Der Star beim B-Ligisten ist Ulas Önal. Die Verpflichtung des bisherigen Landesliga-Trainers lässt die Gerüchteküche rund um den ETSC brodeln.
FußballEuskirchener TSC will mit Trainer Ulas Önal zu den Wurzeln zurück – Geld fließt nicht

Ulas Önal trainiert jetzt die Fußballer des Euskirchener TSC, der in die Kreisliga B aufgestiegen ist. Geld fließt beim ETSC, trotz nahmhafter Neuzugänge, nach Angaben aller Beteiligten nicht.
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Der Euskirchener TSC will nach schwierigen Jahren wieder für Stabilität sorgen. Statt auf kurzfristige Erfolge oder kostspielige Spielertransfers setzt der Traditionsverein, der in den vergangenen Jahren von der Mittelrheinliga bis in die Kreisliga C abgestürzt war, auf einen langfristigen Neuaufbau.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Reaktivierung der Jugendarbeit, klare Vereinswerte, finanzielle Transparenz und die Schaffung nachhaltiger Strukturen. Die sportliche Verantwortung tragen künftig Ulas Önal und Salih Yavuz, die die Fußballabteilung gemeinsam und gleichberechtigt führen. Wobei sich Önal um das Sportliche kümmert.
Die Verantwortlichen beteuern, dass kein Geld gezahlt wird
Für viele Beobachter kam die jüngste Entwicklung beim ETSC überraschend. In den vergangenen Wochen schlossen sich zahlreiche Spieler dem Verein an, was in der lokalen Fußballszene Spekulationen über mögliche finanzielle Anreize auslöste.
Allein die Verpflichtung von Önal, der zuletzt Trainer beim Landesligisten FC Rheinbach war, ist eigentlich ein Zeichen dafür, dass Geld fließt. Diesen Eindruck weisen die Verantwortlichen jedoch entschieden zurück.
„Es wird kein Geld bezahlt“, betonen Yavuz und Önal unisono. Vielmehr hätten sich Spieler aufgrund des vorgestellten Konzepts, der sportlichen Perspektive und der Trainingsarbeit für den ETSC entschieden. Önal berichtet sogar, dass er selbst Angebote aus deutlich höheren Spielklassen ausgeschlagen habe, um bei seinem Heimatverein etwas Eigenes aufzubauen.
Verein soll komplett nachhaltig ausgerichtet werden
Der Wechsel von der Landesliga in die Kreisliga B sei für ihn sportlich zwar ein großer Schritt gewesen, doch die Möglichkeit, mit Yavuz einen Verein neu auszurichten, habe den Ausschlag gegeben.
Letztgenannter, der den Verein in den vergangenen Jahren nahezu allein geführt und bis zum Aufstieg begleitet hatte, sieht in der Zusammenarbeit einen wichtigen Schritt zur Professionalisierung. Entscheidungen würden ab sofort gemeinsam getroffen. Ziel sei nicht der schnellstmögliche Aufstieg in die Kreisliga A, sondern die langfristige Entwicklung des Vereins.
Erstmals seit Jahren wieder eine Jugendabteilung
Besonders wichtig ist den Verantwortlichen die Nachwuchsarbeit. Nach Jahren ohne nennenswerte Jugendabteilung sollen zunächst wieder Bambini-, F- und E-Jugendmannschaften aufgebaut werden. Weitere Altersklassen könnten folgen, wenn sich geeignete Trainer und Betreuer finden. Beide erinnern daran, dass der ETSC früher über zahlreiche Jugendmannschaften verfügte und viele Fußballer aus Euskirchen ihre ersten Schritte im Verein gemacht hätten. „Ohne Jugend hat ein Verein langfristig keine Zukunft“, sagt Yavuz. Deshalb sollen Sponsorengelder und finanzielle Mittel vor allem in den Nachwuchs investiert werden.
