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Dramatische Stunden vor GeburtKommerner Ehepaar: „Wir fühlten uns wie Maria und Josef“

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Rebecca und Richard Hein aus Kommern mit ihrem im Dezember 2025 geborenen Sohn Lennard auf dem Sofa im heimischen Wohnzimmer.

Vater, Mutter und Kind wohlauf: Bis der kleine Leonard in der Woche vor Weihnachten das Licht der Welt erblicken konnten, erlebten Rebecca und Richard Hein jedoch einige dramatische Stunden.

Bei der Suche nach einer Entbindungsklinik absolvierte ein Kommerner Ehepaar eine mehrstündige Irrfahrt, die sie durch das halbe Rheinland führte.

Rebecca und Richard Hein sind in der Woche vor Weihnachten zum ersten Mal Eltern geworden: Sohn Leonard, 52 Zentimeter groß und stolze 3915 Gramm schwer, erblickte am 18. Dezember um 16.55 Uhr das Licht der Welt. So weit, so normal. Bis es soweit war, musste das Paar aus Kommern jedoch eine echte Odyssee hinter sich bringen, die sie in vielen dramatischen Stunden durch das halbe Rheinland führte. „Wir haben uns wie Maria und Josef auf Herbergssuche gefühlt“, sagen die Eheleute.

Letztlich ging alles gut aus. Jetzt hofft die junge Familie auch noch in einer zweiten Angelegenheit auf ein Happy End: Die vor der Geburt bei einem privaten Dienstleister beauftragte Einlagerung von Nabelschnurblut droht daran zu scheitern, dass die Geburt nicht in einer Vertragsklinik stattfand (siehe auch: „Entnahme des Nabelschnurbluts war illegal“ am Ende dieses Artikels).

In der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums weist ein Schild zum Kreißsaal.

Die Suche nach einer Entbindungsklinik wurde für Rebecca und Richard Hein aus Kommern zu einer nervenaufreibenden Odyssee durch das halbe Rheinland. (Symbolbild)

Doch zurück zum Anfang: „Vorgesehen war eigentlich, dass das Kind in der Bonner Uniklinik zur Welt kommt“, berichtet Rebecca Hein (33). Errechneter Termin der Entbindung war der 11. Dezember. „Aufgrund der Ergebnisse der Voruntersuchungen und einer Risikoschwangerschaft sollte dieser Termin auf keinen Fall um mehr als eine Woche überschritten werden“, so die Mutter weiter. Sie leidet an einer Hormonstörung, dem PCO-Syndrom, weshalb die Schwangerschaft erst nach einer IVF-Behandlung (In-vitro-Fertilisation) eintrat.

Termin zur Geburts-Einleitung wurde kurzfristig von Klinik abgesagt

Im Vorfeld war daher ein Geburtsanmeldungstermin für den 17. Dezember mit den behandelnden Ärzten in Bonn vereinbart worden. „Wir sollten an diesem Tag um 15 Uhr zur Einleitung kommen, wenn es bis dahin nicht zu einer natürlichen Geburt gekommen sein sollte“, ergänzt Richard Hein (35).

Um 8 Uhr wurde uns der Termin abgesagt. ‚Wir melden uns in drei bis vier Tagen erneut bei Ihnen‘, hieß es am Telefon, aber ich habe gesagt, das geht auf gar keinen Fall.
Richard Hein machte sich Sorgen um Mutter und Kind

Doch am Morgen des 17. Dezember erhielt das Paar einen Telefonanruf aus der Bonner Uniklinik: „Um 8 Uhr wurde uns der Termin abgesagt. ,Wir melden uns in drei bis vier Tagen erneut bei Ihnen', hieß es am Telefon, aber ich habe gesagt, das geht auf gar keinen Fall“, erinnert sich der 35-Jährige: „Wir waren total verunsichert, wollten wegen der medizinischen Vorgeschichte auf keinen Fall so lange warten und haben uns dann entschlossen, trotzdem in die Klinik zu fahren.“

In der Hoffnung, dass sich vor Ort eine Möglichkeit ergeben würde, schon einmal stationär aufgenommen zu werden, machte sich das Paar auf den Weg nach Bonn. Die Wartezeit vor Ort in der Uniklinik nutzte Richard dann auch bereits, um sich telefonisch nach Alternativen zu erkundigen. Doch auch das Bonner Marienhospital hatte an diesem Tag keine freien Kapazitäten. Und das Johanniter-Krankenhaus nehme keine Risikoschwangerschaften an, hieß es. Einzige verbliebene Möglichkeit: Köln-Porz – dort sei eine Aufnahme möglich.

Junge Mutter ärgert sich noch heute über Verhalten der Klinik

„Vom Team der Uniklinik Bonn gab es dann nach Stunden endlich die Info, dass es wegen zahlreicher Notfälle an diesem Tag keine Aufnahme für uns geben werde. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Klinik wieder zu verlassen und nach Porz zu fahren“, so der junge Vater.

