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Frauen-FußballDas Finale zwischen Kommern und Zülpich spielt nur eine Nebenrolle

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Das Bild zeigt einen Zweikampf zwischen Spielerinnen des VfL Kommern und des TuS Zülpich.

Das letzte Aufeinandertreffen von Kommern und Zülpich fand im April 2024 noch in der Kreisliga statt und endete 3:3.

Vor dem Kreispokal-Endspiel hadert Kommern mit dem verpassten Aufstieg. Christof Hilgers verabschiedet sich als TuS-Trainer.

Eines ist jetzt schon sicher: Ein ganz normales Kreispokalfinale zwischen dem TuS Zülpich und dem VfL Kommern wird es am Sonntag um 14.30 Uhr in Kommern nicht. Für beide Mannschaften ist es zwar der letzte Höhepunkt der Saison. Aber für die eine stehen Abschiede im Vordergrund, während die andere zwei Tiefschläge aus dieser Woche verdauen muss.

Denn der heimische VfL hat nicht nur am vergangenen Sonntag durch eine Niederlage, in der der entscheidende Treffer für Konkurrent Selfkant in der dritten Minute der Nachspielzeit fiel, den direkten Aufstieg in die Landesliga verpasst. Am Mittwoch hat Trainer Sascha Wagner zudem erfahren, dass auch die letzte verbliebene Hoffnung auf einen Aufstieg dahin ist. Der wäre möglich gewesen, wenn Alemannia Aachen in der Aufstiegsrunde den Sprung in die Regionalliga geschafft hätte.

Das mit Aachen hat jetzt noch mal richtig reingehauen. Das ist eine Ungerechtigkeit und tut unglaublich weh.
Sascha Wagner, Trainer des VfL Kommern

„Aber man hat mir mitgeteilt, dass Aachen nicht an den Aufstiegsspielen teilnimmt“, sagt Kommerns Trainer. „Das mit Aachen hat jetzt noch mal richtig reingehauen. Das ist eine Ungerechtigkeit und tut unglaublich weh“, so Wagner, der seine Mannschaft umgehend per WhatsApp informierte und daraufhin nur weinende oder wütende Emojis als Antwort erhielt.

Damit ist klar: Seine Mannschaft wird in der kommenden Saison erneut in der Bezirksliga spielen. Man hofft auf einen Wechsel in die jetzige Staffel 2. Alleine 400 Kilometer weniger Fahrtstrecke hat Wagner errechnet, es gäbe ein Derby mit Wißkirchen, und ein moralischer Neuanfang wäre möglich.

Hat sich alles gegen Kommern verschworen?

Aktuell hat Wagner das Gefühl, dass sich alles gegen seine Mannschaft verschworen hat. „Es läuft nicht viel für uns“, so sein Urteil. Und dann kommt er auf das zu sprechen, was er als viel größere Ungerechtigkeit sieht: die drei Spielabsagen, die möglicherweise ausschlaggebend für ein schwächeres Torverhältnis waren, das schließlich entscheidend im Aufstiegsrennen war.

„Am Dienstag nach dem Training hätte ich noch gesagt, dass bei den Mädels die Wut im Bauch dominiert. Jetzt ist die Einschätzung schwierig“, sagte er am Mittwochnachmittag und hofft, dass seine Truppe den Frust in Wut verwandelt. „Vielleicht ist es auch ganz gut, wenn wir uns am Sonntag den Kopf freipusten können“, so Wagner.

Auf jeden Fall will der VfL Kommern ein guter Gastgeber sein und dem Frauenfußball eine Bühne bieten. Viele fleißige Hände seien daran beteiligt, dass das auch gelinge. Und dann hat Wagner doch noch einen Funken Humor behalten: Angesichts des am Sonntagabend stattfindenden Debüts der deutschen Nationalmannschaft bei der WM spricht der Kommerner Trainer davon, dass das Finale das „Eröffnungsspiel für Deutschland“ sei.

Die Ausgangslage beim Gegner TuS Zülpich ist eine andere. Mit Platz fünf in der Landesliga wurde das Saisonziel erreicht. Der Druck ist – anders als beim Titelverteidiger Kommern, der zu Hause spielt – kleiner. „Der Pokal ist uns nicht egal, aber die Saison war wichtiger. Das Endspiel ist ein Zubrot, zumal es uns gelungen ist, endlich Füssenich zu schlagen“, sagt Zülpichs Trainer Christof Hilgers und meint damit nicht nur den Derbysieg im Pokalviertelfinale, sondern auch wenige Tage später in der Liga. Als klassenhöhere und erfahrene Mannschaft will man Kommern dennoch schlagen. Er weiß aber auch: Es ist für Kommern die letzte Chance, die Saison zu retten. „Die braucht man nicht zu motivieren“, so Hilgers.

Für den TuS-Trainer wird es ein emotionaler Abgang

Für ihn ist es ein besonderes Spiel. Nach acht Jahren als Trainer der Mannschaft, die zunächst SG Oleftal hieß, hört er auf. In der kommenden Saison trainiert er wieder die Herren des TuS Dreiborn. „Zum Abschluss wollen wir noch einmal den Pokal haben“, formuliert er es zunächst fordernd, schwächt dann aber ab: „Ich hätte den Pokal gerne, würde ihn aber auch Kommern gönnen.“

Es wird auf jeden Fall ein „emotionaler Abgang“, ist sich Hilgers sicher. Als er die Mannschaft übernommen habe, seien „die Mädchen“ 17 bis 20 Jahre alt gewesen. „Jetzt sind es gestandene Frauen, diese Entwicklung macht man als Trainer ja mit.“ Und natürlich auch als Vater. Celine Hilgers, eine der Stützen des Teams, ist seine Tochter. Und da hat es zu Hause wegen des Fußballs auch das ein oder andere mal richtig gekracht.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Vorher hatte er schon einmal die Herren von Dreiborn und Nierfeld II trainiert und kennt die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Fußball. „Frauen sind emotionaler, da braucht man bei der Ansprache mehr Fingerspitzengefühl, das ist bei den Herren einfacher. Aber dafür sind Frauen disziplinierter und verlässlicher“, so Hilgers, der es schade findet, dass der Frauenfußball in der Wahrnehmung vieler Fans hinterherhinkt.

Dass für ihn eine „emotionale, aber auch schöne Reise“ nach acht Jahren endet, ist ein verständlicher Schritt. „Die Mannschaft braucht einfach mal einen Trainer, der neue Ideen hat. Aus fachlicher Sicht ist die Geschichte einfach erzählt“, findet er. Er geht aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Traurig ist er, weil er weiß, dass das Team das Potenzial hat, noch eine Liga höher zu bestehen und er nicht mehr mit ihm aufsteigen kann. Er freut sich aber auf die Herausforderung in Dreiborn. „Ich wollte noch mal irgendwo anders Chef sein, neue Talente fördern, neue Spieler sehen“, erklärt er den Schritt.

Seine jetzige Mannschaft habe sich großartig entwickelt, habe wahnsinnig viel gelernt – und dennoch gebe es Dinge, die ein neuer Trainer nun verbessern könne. „Für mich ist es noch surreal, dass ich die Mädchen ab nächster Woche nicht mehr zu sehen bekomme“, sagt er.