Gleichzeitig setzt der Verein auf Kontinuität bei den Senioren. Obwohl der Kader der ersten Mannschaft inzwischen auf 42 Spieler angewachsen ist, verzichten die Verantwortlichen bewusst auf eine zweite Mannschaft. In vielen Vereinen werde nach sportlichen Gesichtspunkten schnell aussortiert, erklären sie. Beim ETSC sollen Loyalität und Zusammenhalt stärker gewichtet werden. „Wir werden die Jungs, die vergangenes Jahr, als keiner da war, den Aufstieg geschafft haben, nicht vor den Kopf stoßen“, so Önal.

Freuen sich auf die kommende Saison und wollen oben mitspielen: die Fußballer des Euskirchener TSC.
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Finanziell verfolgt der Verein einen klaren Kurs. Alle Spieler zahlen regulär ihre Mitgliedsbeiträge. Für Trikots und Ausrüstung gilt ein Pfandsystem. Spielergehälter oder inoffizielle Zahlungen schließt die Vereinsführung aus. „Alles muss transparent und sauber laufen“, betont Yavuz. Erst wenn sich der Verein sportlich und wirtschaftlich dauerhaft stabilisiert habe, könne irgendwann über moderate Aufwandsentschädigungen gesprochen werden.
Um die geplanten Schritte umsetzen zu können, benötigt der ETSC jedoch weitere Unterstützung aus der Wirtschaft. Der Verein sucht derzeit aktiv nach Sponsoren, um die Grundausstattung sicherzustellen. Trikots, Trainingsanzüge, Bälle und Material für die Jugendarbeit verursachten erhebliche Kosten.
Sämtliches Sponsorengeld soll in die Infrastruktur fließen – nicht in Spieler.
Die Sponsorensuche verlaufe allerdings nicht immer einfach. Während einige Unternehmen die neue Ausrichtung positiv bewerteten, begegneten andere dem Verein aufgrund seiner Vergangenheit noch mit Skepsis. „Sämtliches Sponsorengeld soll in die Infrastruktur fließen – nicht in Spieler“, so Önal.
Neben den finanziellen Herausforderungen beschäftigen die Verantwortlichen auch infrastrukturelle Probleme. Der Kunstrasenplatz befindet sich nach ihrer Einschätzung in einem schlechten Zustand und soll im kommenden Jahr saniert werden. Zudem sind die verfügbaren Trainingszeiten begrenzt. Teilweise müssen sich mehrere Mannschaften die vorhandenen Plätze teilen.
Heinz-Flohe-Stadion spielt in den Planungen eine zentrale Rolle
Hinzu kommen organisatorische Hürden und Versicherungsfragen, die eine flexible Nutzung der Anlagen erschweren. So blockiere Türk Gencligi derzeit Trainingszeiten. Ob der Verein aber überhaupt eine Mannschaft melden wird, ist mehr als fraglich. Dennoch könnten derzeit die freien Flächen nicht genutzt werden – aus versicherungstechnischen Gründen.
Eine besondere Rolle spielt für den ETSC das Heinz-Flohe-Stadion. Der ETSC möchte dort möglichst viele Heimspiele austragen, weil die Anlage dem Verein eine größere Sichtbarkeit bietet und zugleich für Sponsoren attraktiver ist. Für den Trainingsbetrieb steht das Stadion allerdings nicht zur Verfügung.
Auch das Fehlen eines Vereinsheims macht sich bemerkbar. Nach Ansicht der Verantwortlichen leidet darunter der Zusammenhalt innerhalb des Vereins. Aktuell dient ein Café als Treffpunkt für Spieler, Mitglieder und Unterstützer.
Trotz aller Herausforderungen blicken Önal und Yavuz optimistisch in die Zukunft. Ihr Ziel ist es, den ETSC Schritt für Schritt wieder zu einem festen Bestandteil der Euskirchener Fußballlandschaft zu machen. Dabei sollen nicht finanzielle Anreize, sondern Disziplin, Gemeinschaft, Jugendarbeit und ein verlässliches Vereinsumfeld den Unterschied ausmachen.
„Wir wollen etwas aufbauen, das auch in fünf oder zehn Jahren noch Bestand hat“, lautet die gemeinsame Botschaft der beiden Verantwortlichen.
