Bei Marmagen-Nettersheim setzen die Verantwortlichen besonders auf den Nachwuchs. Die Sportfreunde schrieben vor zehn Jahren Geschichte.
VolleyballFrida Pelzer von Marmagen-Nettersheim ist nun U14-Nationalspielerin

Die 13-jährige Frida Pelzer spielt für die Sportfreunde 69, ist nun Nationalspielerin und liebt Beachvolleyball.
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Vor zehn Jahren begann bei den Sportfreunden 69 Marmagen-Nettersheim die Zukunft. 2016 schafften die Volleyballerinnen um Judith Pelzer sportlich den Klassenerhalt in der 2. Liga, verzichteten aber auf einen Startplatz und begannen wieder in den Niederungen. Ein Schritt zurück, der sich nun auszahlt, weil die Expertise einiger ehemaliger Spielerinnen längst in den Nachwuchs gesteckt wird und die Sportfreunde zwar noch nicht auf dem Weg in die Bundesliga sind, aber auf Landesliga-Ebene für Furore sorgen wollen. Geht es nach Manfred Poth, Vorsitzender des Vereins, ist das nur eine Zwischenstation. Mannschaftsintern spricht man zunächst einmal von „etablieren“ als Saisonziel.
Die Sportfreunde werden nicht nur ein Frauenteam in der Landesliga stellen, sondern auch eins in der Bezirksklasse. Da werden vor allem Nachwuchsathletinnen an den Start gehen und Spielpraxis im Seniorenbereich sammeln. Und talentierte Spielerinnen haben die Sportfreunde 69 mittlerweile wieder einige.
Allen voran Frida Pelzer, die seit einigen Tagen U14-Nationalspielerin ist. Die 13-Jährige gehörte beim Lehrgang in Berlin zu lediglich fünf Mädchen aus NRW. Mit Bundes- und Landestrainern standen zahlreiche Trainingseinheiten an, zudem sportwissenschaftliche und leistungsdiagnostische Tests. Technik, Athletik, Koordination und körperliche Voraussetzungen wurden ebenso unter die Lupe genommen wie die Fähigkeiten im Beachvolleyball.
Fünf Spielerinnen fahren regelmäßig zum Training nach Leverkusen
Für die Schülerin des Hermann-Josef-Kollegs Steinfeld, die für die Teilnahme mehrere Tage vom Unterricht freigestellt wurde, war die Einladung der bisherige Höhepunkt einer beeindruckenden Entwicklung. Und sie ist zugleich ein Beispiel dafür, was sich derzeit in der Volleyballabteilung der SG tut.
Denn Frida Pelzer ist nicht das einzige Nachwuchstalent aus der Eifel, das überregional auf sich aufmerksam macht. Gleich fünf Spielerinnen der Jahrgänge 2012 und 2013 wurden nach der vergangenen Saison vom leistungsorientierten Jugendbereich des TSV Bayer 04 Leverkusen angesprochen. Neben Frida Pelzer nehmen ihre Schwester Edda Pelzer sowie Maja Lautwein, Maxi Esser und Frieda Ewers regelmäßig den weiten Weg nach Leverkusen auf sich. Dort trainieren sie mit weiteren Talenten aus dem Rheinland. Das Ziel ist ambitioniert: Mit der neu zusammengestellten Mannschaft soll zunächst die westdeutsche Meisterschaft erreicht werden. Im besten Fall führt der Weg anschließend bis zur deutschen Meisterschaft.

Olympia-Teilnehmerin Judith Pelzer (r.) gibt iht Wissen nun an den Nachwuchs der Sportfreunde weiter.
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Ihrem Heimatverein bleiben die fünf Spielerinnen erhalten. Sie laufen weiterhin für die SG 69 auf und sollen dort Schritt für Schritt an den Erwachsenenbereich herangeführt werden. „Genau diese Durchlässigkeit zwischen Jugend sowie erster und zweiter Damenmannschaft ist zu einem wichtigen Baustein der Nachwuchsarbeit geworden“, sagt Jugendtrainerin Judith Pelzer.
Im Sommer wurde erstmals Beachvolleyball angeboten
Dass sich die jungen Volleyballerinnen so rasant entwickeln, liegt nicht nur an den Einheiten in der Halle. In diesem Sommer wurde bei der SG 69 erstmals über einen längeren Zeitraum gezielt Beachvolleyball angeboten. Zwölf Wochen arbeitete ein professioneller Beachvolleyballtrainer mit den Nachwuchsspielerinnen. Das Angebot entwickelte schnell eine Eigendynamik. Die Mädchen verabredeten sich zusätzlich zum Spielen und meldeten sich eigenständig zu Turnieren an. Die Auswirkungen waren auch in der Halle spürbar. Beim Beachvolleyball sind die Spielerinnen permanent gefordert: Jede muss annehmen, zuspielen, angreifen und verteidigen. Die Zahl der Ballkontakte ist hoch, Entscheidungen müssen selbstständig getroffen werden.
