Der Euskirchener Unparteiische bestand seine Reifeprüfung im zweiten Kreisliga-A-Einsatz. Lommersum gelingt der erste Saisonsieg im Gemeindederby.
Kreisliga A16-jähriger Schiedsrichter leitete das Topspiel zwischen Sötenich und Dahlem

Hatte gut zu tun: der erst 16-jährige Schiedsrichter Arne Lichtenhagen.
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SV Sötenich – SG Dahlem-Schmidtheim 2:2 (1:1). Das Topspiel des Vierten gegen den Tabellenführer, die erste Pflichtpartie der Heimelf auf ihrem neuen Kunstrasenplatz, die Rückkehr von Dahlem-Schmidtheims Coach Christian Hammes zu seinem Herzensverein – interessante Themen hatte der Rückrundenauftakt in Sötenich ohnehin reichlich zu bieten. Die außergewöhnlichste Geschichte des Tages lieferte allerdings eine andere Personalie: Schiedsrichter des Spitzenvergleichs war nicht wie sonst üblich ein erfahrener Unparteiischer, sondern der erst 16-jährige Arne Lichtenhagen, der bei seinem erst zweiten Kreisliga-A-Auftritt voll gefordert wurde.
Die Ausgangslage: Dahlem hat nur gegen Sötenich verloren
Die Gäste gingen mit einem Sechs-Punkte-Vorsprung auf die Gastgeber in das Duell, waren durch das erste Aufeinandertreffen jedoch vorgewarnt. Zum Saisonauftakt hatte ihnen der SVS die bislang einzige Niederlage beigebracht. Das Hinspiel nährte auch die Hoffnung auf einen torreichen Schlagabtausch. Ende August waren in Schmidtheim sieben Treffer gefallen, wobei insbesondere die Schlussminuten an Dramatik kaum zu überbieten waren.
Die Rahmenbedingungen: Meisterschaftspremiere auf dem Platz
Zur Meisterschaftspremiere auf der noch nicht komplett fertiggestellten, aber spielbereiten Anlage hatten sich deutlich mehr Leute auf den Weg gemacht als zu einem gewöhnlichen Ligaduell. Gut 250 Zuschauer, darunter auch viele ehemalige Sötenicher Fußballer und der frühere Trainer Peter Decker, verliehen dem Spitzenspiel einen angemessenen Rahmen. Obwohl die Gebäude am Spielfeldrand noch auf den finalen Anstrich warten, lässt sich schon jetzt sagen, dass der SVS ein kleines Schmuckstück bekommen hat.
Der Spielverlauf: Die Gäste wurden in der zweiten Halbzeit dominanter
Beide Teams profitierten gleich zu Beginn von katastrophalen Fehlern des Gegners. Der Sötenicher Führung durch den Kopfball von Dennis Jäckel (8.) nach einer Ecke war ein viel zu ungenauer Rückpass vorausgegangen, beim Ausgleich durch die Volleyabnahme von Fabian Thur hatte Lars Knebel im Spielaufbau entscheidend gepatzt (11.). Anschließend gab es vor beiden Toren kaum noch zwingende Aktionen, sodass es mit einem gerechten Unentschieden in die Halbzeit ging.
Der Auftakt in den zweiten Durchgang hätte dann für die Gastgeber nicht besser sein können: Ein Steckpass von Jäckel brachte Jens Knebel auf halbrechts in eine aussichtsreiche Abschlussposition, die der Angreifer mit einem satten Schuss ins rechte Eck perfekt ausnutzte (47.). Dies sollte dann aber für lange Zeit die letzte gelungene Offensivaktion der Sötenicher gewesen sein.

Setzt sich im Zweikampf gegen Lars Knebel durch: Johann Jentges (M.).
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Last-Minute-Jubel der Gäste.
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Die Gäste wurden nun von Minute zu Minute dominanter, was zwei Gründe hatte: Zum einen zeigte der unmittelbar nach dem Rückstand vorgenommene Dreifachwechsel (unter anderem kamen die Angreifer Dominik Vilz und Silvio Ferjani) große Wirkung, zum anderen schwächten sich die Hausherren durch die Ampelkarte gegen Pascal Feyerabend (72.) selbst. Obwohl Dahlem-Schmidtheim gegen Ende immer häufiger im Strafraum des SVS auftauchte, schien der knappe Vorsprung zu halten.
Bis zur fünften Minute der Nachspielzeit, da verlängerte Vilz einen weiten Einwurf per Kopf zu Dino Halilic, der zum umjubelten Ausgleich traf. Der letzte Aufreger war das aber noch nicht. Nach einer Flanke, die Sebastian Etten mit dem Arm abgewehrt haben soll, forderten die Gastgeber vehement Strafstoß, den Schiedsrichter Lichtenhagen jedoch nicht pfiff.