Doch das stellte sich als gar nicht so einfach heraus: „Ich hatte bei der Anmeldung in Bonn meinen Mutterpass abgegeben – den sollte ich jedoch nur zurückbekommen, wenn ich unterschreibe, dass ich die Klinik jetzt auf eigene Gefahr wieder verlasse“, ärgert sich Rebecca Hein noch heute: „Das passte aus meiner Sicht nicht zusammen, weil die Klinik unseren Termin zuvor ja selbst abgesagt hatte.“

Das Fruchtwasser war bereits grünlich verfärbt, was auf eine beginnende Schwangerschaftsvergiftung hindeuten kann.
Rebecca Hein erlebte vor der Geburt eine Odyssee

Doch auch in Porz sollte die werdende Mutter aus Kommern im Anschluss entgegen der vorherigen Zusage nicht aufgenommen werden. „Nach drei Stunden Wartezeit und zahlreichen Untersuchungen war das eine echte Enttäuschung“, so Rebecca Hein. Begründung: Eine Entbindung sei nicht möglich wegen der Risikoschwangerschaft in Verbindung mit dem Übergewicht der Mutter. „Inzwischen war es 16 Uhr, wir waren seit dem ersten Anruf aus Bonn bereits knapp acht Stunden unterwegs“, erinnert sich Ehemann Richard an den nervenaufreibenden Tag.

Not-Kaiserschnitt konnte vermieden werden – Geburt per Saugglocke

„Meine Schwester, die selbst Krankenschwester ist, hat ebenfalls die ganze Zeit herumtelefoniert, um für uns eine Entbindungsstation für diesen Tag zu finden“, so der 35-Jährige weiter. Aber aus Köln, Bonn, Mechernich, Düren und Leverkusen gab es jeweils die gleichlautende Nachricht: „Alles voll.“ Letzter möglicher Anlaufpunkt in der Region: Bensberg. „Nach über zwölf Stunden Suche nach einem Krankenhaus kamen wir abends endlich im Vinzenz-Pallotti-Hospital Bensberg an.“

Die zuständige Oberärztin habe nach der ersten Untersuchung auch gleich die Notwendigkeit gesehen, die Geburt einzuleiten. Nach Mitternacht platzte dann die Fruchtblase. „Das Fruchtwasser war bereits grünlich verfärbt, was auf eine beginnende Schwangerschaftsvergiftung hindeuten kann“, berichtet die 33-Jährige.

Bis zur Geburt sollte es allerdings noch einige Stunden dauern – letztlich ging aber alles gut aus: Ein Not-Kaiserschnitt konnte vermieden werden, Leonard kam schließlich am Nachmittag des 18. Dezember auf natürlichem Wege mithilfe einer Saugglocke zur Welt.

Eine anschließende Operation, die wegen der fortgeschrittenen Verkalkung der Plazenta notwendig wurde, überstand die junge Mutter trotz eines hohen Blutverlusts am Ende ebenfalls gut. Entsprechend froh sind die Kommerner, dass sie ihr junges Familienglück nun zuhause gemeinsam mit Sohn Leonard genießen können. „Und unsere Katze hat sich auch schon an den neuen Mitbewohner gewöhnt“, freut sich Rebecca Hein.


„Die Entnahme des Nabelschnurbluts war illegal“

Weil Nabelschnurblut wertvolle, unreife Stammzellen enthält, die bei schweren Krankheiten wie Leukämie, Blut- und Immunsystemerkrankungen Leben retten können, gibt es verschiedene Anbieter, bei denen werdende Eltern vor der Entbindung die Einlagerung dieses Bluts beauftragen können.

Die Eheleute Hein aus Kommern entschieden sich für die Firma Vita 34, eine Marke der FamiCord AG Leipzig, die laut eigener Aussage seit 1997 als erste private Nabelschnurblutbank in Europa Nabelschnurblut einlagert.

„Das Blut wird entnommen, um daraus ein Präparat herzustellen, das später im Bedarfsfall für eine Patientin oder einen Patienten zur Verfügung stehen soll, im konkreten Fall handelt es sich dabei um das neugeborene Kind“, teilt Unternehmenssprecherin Dr. Marion Bartel auf Anfrage mit. Dadurch handele es sich bei dem Präparat um ein Arzneimittel im Sinne des Deutschen Arzneimittelgesetzes.

Unternehmen muss sich an Arzneimittelgesetz halten

Das Arzneimittelgesetz erwarte für die Herstellung von Arzneimitteln jedoch das Vorhandensein einer Herstellungserlaubnis. „Dies wird in § 13 beschrieben. Die Herstellung des Arzneimittels beginnt bereits in den Kliniken, da dort das Blut gewonnen wird“, erläutert Bartel weiter: „Für die Kliniken, welche die Entnahme durchführen, gilt damit grundsätzlich die Erlaubnispflicht.“

Diese Erlaubnis könne auch durch die Aufnahme einer Klinik in die Herstellerlaubnis der Firma als Beauftragter Betrieb erfolgen. „Da die Kliniken ausschließlich die Entnahmen durchführen und dies in unserem Auftrag geschieht, sind die Kliniken als Beauftragte Betriebe in unsere Erlaubnis eingebunden“, so Bartel.

„Leider musste Familie Hein unter der sich ankündigenden Geburt die Klinik wechseln und im Vinzenz-Pallotti-Hospital (GFO Kliniken Rhein-Berg) entbinden. Diese besitzt jedoch (im Gegensatz zur eigentlich vorgesehenen Uniklinik Bonn, Anm. d. Red.) keine Erlaubnis zur Entnahme von Nabelschnurblut, so dass die Entnahme in dieser Form gesetzeswidrig (illegal) war und darüber hinaus einen Straftatbestand darstellt“, heißt es von Vita 34 dazu.

Und weiter: „Wir sind bei einer unerlaubten Entnahme gesetzlich verpflichtet, das Nabelschnurblut zu vernichten und den geschlossenen Vertrag zu stornieren.“ Dieser Regelung habe die Familie in den AGB zugestimmt. Die gewonnene Probe werde daher vertragsgemäß wie angekündigt am 26. Januar vernichtet, bestätigte das Leipziger Unternehmen.