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JugendfußballEin unvergesslicher Abend für die JSG Kommern/Firmenich/Satzvey

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Laufduell zwischen einem Kölner und einem JSG-Spieler unweit der Außenlinie. Ein weiterer JSG-Spieler kommt nicht hinterher.

Meist liefen die Spieler der JSG Kommern/Firmenich/Satzvey (in Schwarz) hinterher. Auffälligster Offensivakteur der Gastgeber war Fabio Murk (r.).

Im Mittelrheinpokal verliert die JSG 0:8 gegen Fortuna Köln. Die JSG Erft ist zwar eine Runde weiter, erhebt aber schwere Vorwürfe.

Mittelrhein-Pokal B-Junioren Runde 1: JSG Kommern/Firmenich/Satzvey – SC Fortuna Köln 0:8 (0:5). Das Ergebnis? War Nebensache. Das Ereignis? Wird unvergesslich bleiben. In der ersten Runde des Mittelrheinpokals besiegte der Verbandsligist Fortuna Köln den Euskirchener Sonderligisten JSG Kommern/Firmenich/Satzvey verdient mit 8:0. Aber das Team von Trainer Andreas Fremmer und den Co-Trainern Torsten Schmidt und Wolfgang Lux hat alles gegeben und durfte sich zurecht feiern lassen.

Das Umfeld: 150 bis 200 Zuschauer am Spielfeldrand

Die Spieler der JSG hatten ordentlich die Werbetrommel gerührt, wie Schmidt wusste. Und so standen viele Mitschüler am Spielfeldrand. Geschätzt zwischen 150 und 200 Zuschauer dürften die Kicker aus dem Mechernicher Stadtgebiet nicht so oft bei ihren Spielen haben. Und auch so mancher Kreis- oder Bezirksligist bei den Senioren wäre mit einem solchen Zuspruch zufrieden. „Wir sind froh, dass so viele den Weg nach Kommern gefunden haben“, sagte Schmidt.

Zahlreiche Zuschauer sitzen und stehen am Spielfeldrand.

Großes Interesse: 150 bis 200 Zuschauer waren nach Kommern gekommen.

Und die überwiegend jungen Fans machten ordentlich Stimmung. Das wurde besonders kurz vor der Pause deutlich: Da war ein Fortuna-Angreifer auf dem Weg zum 6:0, doch ein JSG-Spieler nahm sich das Herz und bremste den Mittelrheinliga-Kicker im letzten Moment durch ein ebenso beherztes wie faires Eingreifen. Von den Zuschauern wurde er dafür regelrecht gefeiert.

Die Platzwahl: Heimspiel auf Asche schlägt Kunstrasen in Mechernich

Zum Umfeld dazu gehört natürlich auch der Platz. Da die Rasenfläche des Wälschbachstadions momentan gesperrt ist, wich man auf den für Techniker eher ungeliebten Aschenplatz aus. „Wir hätten auch auf den Kunstrasenplatz in Mechernich gehen können. Aber wir wollten dann doch lieber zu Hause spielen“, sagte Torsten Schmidt. Und auch als taktisches Mittel war das geplant: „Wir wussten, dass wir keine Chance haben werden. Aber die wollten wir nutzen“, so Schmidt. Allerdings trainiert auch die Fortuna in Köln auf Asche.

Die Vorbereitung: Youtube-Videos helfen JSG-Kickern

Der Klassenunterschied war schon bei der Technikunterstützung sichtbar. Das Team aus der Kölner Südstadt hatte ein Riesenstativ mitgebracht und zeichnete die komplette Partie für die Nachbereitung auf. Die JSG nutzte ebenfalls Technik zur Vorbereitung. „Unsere Jungs haben sich YouTube-Videos von den Fortuna-Spielen angeschaut“, sagte Co-Trainer Wolfgang Lux.

Das Schiedsrichtergespann: Keine lange Fahrt für Lisa Reinecke

Hohe Fahrtkosten hatten die drei Unparteiischen nicht. Die Mechernicherin Lisa Reinecke von der SG Erfthöhen war ausgewählt worden, die Partie zu leiten. Sie vermutet hier Kosten/Nutzen-Gründe beim Aufwand als Kriterium für die ortsnahe Ansetzung.

Schiedsrichterin Lisa Reinecke zeigt mit einer Geste eine Entscheidung an.

Einfaches Spiel: Lisa Reinecke.

Sagen wir mal so: Reinecke und ihre Assistenten Rayyaan Hossain und Eric Zander dürften schon schwierigere Einsätze gehabt haben. Eine Gelbe Karte sowie ein Handelfmeter waren die einzigen Auffälligkeiten. Beides entschied Reinecke richtig. „Es waren zwei sehr faire Mannschaften“, fand sie.