Der Schiedsrichter: Arne Lichtenhagen ohne Assisteten
Zunächst gebührt dem 16-Jährigen ein großes Lob dafür, dass er die Begegnung weitgehend souverän und ohne die Hilfe von Assistenten an der Linie über die Bühne brachte. Natürlich lässt sich über die eine oder andere Szene – besonders das vermeintlich strafbare Handspiel sorgte für viel Diskussionsstoff – und deren Bewertung streiten, doch insgesamt machte der Unparteiische einen guten Job. An der Gelb-Roten Karte gab es bei objektiver Betrachtung nichts zu beanstanden und auch die meisten Zweikämpfe – und von diesen gab es im Verlauf der 90 Minuten nicht wenige – schätzte Lichtenhagen richtig ein.
Stimmen zum Spiel: Verdientes Unentschieden
„Nach durchwachsener Vorbereitung war das eine tolle Leistung von uns. Das Ergebnis ist leistungsgerecht, aber natürlich sehr bitter für uns“, kommentierte Sötenichs Markus Sabel. Kollege Christian Hammes sagte: „In der ersten Hälfte waren wir nicht im Spiel, nach der Pause haben wir es deutlich besser gemacht und uns viele Abschlüsse erarbeitet. Daher ist das 2:2 absolut verdient.“
Der SSV Lommersum tankt mit dem Sieg Selbstvertrauen
SSV Eintracht Lommersum – TuS Vernich 3:2 (2:0). Er kann es also doch noch: Der SSV Eintracht Lommersum hat zum Rückrundenauftakt seinen ersten echten Saisonsieg gefeiert, also auf dem grünen Kunstrasen und nicht am grünen Tisch. Das 3:2 gegen den TuS Vernich, der momentan auch auf einem Abstiegsplatz steht, war ein hartes Stück Arbeit. Aber es war nicht unverdient. Das lag an mehreren Faktoren.
Das Spielglück: Die Latte verhindert den Ausgleichstreffer
Man kann es nicht beweisen, aber: In der Hinrunde wäre der Schuss aus kürzester Distanz durch Vernichs Kian Maximilian Schmitz in der 26. Minute vermutlich nicht an der Latte des Lommersumer Gehäuses gelandet, sondern reingegangen. Schmitz, der in der Halbzeit Wasserflaschen zur Ersatzbank trug, durfte sich von außen die Frotzelei, dass er das besser könne, als Tore zu schießen, anhören, entgegnete aber ebenso frotzelnd, dass er Verteidiger sei und da eher selten Tore schieße. Fakt ist: Es blieb beim 1:0 für Lommersum und stand nicht 1:1.
Die Moral: Die Antwort direkt nach dem Anschlusstreffer
Ein weiterer Faktor: Nach dem durch Vernichs Maurice Platz verwandelten Elfmeter (Torwart Sven Meyer hatte Vernichs pfeilschnellen Stürmer Arber Kryeziu von den Beinen geholt) zum 1:2 (63.) aus Gästesicht ließen die Lommersumer weder die Köpfe hängen noch zeigten sie sich geschockt. Im Gegenteil: Jan-Niklas Runkel schickte direkt nach dem Anstoß den bis dahin zwar gefährlichen, aber glücklosen Joshua Schramm auf die Reise, der postwendend den alten Abstand wieder herstellte (64.).
Der Einsatz: 39-jähriger Witali Rempel als Vorbildcharakter
Nicht nur Kondition wurde bei Lommersum in der Winterpause trainiert. Auch das Teambuilding wurde großgeschrieben. Einmal wöchentlich, so Trainer Sebastian Reisenauer, habe man sich als Mannschaft auch ohne Training getroffen. Und es sollte auch in der Spielweise ein Umdenken stattfinden. „Wir müssen einfache Bälle spielen“, sagte Reisenauer.

Nicht spielentscheidend: Lommersums Keeper Sven Meyer foult im Strafraum Arber Kryeziu, es folgte der Anschlusstreffer zum 1:2.
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Doppeltorschütze Maurice Hergarten (r.) läuft nach dem 1:0 jubelnd zu Vorlagengeber Witali Rempel (Nr. 20) und Lukas Goetz.
