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AusstellungHäftlinge führen durch Anne-Frank-Ausstellung in der JVA Euskirchen

Die Wanderausstellung „Lasst mich ich selbst sein“ ist noch bis zum 4. November zu sehen.

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Der Integrationsbeauftragte Werner Bermel präsentiert die Anne-Frank-Ausstellung in der JVA Euskirchen.

Volle drei Jahre lang hatte der Integrationsbeauftragte der Justizvollzugsanstalt Euskirchen, Werner Bermel, darum gekämpft, eine Anne-Frank-Ausstellung präsentieren zu dürfen. Nun wurden seine Bemühungen endlich belohnt. Unter dem Titel „Lasst mich ich selbst sein“ ist die gemeinsam vom Anne-Frank-Zentrum in Berlin und dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam entwickelte Wanderausstellung derzeit in der JVA zu sehen. Zahlreiche Infotafeln mit privaten Fotos der Familie von Anne Frank geben einen Einblick in das Leben von früher Jugend über die Flucht in die Niederlande bis zur Deportation. Auch ein interaktiver Part, der Themen wie Antisemitismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung damals wie heute zum Inhalt hat, ist Teil der Ausstellung.

Anne-Frank-Tagebuch war Pflicht für die Peer Guides

„Das Projekt ist eine gute Gelegenheit, Menschen hier in der JVA an diese Themen heranzuführen, ihnen politische Bildung, die deutsche Identität und Geschichte näherzubringen“, so Bermel. Denn die Besucherinnen und Besucher werden von Inhaftierten, die zuvor in einem zweitägigen Kurs zu sogenannten „Peer Guides“ ausgebildet wurden, in kleinen Gruppen durch die Ausstellung begleitet. „Sieben Personen haben sich bei mir gemeldet, die diese Aufgabe gerne übernehmen würden. Das hat mich sehr gefreut, denn ich bin der Meinung, dass eine solche Botschaft nur dann entsprechend übermittelt werden kann, wenn man sich freiwillig und nicht aus einem Zwang heraus damit beschäftigt“, betonte der Integrationsbeauftragte. Im Vorfeld mussten die Peer Guides das berühmte Tagebuch der Anne Frank lesen. Dessen Inhalt und das Thema der Ausstellung wurden miteinander verknüpft. „Die Vorbereitung hatte auch einen pädagogischen Aspekt. Unsere Guides haben gelernt, wie sie auf Schüler und Erwachsene eingehen und wie sie Themen altersgerecht rüberbringen können“, so Bermel.

Zu den Personen, die sich als Peer Guides zur Verfügung gestellt haben, zählt auch Mo, der bereits zwei Gruppen durch die Anne-Frank-Ausstellung begleitet hat. „Das alles ist aktueller denn je. Darum haben wir uns freiwillig gemeldet, um uns mit diesem bewegenden Thema zu befassen und es an die Besucher der Ausstellung weiterzugeben“, sagt er. Viele Ereignisse in der Gesellschaft und der Politik seien derzeit erschreckend und ein wichtiger Aspekt dafür, die Inhalte dieser Geschichte wieder stärker in Erinnerung zu rufen. „In Deutschland aber auch Europa erleben wir derzeit einen Rechtsruck. Darum wollen wir die Gelegenheit nutzen und erklären, wie es damals abgelaufen ist, wie es überhaupt dazu kommen konnte und wie es uns heute wieder einholt.“

Alltagsdiskriminierung ist Thema.

Im Wechsel zwischen den persönlichen Erlebnissen von Anne Frank und den allgemeinen Entwicklungen unter dem Nazi-Regime erzählen die Schautafeln eine bewegende Geschichte zwischen Verzweiflung, aufkeimender Hoffnung und ihrer Zerschlagung. Dabei können die Gäste der Ausstellung bei ihrem Rundgang auch selbst aktiv werden. „Am Ende waren es 2000 Gesetze, die jeden Handgriff im Alltag der Juden bestimmten“, erklärte Werner Bermel. „Zum Abschluss der Ausstellung fragen wir unsere Besucher, wie sie sich selbst fühlen würden, wenn diese Gesetze für sie gelten würden. Auch Alltagsdiskriminierung wird in diesem Zusammenhang thematisiert. Dabei machen wir darauf aufmerksam, dass man sich selbst und sein Umfeld viel häufiger hinterfragen sollte, warum wir bestimmte Begriffe nutzen oder Aussagen tätigen, und wie sie andere Menschen verletzen könnten.“

Bis Mittwoch, 4. November, kann die Anne-Frank-Ausstellung montags bis donnerstags von 9 bis 10.30 Uhr und 13 bis 14.30 Uhr sowie am Freitag zwischen 17 und 18.30 Uhr in der JVA Euskirchen, Kölner Straße 250, besichtigt werden. Für einen Besuch wird eine Anmeldung per E-Mail benötigt.

Anmeldung@JVA-Euskirchen.NRW.de