David Sasse, Trainer des TuS Zülpich, geht mit einer Mischung aus Euphorie und Realismus in die neue Saison der Mittelrheinliga.
Fußball-MittelrheinligaDer TuS Zülpich muss lernen, mit Rückschlägen umzugehen

Offensivfußball will der TuS Zülpich mit Trainer David Sasse (mittlere Reihe, 2. v. l.) weiterhin zeigen.
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Der sensationelle Aufstieg der Römerstädter nach 40 Jahren Abstinenz lieferte nicht nur dem Verein und seinen handelnden Personen, sondern auch dem gesamten Kreis Euskirchen einen Grund zum Feiern. Denn endlich gibt es in der Region wieder einen Mittelrheinligisten, der den Zuschauern bislang weitgehend unbekannte, sportlich dafür aber umso hochkarätigere Gästeteams bescheren wird. „Die Spielklasse ist für uns die Bundesliga; ein absolutes Privileg, das wir uns hart erarbeitet haben. Mehr geht für den TuS nicht“, macht Coach David Sasse vor dem Saisonstart unmissverständlich klar.
Der Sprung in die Topliga auf Verbandsebene bringe für die in den vergangenen Jahren von Sieg zu Sieg stürmenden Zülpicher enorme Veränderungen mit sich, über die sich der eine oder andere Spieler bewusst werden müsse. „Die Zeit des Feierns ist vorbei. Uns erwartet eine Herkulesaufgabe, auf die wir uns mental vorbereiten müssen, zumal die meisten Jungs die Liga nicht kennen“, berichtet der Übungsleiter. „Und bei denjenigen, die dort schon mal gespielt haben, liegt dies schon viele Jahre zurück“, ergänzt Sasse, der die große Herausforderung mit einem 26 Mann starken Aufgebot, in dem gleich vier Torhüter stehen, angeht.
Das Erfreuliche für das Trainerteam, das durch Patrick Pützer als Nachfolger von Andreas Storb verstärkt wurde: Mit Ausnahme von Constantin Pennartz hat das Team keinen Stammspieler aus der Vorsaison verloren. Der Verlust des defensiven Mittelfeldakteurs, der in seinen zwei Jahren bei den Rot-Weißen 57 Meisterschaftspartien bestritt und aus familiären Gründen zu seinem ehemaligen Verein Winden zurückkehrte, wiegt jedoch schwer. „Cono kam aus der Kreisliga zu uns und hat sofort eine tragende Rolle übernommen. Er wird uns sportlich und als Mensch enorm fehlen“, adelt Sasse den 27-Jährigen.
David Sasse fordert von Talenten Geduld bei der Entwicklung
Während Julian Becker und Maxi Patt (verstärken die in die Bezirksliga aufgestiegene Zweite) sowie Lars Fröhling (zum SC Kreuzau gewechselt) sportlich keine Rolle spielten, kam Julian Riße (wenn auch meist von der Ersatzbank) immerhin in 20 Partien zum Einsatz. Eine Bilanz, die dem 23-Jährigen in seiner ersten Landesligaspielzeit offenbar zu wenig war, denn er wechselte wieder zur JSG Erft 01. „Leider fehlt vielen Talenten die Geduld, um sich dauerhaft durchzusetzen. Diese Erfahrung haben wir bei Julian, aber auch schon zuvor bei Till Hahne gemacht, denen wir eine große Zukunft zugetraut hätten“, bedauert Sasse und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass unsere Neuzugänge ihre Rolle diesmal annehmen.“

Soll dabei helfen, den Verlust von Cono Pennartz im Zentrum zu kompensieren: Neuzugang Tobias Rick.
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Zu den Neuerungen beim TuS in der Mittelrheinliga gehören auch die Spielernamen auf den Trikots.
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Bei diesen blieb der Verein seiner in den vergangenen Spielzeiten verfolgten, überaus gewinnbringenden Linie treu. Acht junge, gut ausgebildete Spieler, die viel Potenzial mitbringen, aber ihren Leistungszenit noch lange nicht erreicht haben und die im näheren Umkreis wohnen, konnten die Verantwortlichen vom Wechsel in die Römerstadt überzeugen.
Die neue, attraktive Spielklasse machte die Gespräche mit Leuten wie Luca Flatten oder Yannick Frings, die immerhin schon über ein paar Jahre Landesliga-Erfahrung verfügen, sicherlich ein wenig leichter. Spektakuläre Transfers – auf diesen Umstand macht Sasse auch vor dieser Saison aufmerksam – sucht man beim TuS erneut vergeblich.
Für David Sasse ist Zülpich der „SV Elversberg der Mittelrheinliga“
Zum einen gibt der eingeschlagene Weg, weniger auf fertige als auf entwicklungsfähige Fußballer zu setzen, den handelnden Personen Recht; zum anderen sind die finanziellen Kapazitäten, um ehemalige Profikicker an Land zu ziehen, wie sie in anderen Klubs nicht selten anzutreffen sind, schlicht zu gering.
„Wir sind der SV Elversberg der Mittelrheinliga. Dies zeigt sich nicht nur anhand der Qualität des Kaders, sondern auch an der Infrastruktur. Im Verein tut sich zwar einiges, trotzdem sind wir von den Möglichkeiten der meisten Konkurrenten noch weit entfernt“, weiß Sasse, für den Jammern allerdings keine Option darstellt. Vielmehr freut sich der Trainer über einen gewonnenen Sponsor für Laufschuhe, größere Umkleiden oder den geplanten Bau einer kleinen Tribüne auf der heimischen Anlage.
Erwartungsvoll blickt Sasse ungeachtet dessen vor allem den Auswärtsduellen entgegen, bei denen der Untergrund im Vergleich zur Landesliga, wo fast ausschließlich Kunstrasenplätze an der Tagesordnung waren, sehr häufig Naturrasen sein wird. „Die Spielfelder sind in der Regel deutlich größer, daneben wird auch das Zuschauerinteresse höher sein. Die Jungs können es genießen, in den Stadien von Wegberg, Siegburg oder Hennef aufzulaufen. Wenn dann noch fünfzig ganz in Rot gekleidete Fans auf der Tribüne stehen, macht es so richtig Laune.“
Auf den Trikots steht nun auch der Name der Spieler
Die Anhänger werden ihren Jungs in der am 30. August auswärts bei Frechen 20 beginnenden Meisterschaft erstmals in mit Spielernamen versehenen Trikots zujubeln können, wobei der TuS-Coach beim Thema „Jubeln“ auf die Bremse tritt. „Wir werden leiden müssen und Spiele verlieren. Es wird darauf ankommen, aus unseren Fehlern schnell zu lernen.“
Trotz der sicher unausweichlichen Rückschläge möchte Sasse weiterhin den bislang so erfolgreich praktizierten Offensivfußball zeigen – mit geringfügigen Anpassungen, die dem gestiegenen Niveau der Widersacher geschuldet sind. „Es wird Phasen geben, in denen wir unter Druck geraten werden. Deshalb müssen wir den Fokus auch auf die Defensive legen.“ Am Ende gehe es für den TuS einzig und allein darum, die Liga zu halten. „Wenn wir drinbleiben, haben wir eine perfekte Saison hingelegt“, prophezeit David Sasse.