Wie erfolgreich das sein kann, zeigen die Ergebnisse dieses Sommers. Frieda Ewers und Edda Pelzer qualifizierten sich gleich in ihrer ersten gemeinsamen Beachvolleyball-Saison für die Westdeutsche Meisterschaft der Jahrgänge 2013 und jünger in Essen. Dort sorgten sie zum Auftakt für eine Überraschung und gewannen gegen ein favorisiertes Duo mit 2:0. Anschließend trafen sie auf die späteren Westdeutschen Meisterinnen und hielten insbesondere im zweiten Satz gut dagegen. Der Sprung ins Viertelfinale wurde nur knapp verpasst. Nach einem 7:15 im ersten Satz ihres entscheidenden Spiels kämpften sich Ewers und Pelzer mit einem 15:8 zurück. Im Entscheidungssatz unterlagen sie mit 11:15. Am Ende belegten sie im Feld der besten Teams Nordrhein-Westfalens Rang elf.
Auch Frida Pelzer machte im Sand auf sich aufmerksam. Mit Laura Jochens von Bayer Leverkusen erreichte sie bei einem hochkarätig besetzten U15-Turnier am Timmendorfer Strand den vierten Platz. Das Turnier gilt als eine Art inoffizielle deutsche Meisterschaft dieser Altersklasse. Bemerkenswert: Die beiden Nachwuchsvolleyballerinnen hatten zuvor noch nie gemeinsam ein Turnier bestritten und lediglich einmal zusammen trainiert. Dennoch gewannen sie ihre Gruppe. Sowohl im Halbfinale gegen ein Team aus Brandenburg als auch im Spiel um Platz drei gegen ein Duo des USC Münster mussten sie sich erst nach drei Sätzen geschlagen geben.
Die Sportfreunde 69 sind stolz auf die Entwicklung der Volleyballerinnen
Die Erfolge der Nachwuchsspielerinnen sind für die SG 69 mehr als erfreuliche Einzelergebnisse. Sie sind auch eine Bestätigung der Arbeit, die seit Jahren geleistet wird. Trainerinnen investieren zahlreiche Stunden in Training, Spieltage und Turniere. Gleichzeitig bringen die jungen Spielerinnen eine hohe Motivation mit und nutzen zusätzliche Trainingsmöglichkeiten.
Dass inzwischen gleich fünf Talente zusätzlich bei Bayer Leverkusen gefördert werden und eine 13-Jährige zur bundesweiten Sichtung eingeladen wird, ist für einen vergleichsweise kleinen Verein alles andere als alltäglich. „Das macht den Verein unheimlich stolz. Und es zeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind“, sagt Vereinschef Manfred Poth. Dass sich neben Pelzer mit Julia Schröder und Daniela Pauls zwei weitere ehemalige Zweitliga-Spielerinnen nach dem Karriereende für den Verein im Vorstand engagieren, zeige ihm, dass man nicht viel falsch gemacht haben könne.
Was die Euphorie ein wenig bremst, ist die Hallensituation. Die Nutzung der Sporthalle in der ehemaligen Eifelhöhen-Klinik ist immer mit einem Fragezeichen behaftet. Und die anderen Hallen sind schnell zu klein. Aktuell weichen die Volleyballerinnen wieder nach Urft ins Haus Dalbenden aus. Das ist wiederum mit Kosten für den Verein verbunden.
„Die Hallensituation ist unbefriedigend. Natürlich wünschen wir uns eine große Halle“, sagt Judith Pelzer – auch mit Blick auf die insgesamt rund 1200 Vereinsmitglieder. Eine solche Halle käme dem gesamten Verein zugute.
Derby zum Auftakt in der Bezirksliga
Die Sportfreunde 69 haben in der Landesliga am Sonntag (12 Uhr) in der ehemaligen Eifelhöhen-Klinik die TuRa Monschau zu Gast. In der Bezirksliga der Frauen kommt es am ersten Spieltag gleich zu einem Derby – und das in Hennef. Der TV Stotzheim und der TSV Blankenheim treffen am Samstag in der Gesamtschule Hennef-West aufeinander.
In der Bezirksklasse IV startet die Reserve der Sportfreunde 69 mit dem Duell gegen BW Königsdorf in die Spielzeit. Das Spiel findet am Samstag um 15 Uhr in der Turnhalle an der Kirche in Marmagen statt. In der Bezirksklasse der Herren sind der TSV Blankenheim und der TuS Vernich vertreten. Der TuS startet am Samstag gegen Vorgebirge. Das Derby steht am 31. Oktober um 14 Uhr in der Weilerswister Erft-Swist-Halle auf dem Programm. Das Rückspiel ist auf den 13. Februar in Blankenheim terminiert.