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Aus dem Wort „Abstiegskampf“ ist die letzte Silbe die Entscheidende. Und das bewies die Eintracht gegen Vernich. Das musste – halb anerkennend, halb als Beschwerde – auch Gäste-Trainer Georg Wall anerkennen: „Lommersum hat unsere Angriffe mit kleinen Foulspiels unterbunden.“
Exemplarisch für den Einsatzwillen muss man Witali Rempel nennen. Der 39-Jährige wirft sich und seinen für Fußballer nicht mehr jungen Körper in jeden Ball. Unter Schmerzen musste er in der 77. Minute ausgewechselt werden und lag noch lange neben der Seitenlinie, wo er sich dann irgendwann aufrappelte und in die Kabine humpelte. Aber: Rempels Ballgewinn in der eigenen Hälfte, sein Lauf bis in den gegnerischen Strafraum und sein kluger Querpass auf Maurice Hergarten, der locker zum 1:0 einschob (21.) waren der Startpunkt zum Sieg seines Teams.
Und sonst? Vernichs Trainer hadert mit der Abschlussschwäche
Ohne den Sieg schmälern zu wollen: Ob er gegen einen anderen, besseren und weniger ersatzgeschwächten Gegner so eingetroffen wäre, ist fraglich. Vernich hatte zwar einige gute Angriffe, besonders wenn Arber Kryeziu über links geschickt wurde, agierte aber insgesamt zu harmlos. Das ärgerte auch Georg Wall: „Wir haben das Spiel in den ersten 20 Minuten verloren, da hatten wir bestimmt vier Alleingänge auf das Tor.“

Viel lief im Lommersumer Mittelfeld über Lukas Goetz (hier gegen Simon Ratmann), der das 2:0 vorbereitete, eigene Chancen aber leichtfertig vergab.
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Nach dem 2:0 durch Maurice Hergarten, der diesmal per Querpass von Lukas Goetz bedient worden war (45.+2), machte Vernich in der zweiten Halbzeit auf, was dem bis dahin von beiden Seiten nicht unbedingt ansehnlichen Spiel guttat. Dass es sogar noch einmal spannend wurde, lag an einem schwachen Abwehrverhalten der Lommersumer nach einem Eckball. Luc Kajba stand plötzlich mutterseelenallein frei und passte zurück auf Max Wasserschaff, der auf 3:2 verkürzte (83.).
Doch es passierte, auch in der fast zehnminütigen Nachspielzeit, nichts mehr. Lommersums Jubel war riesig.
Lob für Nierfeld nach Niederlage gegen Zülpich von beiden Trainern
TuS Chlodwig Zülpich II – SV SW Nierfeld 6:3 (3:1). Auch wenn die mit neun Treffern torreichste Partie des Spieltages auf dem Papier nach einem klaren Sieg aussieht, finden sowohl Zülpichs Trainer Marc Altendorf als auch sein Nierfelder Kollege Dirk Scheer lobende Worte für den Verlierer. „Nierfeld hat gut dagegengehalten und gut gespielt“, so Altendorf. Scheer sprach davon, dass mit etwas Glück sogar ein Unentschieden hätte herausspringen können, auch wenn der Zülpicher Sieg in Ordnung gehe.
Besonders in der ersten Halbzeit war der Tabellenzweite aber klar überlegen. „Wir waren sehr konzentriert, haben keine Chancen zugelassen und Nierfeld in die eigene Hälfte gedrückt“, so Altendorf. Die Tore von Denis Kutscheruk (4.), Dave Dahlmann (32.) und Lukas Bungart (36./Strafstoß) sind aber offenbar auch dank der Mithilfe von Nierfelds Schlussmann Alican Isitmen gefallen. „Wir haben ohne Torwart gespielt“, urteilte Scheer. Sein Team nutzte den einzigen schläfrigen Moment der Gastgeber zum Anschlusstreffer durch Mory Kaba (45.+2) aus.
Die zweite Halbzeit gestaltete sich offener. Zülpich II fand zunächst nicht ins Spiel zurück. „Wir hatten Riesenlöcher, haben keine Zweikämpfe gewonnen“, bilanzierte Altendorf. Das zweite Nierfelder Tor durch Luca Blaeser (61./Strafstoß) sei verdient gewesen. Erst danach habe sich seine Mannschaft gefangen. Nico Jensen (78.), Marcel Blum (84.) und Fabian Schmitz (90.+3) erzielten die Tore. Erneut Blaeser traf zum zwischenzeitlichen 3:5 (89.).
„Fußballerisch war auf beiden Seiten Luft nach oben“, fand Scheer, der froh ist, dass die ersten verletzten Spieler wieder zurückkommen oder im Aufbautraining sind. „Ab der nächsten Woche geht die Rückrunde für mich erst richtig los – wenn das Spiel in Schöneseiffen denn stattfindet“, so Scheer.
