Der 37-jährige Dresdner führte den 1. FC Köln zum Klassenerhalt, wenngleich die Mannschaft im Saisonfinale auch enttäuschte.
Vertrag unterschriebenRené Wagner bleibt Trainer des 1. FC Köln

Thomas Kessler (l.) hat René Wagners Vertrag angepasst – der 1. FC Köln geht mit dem 37-Jährigen als Cheftrainer in die neue Saison.
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René Wagner bleibt Trainer des 1. FC Köln. Der 37-Jährige unterschrieb in dieser Woche einen Vertrag als Cheftrainer, nachdem er den Posten nach dem 27. Spieltag von Lukas Kwasniok übernommen hatte. Zwar hatte Wagner aus den verbleibenden sieben Partien nur noch sechs Punkte geholt und damit sogar den Punkteschnitt seines Vorgängers unterboten. Allerdings den Klassenerhalt und damit das Saisonziel bereits am 33. Spieltag gesichert. Der FC hatte letztlich mit der Ausbeute von 32 Punkten aus 34 Bundesligaspielen die Klasse gehalten. „Dass 32 Punkte nicht der Maßstab sein sollten, ist jedem klar“, hatte Kapitän Marvin Schwäbe nach dem letzten Saisonspiel gesagt und klar formuliert, dass er weniger eine Veränderung auf der Trainerposition als aufseiten der Mannschaft nötig finde: Es gehe nun darum, „für die nächste Saison wieder eine schlagfertige Truppe zusammenzubekommen, um ein paar Punkte mehr zu haben“, sagte der Torwart.
Vor allem im letzten Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim hatten die Kölner enttäuscht und zum Abschluss beim 1:5 in München eine echte Klatsche erlitten – wenngleich nicht viel dazu gehört, in der Allianz-Arena hoch zu verlieren. Doch Sportgeschäftsführer Thomas Kessler machte seine Beurteilung des Trainers nicht von den Resultaten der finalen Spiele abhängig. Stattdessen zählten für den 40-Jährigen vor allem Fleiß und Kompetenz des gebürtigen Dresdners. Und die Tatsache, dass Wagner im Verein seit längerer Zeit bekannt ist.
Wagner hatte bereits als Steffen Baumgarts Co-Trainer zweieinhalb Jahre in Köln gearbeitet und war anschließend mit Baumgart zunächst zum Hamburger SV und später zu Union Berlin gewechselt. Im vergangenen Sommer hatte sich Wagner initiativ beim FC beworben und anschließend Lukas Kwasnioks Trainerstab ergänzt. Allerdings sind Wagner und Kwasniok derart unterschiedliche Persönlichkeiten, dass aus der Zusammenarbeit keine tiefere Verbindung entstand. Im Gegenteil schien Wagner im März der ideale Nachfolger, um einer verunsicherten Mannschaft wieder zu innerer Stabilität zu verhelfen.
Kessler hatte Wagners Tauglichkeit als Cheftrainer bereits beim ersten Kölner Engagement wahrgenommen, im vergangenen Sommer allerdings nicht damit gerechnet, Kwasniok derart schnell ersetzen zu müssen. Doch das Verhältnis zwischen Wagner und der Mannschaft war mindestens unbelastet. So gelang es dem Trainer, eine Geschlossenheit wiederherzustellen, die unter Kwasniok verloren gegangen war.

René Wagner folgte nach dem 3:3 am 27. Spieltag im Derby gegen Borussia Mönchengladbach auf Lukas Kwasniok.
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Allerdings hätten sich die Verantwortlichen gewünscht, dass Wagner und die Mannschaft besser punkten und man nicht gegen eine trotz des Klassenerhalts unzufriedene Stimmung im Verein angehen muss. Wagner reitet nun nicht auf einer Welle des Erfolgs und der breiten Zustimmung ins Amt, doch die Analyse des Kölner Fußballs unter Wagner haben gezeigt, dass die Kölner spielinhaltlich eine positive Entwicklung vollzogen haben, heißt es aus dem Geißbockheim. Die Abstimmung in den Gremien sei einstimmig erfolgt, zumindest intern gibt es keine Widerstände gegen Wagner.
Der Fußball als Spiel der Zufälle mit seinen Dynamiken, die sich jeder Vorhersage und Messbarkeit entziehen, ist kaum in Daten darzustellen, doch gibt es anerkannte Methoden, um sich der Qualität einer Mannschaftsleistung zu nähern. Der sogenannte Expected-Goals-Wert zum Beispiel, kurz xG, berechnet anhand von Position, Winkel und Vorlageart die statistische Torwahrscheinlichkeit eines Schusses. Beim 1. FC Köln war dieser Wert in den sieben Partien unter Wagner konstant hoch: Hinter dem FC Bayern, Bayer 04 Leverkusen, Mainz 05 und RB Leipzig erzielten die Kölner in den letzten sieben Saisonspielen den fünfthöchsten Wert der Bundesliga. Gewonnen hat die Mannschaft trotz hochwertiger Chancen am Ende jedoch kaum noch.
Dass 32 Punkte nicht der Maßstab sein sollten, ist jedem klar
Der Grund dürfte weniger taktisch als mental gewesen sein, vor allem in den beiden letzten Spielen, die 1:3 und 1:5 verloren gingen: Das Saisonziel war erreicht, der Druck weg. Was fehlte, war kollektiver Wille: die Bereitschaft, nach Ballverlust sofort zurückzulaufen, Standards zu verteidigen und Chancen mit letzter Konsequenz abzuschließen. Das erfasst keine Statistik. Die Tabelle schon.
Dass Wagner angesichts dieser Erkenntnisse bleiben darf, deutet darauf hin, dass die Ursachen für das enttäuschende Finale eher seitens der Mannschaft vermutet werden, nicht beim Trainerstab. Das bedeutet auch, dass die Kölner nun rasch die Kaderplanung für die neue Saison aufnehmen werden. Spieler, von denen man sich in den abschließenden Saisonspielen im Stich gelassen fühlte, werden nun kaum darauf hoffen können, unter einem neuen Cheftrainer weitere Chancen zu erhalten.
Toppmöller auf der Liste
Damit bleibt es bei der internen Lösung auf der Trainerposition. Thomas Kessler und seine Mitarbeiter in der Sportlichen Leitung hatten zuletzt den Markt sondiert und erste Kontakte zu Trainern und deren Beratern aufgenommen. Dadurch wurden rund um den 1. FC Köln zwangsläufig Namen gespielt. Etwa Dino Toppmöller: Seit seinem Aus bei Eintracht Frankfurt ist er ohne Klub, und angesichts der Vita des 45-Jährigen muss sich ein Verein wie Köln mit ihm befassen.
Schon deshalb war es den Verantwortlichen wichtig, schnell Klarheit zu schaffen – auch um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, Wagner sei eine Verlegenheitswahl. Mit dem 37-jährigen Trainer René Wagner und dem 40-jährigen Sportchef Thomas Kessler haben die Kölner nun eine sportliche Führung, die mehr Zukunft als Vergangenheit hat. Ihr steht ein anspruchsvoller Transfersommer bevor.

