Bevölkerungsschutz in Tansania
Tansania ist von einem flächendeckenden und funktionierenden Bevölkerungsschutz noch viele Jahre entfernt: Die Ausstattung der Feuerwehr sowohl mit Personal als auch mit Fahrzeugen und Ausrüstung ist bei weitem nicht ausreichend, der Ausbildungsstand aller Feuerwehrleute ist sehr niedrig beziehungsweise noch gar nicht vorhanden. Allein die Zuständigkeitsbereiche der dortigen Feuerwehren sind aus hiesiger Sicht kaum zu verstehen. „In Tansania sind es in der Regel mehr als 100 Kilometer von einer Wache bis zur nächsten“, berichtet Ramona Hammes von der Löscheinheit Wolfert-Sieberath, die bereits dreimal mit der European Fire & Rescue Support Association (EFRSA) in Afrika war. Das macht den Wissenstransfer umso notwendiger.
Die Arbeit der EFRSA
Seit zehn Jahren besteht die Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, am Aufbau des Feuerwehr- und Rettungswesens in Ostafrika, besonders in Kenia und Tansania, mitzuarbeiten. Vor allem geht es dabei um Hilfe zur Selbsthilfe. So werden die örtlichen Feuerwehrleute von den Trainern der EFRSA ausgebildet und Konzepte für einen möglichst effektiven Bevölkerungsschutz erarbeitet.
Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Region Kagera in Tansania, aus der auch Gregory Gody Kinyunyu kommt. Er arbeitet seit 2022 als Feuerwehrmann in Biharamulo in der tansanischen Region Kagera. In den Jahren 2025 und 2026 nahm er an Ausbildungsprogrammen der EFRSA teil und qualifizierte sich für das internationale Hospitationsprogramm „Team works!“ des Deutsch-Afrikanischen Jugendwerks.

Rettungsübung an einer Schule.
Copyright: EFRSA/Ramona Hammes
Die Wachen in Tansania seien zwar rund um die Uhr mit Vollzeitkräften besetzt, die in 24-Stunden-Schichten arbeiten – große mit vier bis sechs Feuerwehrleuten, kleine mit zwei bis drei. Doch es mangele an Ausrüstung und Fahrzeugen. Auch in diesem Punkt unterstützt die EFRSA die örtlichen Einheiten, indem sie Fahrzeuge und die notwendige Ausstattung beschafft und nach Ostafrika verschifft.
Ein Fahrzeug für fast 150.000 Menschen
Die Probleme seien jedoch vielfältig, berichtet Hammes. So gebe es in Bukoba mit seinen fast 150.000 Einwohnern gerade mal ein Fahrzeug, sodass zwei Einsätze gleichzeitig nicht möglich seien. Die Stadt liegt direkt am Victoriasee, die Nichtschwimmerquote ist hoch. „Allein, als wir in diesem Frühjahr vor Ort waren, sind zwei oder drei Tote aus dem See gezogen worden“, berichtet Hammes. Gekocht werde oft mit Gasflaschen, die auch ein Gefahrenpotenzial bergen, gerade im eng bebauten innerstädtischen Bereich mit Schulen und Krankenhäusern in der Nachbarschaft.
Außerhalb der Innenstadt geht es ins Hochland, die Hänge sind terrassiert bebaut, in der Regel mit einfachen Häusern und ohne Sicherungsmaßnahmen. Bei starken Regenfällen, die in der Region häufig sind, kann es zu Abrutschungen und Felsstürzen kommen. „Als wir da waren, ist solch eine Abrutschung in zwei Häuser gegangen“, so Hammes: Vier tote Kinder waren die Folge. „Es gibt Unfälle, Brände, und sie müssen es irgendwie bewältigen“, sagt sie. Auch sei noch viel Kommunikation nötig, da noch nicht allgemein bekannt sei, dass der Einsatz der Feuerwehr kostenfrei sei.
„Bis ein System installiert ist, das nur im Ansatz mit unserem vergleichbar ist, wird es Jahrzehnte dauern“, stellt Hammes klar. Daher werde es bei der Arbeit auch um Konzepte gehen, den Bevölkerungsschutz in die Breite zu bringen. Das Training der deutschen Feuerwehrleute mit den Kollegen in Tansania setzt bei den Grundlagen der Brandbekämpfung an: Schläuche ausrollen und verbinden, Wasserversorgung aufbauen und einen Löschangriff in einem Trupp realisieren. Über die ersten Schritte geht es dann zu einer komplexen Lage wie einem Innenangriff. Ähnliches gilt für Einsätze bei der Technischen Hilfeleistung bei Unfällen oder bei Erster Hilfe.