Mechernichs Trainer von Auftritt seines Teams ernüchtert
TuS Mechernich – SSV Golbach 0:4 (0:2). Dass Training und Spiel zwei Paar Schuhe sind, hat Mechernichs Trainer Nico Hohn festgestellt. Die Abschlusseinheit seiner Mannschaft sei von Intensität geprägt gewesen, weshalb er der Partie gegen Golbach optimistisch entgegengesehen habe. Doch der Auftritt seiner Elf sei „umso ernüchternder“ gewesen. „Ich habe Leidenschaft, Engagement und absoluten Willen vermisst. Das sind Eigenschaften, die unabhängig von Taktik und Spielsystem die Grundlagen bilden“, so Hohn.
Kai Müller (22.) und Markus Müller (32.) erzielten die Tore vor der Halbzeitpause. Nach Wiederanpfiff erhöhte Daniel Makarov auf 3:0 (46.), Maurice Gölden erzielte das 4:0 (65.). Wegen einer Unsportlichkeit sah Mechernichs Moritz Zinken die Gelb-Rote Karte (86.).
Die Freude über den Sieg war bei den Golbachern, die die Nähe zum Nichtabstiegsplatz verkürzt haben, groß. „Es war von allen ein überragendes Spiel. Wir standen kompakt, haben den Ball nach vorne gut laufen lassen und uns diesmal auch belohnt. Insgesamt war es ein verdienter Sieg, auch in der Höhe. So muss es weitergehen“, sagte Michael Müller aus dem Trainerteam.
Beide Trainer sprechen von einem gerechten Sieg von FlaKi
SG Flamersheim/Kirchheim – SSV Weilerswist 3:2 (2:0). FlaKi-Coach Marco Markwald und Weilerswists Trainer Frederik Ziburske lobten den jeweils anderen. „Freddy und Oguzhan [Erkaya, Co-Trainer, d. Red.] haben sehr gut gewechselt und uns in Halbzeit zwei vor Probleme gestellt, die wir nicht gut gelöst haben“, sagte Markwald. „Heute waren wir die verdienten Verlierer, man muss auch anerkennen, wenn der Gegner besser war“, fand Ziburske.

Nimmt es gleich mit zwei Gegenspielern auf: Weilerswist Björn Büscher.
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Leon Trichkovski brachte sein Team in Führung (2., 18.). „Wir haben sehr gute 25 Minuten gespielt“, so Markwald. Paul Doppelfeld erhöhte vier Minuten nach Wiederanpfiff. Weilerswist wachte erst spät auf und verkürzte durch Felix Kortholt (58./Elfmeter) und Daouda Coulibaly (65.).
TSV Schönau dreht gegen Sportfreunde DHO erneut das Spiel
DHO – TSV Schönau 2:4 (1:0). Ganz so spektakulär wie im Hinspiel, als Schönau einen 2:5-Rückstand in ein 9:5 verwandelt hatte, war es diesmal nicht. Aber erneut drehte der TSV eine DHO-Führung. „Das Spiel war ein Stück weit sinnbildlich für die bisherige Saison“, sagte DHO-Trainer René Urbach. Nach einem insgesamt sehr guten Spiel habe man sich nicht belohnt.
Besonders die Schlussphase der ersten Halbzeit hatte es in sich. Erst verletzte sich DHO-Spieler Maciej Wojnowski in einem Zweikampf so schwer, dass er mit einem Krankenwagen abtransportiert werden musste (35.). Dann erzielte Aziz Neziri die Führung (38.) für die Gastgeber. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte sah Heimspieler Dominik Wesling, offenbar wegen einer Tätlichkeit, die Rote Karte. „Ich gehe fest davon aus, dass wir das Spiel in Gleichzahl gewonnen hätten“, sagte Urbach. Sein Gegenüber Gerrit Ueckert meinte: „Die Rote Karte kam uns entgegen.“
Tim Breuer glich nach Wiederanpfiff aus (50.). „Ein Geschenk nach einem Kommunikationsfehler“, so Urbach. Sefer Hoxhaj stellte die alte Differenz per Freistoß wieder her (68.). Am Ende verließen DHO aber die Kräfte. Breuer glich aus (80.), in der Nachspielzeit trafen Tom Neukirch (90.+2) und Fabian Di Stefano (90.+7). „Ein Arbeitssieg“, bilanzierte Gerrit Ueckert.
Die Partie zwischen dem SV Frauenberg und dem SV Schöneseiffen musste wegen Unbespielbarkeit des Rasenplatzes in Frauenberg verlegt werden und wird am Karsamstag nachgeholt.