Der Spielverlauf: JSG ohne Torschuss gegen Fortuna Köln

Vorzuwerfen hatte sich die JSG Kommern/Firmenich/Satzvey höchstens eine Sache: Man hätte einem ihrer Spieler den Wagemut gewünscht, bei einem Ballgewinn in Höhe der Mittellinie einfach mal das sehr kurze Zeitfenster, in dem ein Fortuna-Spieler nicht gestört hat, auszunutzen und aus der Distanz draufzuhalten. Denn der beschäftigungslose Gäste-Torwart Ninsemou Heerbaart stand eigentlich immer mindestens 30 Meter vor seinem Tor. Und selbst wenn der Distanzschuss im Abendhimmel von Kommern verschwunden wäre, hätte das bei dem Spiel niemanden gestört. Im Gegenteil.

Ansonsten sah man vor allen Dingen einen Klassenunterschied und den Beleg, was das Training in einem Nachwuchsleistungszentrum ausmacht. Nur in der Anfangsphase gelang es den Gastgebern, öfter in die Kölner Hälfte zu gelangen. Ansonsten bestimmten die Gäste die Partie, stellten Passwege nach Ballverlusten konsequent zu und bewegten sich so clever bei eigenem Ballbesitz, dass immer Spieler durchkamen. Dass die Partie nicht mit einem zweistelligen Ergebnis endete, lag auch daran, dass Fortuna Köln in der zweiten Halbzeit einen Gang zurückschaltete.

„Wir sind stolz auf die Mannschaft. Sie hat sich so teuer verkauft, wie es ging und viel gelernt“, sieht Torsten Schmidt auch einen Vorteil der Niederlage. Er ist sich sicher: „An das Spiel werden alle zurückdenken.“


JSG-Erft-Trainer erhebt schwere Anschuldigungen gegen Fans

Mittelrheinpokal A-Junioren: SV Frömmersbach – JSG Erft 01 Euskirchen 0:1 (0:0). „Eine Runde weiter, Ziel erreicht“, formuliert es JSG-Trainer Marcel Schmitz knapp. Er hatte mit einem schweren Spiel beim Sonderligisten aus Gummersbach gerechnet – und genau das war es dann auch. „Die haben sich mit Mann und Maus in jeden Ball geworfen und sind um ihr Leben gerannt“, sagt Schmitz. Auch Psychospielchen hätten dazu gehört. „Wir waren in einer Kabine untergebracht, die 500 Meter vom Platz entfernt war, und mussten einen Berg hochsteigen“, so der Trainer des Bezirksliga-Spitzenreiters.

Verbucht Schmitz das noch als mangelnde Gastfreundlichkeit, fand er das Verhalten der Zuschauer nicht nur grenzwertig, „das hat eine Grenze sogar überschritten“. So seien während des Spiels Böller und Raketen gezündet worden. Auch eine Schreckschusspistole sei mehrfach abgefeuert worden. „Wir waren froh, als wir da weg waren. Wir wurden massiv beleidigt und bedroht, vermeintliche Fans sind auf dem Weg in die Kabine auf unsere Jungs losgegangen“, berichtet der JSG-Coach. Auch rassistische Aussagen seien gefallen. „Das hat nichts auf den Plätzen zu suchen“, so Schmitz.

Wir waren froh, als wir da weg waren. Wir wurden massiv beleidigt und bedroht, vermeintliche Fans sind auf dem Weg in die Kabine auf unsere Jungs losgegangen.
Marcel Schmitz, Trainer JSG Erft 01 Euskirchen

In Schutz nimmt er allerdings die gegnerische Mannschaft. „Es war ein nickeliges, hart umkämpftes Spiel, aber die Spieler waren nicht das Problem. Auch die Trainer waren anständig. Aber das Drumherum, von den Verantwortlichen angefangen bis zu den Fans, war traurig.“ Frömmersbach habe im Vorfeld dazu aufgerufen, das Spiel zu besuchen und Stimmung zu machen. Schmitz schätzt, das über 200 Zuschauer anwesend waren.

Das Spiel selbst habe man in der ersten Halbzeit nicht gut gestaltet. Durch seine robuste Art habe der SV Frömmersbach seinen Jungs den Schneid abgekauft. Nur einen Torabschluss zählte Schmitz in den ersten 45 Minuten. Nach deutlichen Worten in der Pause und taktischen Anpassungen lief es besser, Mamady Junior Diop erzielte das 1:0 (48.). Weil es der JSG aber nicht gelang, die Führung auszubauen, blieb es spannend. Kurz vor Schluss rettete Henri Urbig sein Team per Glanzparade.