Der Mechernicher Stadtrat soll nun die Entscheidung für den Bau eines Kunstrasenplatzes in Kommern nachträglich legitimieren.
Fördermittel vom BundStadt favorisiert Kunstrasenplatz in Kommern – Kritik aus Satzvey

Der in die Jahre gekommene Aschenplatz in Satzvey soll nach dem Willen des örtlichen Sportvereins in einen Kunstrasenplatz umgebaut werden. Dann sei die Anlage auch für den Schulsport der nahen Veytalschule (im Hintergrund zu erkennen) und der knapp anderthalb Kilometer entfernten Grundschule Firmenich nutzbar.
Copyright: Thorsten Wirtz
Mit den Sportstätten im Stadtgebiet befasst sich in seiner Sitzung am Dienstag (27. Januar, ab 17 Uhr im Ratssaal des Rathauses) erneut der Mechernicher Stadtrat. Konkret geht es um die Einrichtung eines neuen Kunstrasenplatzes, der über das „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ des Bundes gefördert werden soll.
Die Stadtverwaltung empfiehlt den Ratsmitgliedern, für dieses Programm den Antrag des VfL Kommern auszuwählen: Dort soll der 25 Jahre alte Tennenplatz in einen Kunstrasenplatz umgebaut werden. Damit soll allerdings erst nachträglich die Entscheidung für Kommern legitimiert werden: Weil die Antragsfrist für das Bundesprogramm am 15. Januar abgelaufen ist, hat die Stadt bereits den Antrag des VfL Kommern ausgewählt.
„In Kommern geht es um mehr als einen neuen Kunstrasenplatz“
Die Entscheidung für den Standort Kommern sei aus zeitlichen Gründen in einer interfraktionellen Sitzung und unter Beteiligung des Stadt-Sportbundes getroffen worden, informiert Bürgermeister Michael Fingel (CDU) auf Anfrage. „Es geht dabei um mehr als einen neuen Kunstrasenplatz“, betont der Bürgermeister: „Es sollen dort ja auch Laufbahnen und andere Leichtathletikanlagen entstehen.“

In keiner guten Verfassung ist nicht nur der Satzveyer Sportplatz selbst. Auch dem Hinweisschild am Kreisel Firmenicher Straße sieht man sein Alter an.
Copyright: Thorsten Wirtz
Gar nicht einverstanden ist man damit beim SSC Satzvey: „Wir haben dies mit großer Irritation und Enttäuschung zur Kenntnis genommen“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Joachimsmeier, der sich vereinsintern mit dem Projekt „Kunstrasenplatz“ befasst hat. „Unsere Kritik richtet sich jedoch in keiner Weise gegen den VfL Kommern“, betont er: „Unser Anliegen ist kein Gegeneinander der Vereine, sondern eine faire, transparente und ausgewogene Entscheidung im Sinne des gesamten Stadtgebiets und des Mechernicher Sports.“
Tatsächlich hatte man sich nicht nur in Kommern und Satzvey, sondern auch bei anderen Vereinen Hoffnung gemacht, über einen dafür notwendigen Antrag der Stadt an Geld aus dem Förderprogramm des Bundes zu kommen: Der SSC Firmenich hatte den Bau eines zweiten Spielfelds (DIN-Rasen oder Kunstrasen) beantragt, Concordia Weyer sich die Sanierung des Rasenplatzes und den Bau eines Kleinspielfelds gewünscht – jeweils mit Beregnungsanlage. Zudem gab es Anträge des TC Blau-Gold Kommern (Sanierung der Tennisplätze) und der TuS Veytal (Umwandlung des Aschen- in einen Kunstrasenplatz).
Auch andere Mechernicher Vereine hatten sich um Förderung beworben
Die Stadtverwaltung habe das Kunstrasenprojekt des VfL Kommern ausgewählt, weil es am besten zu den Förderrichtlinien passe, ist der Beschlussvorlage für die Ratsmitglieder zu entnehmen. Die Sanierung der Tennisplätze habe ein „zu geringes Projektvolumen“ – ist also nicht teuer genug. Neubauten (wie in Firmenich) und bauliche Erweiterungen (wie in Weyer) seien ebenfalls nicht förderfähig.
