Der 16-jährige Schiedsrichter Arne Lichtenhagen aus Euskirchen wird längst bei den Senioren eingesetzt und ist im FVM-Förderkader.
Schiedsrichter aus Euskirchen„Aytekin ist einfach beeindruckend“

Der junge Schiedsrichter legt Wert auf eine gute Kommunikation, hier spricht er mit Dahlem-Schmidtheims Trainer Christian Hammes.
Copyright: Markus Brackhagen
Nicht viele Schiedsrichter können von sich behaupten, bereits im zarten Alter von 16 Jahren ein Fußballspiel im Seniorenbereich geleitet zu haben. Arne Lichtenhagen aus Euskirchen hat diese verantwortungsvolle Aufgabe in der laufenden Saison gleich mehrfach erfolgreich hinter sich gebracht. Vor wenigen Wochen pfiff er das Kreisliga-A-Topduell zwischen dem SV Sötenich und der SG Dahlem-Schmidtheim – ohne dass die meisten Zuschauer überhaupt Notiz davon nahmen, dass auf dem Feld ein Teenager für die Einhaltung der Regeln zuständig war.
Ein Beleg für die Präsenz und Autorität, die der Gymnasiast, der die Marienschule besucht, schon jetzt ausstrahlt. Es gibt deshalb einige Kollegen, die Lichtenhagen durchaus zutrauen, irgendwann vielleicht in die Fußstapfen eines Georg Dardenne oder Thomas Metzen (ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter aus der Region, Anm. d. Red.) zu treten.
Der Vater war Vorbild, pfeift aber selbst nicht mehr
Wann bist du auf die Idee gekommen, Schiedsrichter zu werden?
Arne Lichtenhagen: Das war vor etwa vier Jahren, nachdem mein Vater den Schein gemacht hatte. Ich bin zu seinen ersten Spielen mitgefahren und fand es beim Zuschauen ganz cool, was er da gemacht hat. Ein halbes Jahr später habe ich dann auch einen Lehrgang absolviert.
Dein Vater pfeift mittlerweile nicht mehr. Hat er sein Hobby für den talentierten Sohn aufgegeben?
Das war nicht der einzige Grund. Er hat aufgehört, weil es insgesamt zeitlich nicht mehr gepasst hat. Das hängt auch mit meinem kleinen Bruder zusammen, der beim TV Palmersheim Handball spielt. Mein Vater und meine Mutter unterstützen uns beide enorm, indem sie uns regelmäßig fahren. Für ihre gute Organisation bin ich ihnen sehr dankbar.
Sowohl ich als auch die Spieler sind nicht frei von Fehlern.
Was reizt dich an der Schiedsrichtertätigkeit?
In erster Linie macht es einfach großen Spaß. Wenn man wie ich auch noch in einem Gespann (als Assistent in der Landesliga mit Philipp Maurice Kleber, Anm. d. Red.) ist, ist man sehr viel mit netten Menschen unterwegs. Außerdem bietet der Sport großes Potenzial für die Persönlichkeitsentwicklung, man lernt sich zu behaupten.
Dies gelingt dir auf dem Platz bereits ziemlich gut. Wie würdest du dich als Referee beschreiben?
Ich versuche, ordentlich mit den Spielern umzugehen, meine Entscheidungen zu erklären, und erhoffe mir dadurch, dass der Respekt auf Gegenseitigkeit beruht. Denn sowohl ich als auch die Spieler sind nicht frei von Fehlern. Das Wichtigste ist für mich, unter dem Strich immer mein Bestes gegeben zu haben.
Mittelweg aus offener Kommunikation und bestimmtem Auftreten
Wie sind die Senioren in der Kreisliga damit umgegangen, dass ein 16-Jähriger pfeift?
Ich bin mir gar so nicht sicher, ob sie gewusst haben, dass der Schiedsrichter der Jüngste auf dem Platz ist. Ich fand das Verhalten der Spieler ganz normal, weil sie grundsätzlich austesten, wie weit sie gehen können. Auf jeden Fall hat sich niemand wegen meines Alters zurückgenommen.

Steht im Förderkader des FVM: Arne Lichtenhagen.
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Sein Vater brachte ihn auf die Idee, Schiedsrichter zu werden.
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Worin liegt die größte Schwierigkeit für einen Spielleiter?
Man muss einen Mittelweg zwischen einer offenen Kommunikation und einem bestimmten Auftreten finden. Nicht nur das Regelwerk sollte man beherrschen, sondern auch das richtige Timing spielt bei den Entscheidungen eine wichtige Rolle. Wann ermahne ich einen Spieler und wie trete ich dabei auf? Und in welchem Fall ist eine Verwarnung angebracht?
Arne Lichtenhagen unterstützt bei Schiedsrichter-Weiterbildungen
Du bist nicht nur selbst Schiedsrichter, sondern unterstützt auch deine Kollegen im Fußballkreis bei den monatlichen Weiterbildungen. Was ist deine Motivation?
Es macht mir einfach Spaß, mein Wissen an andere weiterzugeben und ihnen zu helfen. Weil ich im Förderkader des FVM bin, bekomme ich durch meine eigenen Lehrgänge viel Input. Da sind auch Tipps und Tricks dabei, die meine Kollegen ansonsten wahrscheinlich nicht erhalten würden.
Stichwort Förderkader: Was bedeutet das konkret?
Im Förderkader stehen aktuell sieben Schiedsrichter, die viermal pro Jahr einen speziellen Lehrgang – meist in der Sportschule Hennef – absolvieren. Zusätzlich fahren wir im Sommer wieder als Gruppe zu einem großen Jugendturnier nach Dänemark. Interessant war auch, als wir vor kurzem das VAR-Center in Köln besucht haben.
Grundsätzlich macht der VAR das Spiel meiner Meinung nach fairer.
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Am selben Tag lief auch der Spielbetrieb der ersten und zweiten Bundesliga. Wir waren allerdings am Vormittag da, um die Abläufe und die Vorbereitung der eingesetzten Schiedsrichter nicht zu stören. Frederick Assmuth (DFB-Schiedsrichter seit 2005, der als Videoassistent eingesetzt wird, Anm. d. Red.) hat uns aber einen umfassenden Einblick in seine Arbeit gegeben, und wir durften dann auch selbst mal VAR spielen. Das Gerücht, dass dort Leute mit der Chipstüte vor dem Monitor sitzen, stimmt übrigens nicht. (lacht)
Wie stehst du zum VAR? Hat der Schiedsrichter auf dem Platz nicht an Einfluss verloren?
Grundsätzlich macht der VAR das Spiel meiner Meinung nach fairer. Wenn ein Spieler zwei Zentimeter im Abseits steht, dann ist es objektiv abseits. Die zahlreichen Diskussionen hängen nicht zuletzt davon ab, ob man die Fan-Brille aufhat oder eine neutrale Betrachtungsweise einnimmt. Ich denke schon, dass der Schiedsrichter etwas an Einfluss verloren hat, allerdings überwiegt der Mehrwert des VAR.
Deniz Aytekin ist Arne Lichtenhagens Vorbild aus der Bundesliga
Hast du ein Vorbild in der Bundesliga?
Wenn man ein wenig ambitioniert ist, sollte man sich an Deniz Aytekin orientieren. Ich finde seinen Umgang mit den Profis einfach beeindruckend.
Welche persönlichen Ziele verfolgst du?
Zunächst möchte ich nach meinem 18. Geburtstag sehr gerne in den Perspektivkader des FVM bei den Senioren kommen. Natürlich ist es dann ein Traum, irgendwann Bundesliga-Schiedsrichter zu werden.

