass“, so Simon.

Man könne im Hellen noch so viele tausend Runden auf der Nordschleife gefahren sein, im Dunklen ist das tatsächlich eine andere Welt, da man die meisten Orientierungspunkte, die man sich als Brems- oder Einlenkpunkte merkt, einfach nicht mehr sieht.

Bei all den bunten Lichtern könnte man meinen, dass man mitten durch eine Kirmes fährt.
Björn Simon, Rennfahrer

„Das ist für alle Piloten, die das zum ersten Mal erleben, eine wirkliche krasse Erfahrung, an die man sich gewöhnen muss. Dazu kommt, dass die Lagerfeuer und Lichter von den Fans an der Strecke eine großartige Atmosphäre schaffen“, berichtet der Weilerswister.

Vom Pflanzgarten in Richtung Schwalbenschwanz gleiche die Nordschleife einer Kirmes. Simon: „Bei all den bunten Lichtern könnte man meinen, dass man mitten durch eine Kirmes fährt.“

In diesem Jahr hatten Simon und das Team mit einem kleinen technischen Defekt zu kämpfen. Der Weilerswister beendete seine Runde auf dem Abschlepper. Glück im Unglück: Der Defekt war schnell behoben.

Mehr als 200 Streckenposten sind beim Rennen dabei

Auch die Signale der Sportwarte, die an den mehr 200 Streckenposten stehen, werden im Dunklen von zu schwenkenden Flaggen in reflektierende Schilder gewechselt, damit die Signale besser erkannt werden können.

Simon: „Das ist je nach Streckenabschnitt dann schwierig zu erkennen, da sich die Posten z.B. auf dem Grandprix-Kurs teilweise relativ weit weg von der Strecke befinden. Da musst du als Fahrer also immer ein gutes Auge draufhaben.“

Freitagmittag startet dann das dritte Qualifying, bei dem man nochmals die Chance hat, seine Startposition zu verbessern. Abends findet dann das Top-Qualifying der schnellsten 30 Fahrzeuge statt, die die Poleposition untereinander ausfahren.

Boxengasse für die Fans und Bezingespräche geöffnet

Danach wird die Boxengasse für alle Fans geöffnet und wir Fahrer geben Autogramme, machen Fotos mit den Fans und stehen natürlich auch für Fragen und „Benzingespräche“ zur Verfügung. „Das ist immer ein großartiges Event, weil die Stimmung immer sehr positiv ist und Fahrer, Teams und Fans einfach wie eine große Familie zusammen sind“, so Simon.

Dann ist der große Tag auch schon da. Samstagmittags gibt es noch eine kurze Warm-Up-Session, bevor dann alle Rennfahrzeuge um kurz vor 15 Uhr auf die Start- und Zielgerade fahren und sich aufstellen. „Das Grid ist dann picke packe voll mit all den Fahrzeugen, Fahrern, Mechanikern und tausenden Fans, die vor dem Start auf die Strecke dürfen. Der Trubel ist dann extrem groß und tausende Menschen tummeln sich um die Autos herum", so Simon.

Simon: Wichtig ist, die Konzentration nicht zu verlieren

Als Startfahrer sei es wichtig, den Fokus nicht zu verlieren. „Irgendwann müssen dann alle das Grid verlassen und du bleibst alleine mit deinem Mechaniker zurück. Du steigst in das Rennfahrzeug ein, der Mechaniker schnallt dich an, verbindet den Helm mit dem Funk- und dem Trinksystem und schließt die Tür“, erklärt der Weilerswister.

„Ich durfte bisher mehrfach den Start fahren und dieser Moment ist für mich immer ganz besonders. Nach dem ganzen lauten Rummel sitzt du im Auto, es ist angenehm ruhig“, so Simon.

Für Weilerswister Rennfahrer geht am Nürburgring ein Lebenstraum in Erfüllung

„Es mag kitschig klingen, aber es ist ein besonderer Augenblick, weil Dir bewusst wird, dass es ein Privileg ist, Teil des größten Autorennens der Welt sein zu können“, sagt der Weilerswister.

„Ich erinnere mich sehr genau, dass ich bei meinem ersten 24h-Rennen auf dem Nürburgring in der Einführungsrunde sehr emotional war, weil es immer ein Lebenstraum war, einmal als Fahrer dabei zu sein“, so Simon.

Auf dieses Ziel habe er mehrere Jahre hingearbeitet. Bis zur Hatzenbach sei er gekommen. Dann habe es ihn beim Blick auf die Fans übermannt. „Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich wacker gehalten, aber dann konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich war so ergriffen, dass ich unter meinem Helm einfach heulen musste“, so Simon.

Er könne das Gefühl nicht wirklich beschreiben. Es sei einfach unglaublich gewesen. „Nach der Hälfte der Einführungsrunde musste ich mich dann endlich konzentrieren und kurze Zeit später ging es auch schon in das Rennen durch die Grüne Hölle“, so Simon.

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