Blieben die Anträge der Vereine VfL Kommern, SSC Satzvey und TuS Veytal. Für die Priorisierung habe man verschiedene Kriterien (unter anderem die Auslastung des Platzes, bestehende Spielgemeinschaften, die Haushaltsplanung der Stadt Mechernich und Empfehlungen aus dem vorhandenen Sportflächenbedarfskonzept) herangezogen.
Für den Kunstrasenplatz in Kommern habe man sich schließlich entschieden, weil die Tennenanlage (Baujahr 2001) veraltet sei und es zu häufigen Platzsperren wegen der unzureichenden Drainage komme. Zudem sei die Auslastung hoch und die Sportanlage werde auch für den Schulsport der 1100 Meter entfernten Grundschule genutzt.
SSC Satzvey kritisiert Entscheidung für den Standort Kommern
Kritik an dieser Entscheidung der Verwaltung übt man beim SSC Satzvey speziell im Hinblick auf die „hohe Auslastung“ des Kommerner Sportplatzes: „Dabei ist unberücksichtigt geblieben, dass die vergleichsweise geringe Nutzung des Platzes in Satzvey nicht Ausdruck fehlenden Bedarfs ist, sondern eine unmittelbare Folge des veralteten Aschebelags und der damit verbundenen Einschränkungen“, sagt Vorstandsmitglied Joachimsmeier.
Ein Kunstrasenplatz in Satzvey würde diese Situation deutlich entlasten.
Die hohe Auslastung in Kommern erkläre sich im Umkehrschluss auch daraus, dass die Spielgemeinschaft Satzvey-Firmenich-Kommern nahezu vollständig dort trainiere. „Ein Kunstrasenplatz in Satzvey würde diese Situation deutlich entlasten“, argumentiert Joachimsmeier. Mit über 500 Mitgliedern zähle auch der SSC Satzvey zu den größten Vereinen im Stadtgebiet.
Eine Nutzung für den Schulsport sei nicht nur in Kommern, sondern auch in Satzvey möglich: „Die Veytalschule liegt nur rund 200 Meter vom Sportplatz entfernt“, sagt Joachimsmeier, und auch die Grundschule Firmenich könnte den Platz nutzen. „Von einem Kunstrasenplatz in Satzvey könnten demnach zwei Schulen und deutlich mehr Schülerinnen und Schüler fußläufig profitieren“, so das SSC-Vorstandsmitglied.
Bisher liege keine offizielle Antwort der Stadt vor, so der SSC Satzvey
Deutliche Kritik übt Joachimsmeier auch an der Kommunikation der Verwaltungsspitze im Mechernicher Rathaus: „Auf unseren Antrag vom 14. November 2025 haben wir über einen Zeitraum von acht Wochen keinerlei Antwort erhalten.“ Erst nach „massivem telefonischen Nachhaken“, so sagt Joachimsmeier, habe er eine informelle Rückmeldung bekommen. „Eine offizielle Antwort steht bis heute aus.“
Eine echte Abwägung zwischen den Standorten sei faktisch nicht mehr möglich. „Und Satzvey scheint damit bereits vor der politischen Entscheidung aus dem Verfahren ausgeschieden zu sein“, beklagt er.
Mechernicher Sportausschuss hat sich noch nicht mit dem Thema befasst
Faktisch können die Ratsmitglieder in der heutigen Sitzung nur dem Vorschlag für den Kunstrasenplatz in Kommern zustimmen. „Bei einem Nein zur Verwaltungsvorlage würden wir ganz aus dem Förderprojekt herausfallen“, bestätigt Dr. Peter Schweikert-Wehner (SPD), der auch Vorsitzender des üblicherweise vor dem Rat tagenden Sportausschusses ist. Die erste Sitzung dieses Ausschusses ist allerdings erst für den 3. März terminiert, weshalb das Thema dort bislang noch nicht vorberaten worden ist.
„Wir sollten daher auch jetzt nicht die Projekte, die nicht zum Zuge gekommen sind, kategorisch ablehnen“, schlägt Schweikert-Wehner vor. Was machbar sei in Sachen Sportstättenbau, ergebe sich letztlich aus der Finanzsituation der Kommune.
Das sieht auch die Stadt so: „Die Umsetzung erfolgt nur unter der Voraussetzung einer Förderung und der haushaltsrechtlichen Möglichkeiten. Des Weiteren muss der VfL Kommern sich in das Projekt einbringen. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, wird das Projekt umgesetzt“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

