Es sirrt lautstark, wenn die feuerwehrrote Drohne im Eiltempo vom Boden abhebt und in der Luft über Hollerath ihre Kreise zieht. Eigentlich fehlt ihr nur noch ein Blaulicht, aber wer sollte ihr hier oben, 60 Meter über dem Boden, die freie Fahrt verwehren? Mit einem Blick in den Himmel kontrolliert Gregor Becker von der Löscheinheit Hollerath-Ramscheid, dass nicht nur auf dem Display alles in Ordnung ist. Doch seine Aufmerksamkeit gilt nicht nur der Feuerwehrdrohne der Gemeinde Hellenthal, sondern auch dem jungen Mann, der neben ihm steht.
Die Vermittlung von Erfahrung und Wissen steht im Vordergrund des Besuches von Gregory Gody Kinyunyu aus Tansania. Denn der Feuerwehrmann aus Biharamulo in der Region Kagera im Nordwesten des afrikanischen Staates ist nicht in der Eifel, um darüber zu staunen, wie toll hier Brandbekämpfung gehandhabt wird. Das, was Kinyunyu bei seinem Aufenthalt in Deutschland lernt, ist Rüstzeug für den 26-Jährigen, um in seiner Heimat den Bevölkerungsschutz aktiv weiterzuentwickeln.
Sechs Wochen Hospitation in Deutschland
Dass Kinyunyu nun in Deutschland seine Kenntnisse als Feuerwehrmann vertiefen kann, ist dem Deutsch-Afrikanischen Jugendwerk zu verdanken, das mit dem Programm „Team works!“ jungen Fachkräften eine Hospitation in Deutschland ermöglicht. Seit dem 17. Oktober ist er für sechs Wochen in Deutschland. Zuerst hat er in der Stadt Bramsche bei Till Kramer die Arbeit der Feuerwehr in einer kleineren Stadt kennengelernt. Die Arbeit der Feuerwehr im ländlichen Bereich wurde ihm in der Gemeinde Hellenthal gezeigt.
Die ganzheitliche Disposition der Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst erlebte er auf Einladung des Kreises Euskirchen zunächst aber in der Rettungsleitstelle in Euskirchen – in Tansania werden Notrufe direkt an die Feuerwache geleitet, für Ambulanzen gibt es eine andere Nummer. Die Zusammenarbeit der verschiedenen „Blaulicht-Organisationen“ vermittelten unter anderem Besuche im DRK-Zentrum Euskirchen und beim THW in Schleiden.
Besuch in der Leitstelle des Kreises Euskirchen
Wie funktioniert eine Leitstelle in Deutschland? Wie werden Notrufe entgegengenommen und Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst koordiniert? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielt Kinyunyu beim Besuch der Leitstelle des Kreises Euskirchen. Begleitet wurde er von Ramona Hammes, die bei der Freiwilligen Feuerwehr Hellenthal auch in der Nachwuchs-Ausbildung aktiv ist und sich seit vielen Jahren im Rahmen der European Fire & Rescue Support Association (EFRSA) für den Aufbau und die Verbesserung von Feuerwehr- und Rettungsdienststrukturen in Ostafrika engagiert.
Begrüßt wurden die Gäste in Euskirchen zunächst von Julia Baron, Dezernentin des Kreises Euskirchen und unter anderem für den Bereich Gefahrenabwehr zuständig. Anschließend stellte Lena Dobkowicz in einem eigens vorbereiteten englischsprachigen Vortrag die Aufgaben, Abläufe und Organisationsstrukturen eines „Fire and Rescue Control Centers“ vor.
Bei einer Besichtigung erhielt Gregory Gody Kinyunyu zudem die Gelegenheit, den Disponenten über die Schulter zu schauen und sich unmittelbar mit ihnen über ihre Arbeit auszutauschen. Dabei zeigte sich schnell: Während es bei den Aufgaben von Feuerwehr und Rettungsdienst durchaus Gemeinsamkeiten gibt, unterscheiden sich die organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen erheblich.

Drohnenübung in Hollerath.
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Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Alarmierung der Einsatzkräfte. Während in Deutschland Feuerwehr- und Rettungsdienstnotrufe über die einheitliche Notrufnummer 112 bei den zuständigen Leitstellen eingehen, gibt es in Tansania unterschiedliche Rufnummern für Notfälle. Eine mit Deutschland vergleichbare flächendeckende Struktur integrierter Leitstellen besteht nicht. Auch die personellen und technischen Möglichkeiten unterscheiden sich erheblich – ebenso wie die Ausstattung. Kinyunu berichtete von einer tansanischen Stadt mit rund 150.000 Einwohnern, der nur ein einziges Feuerwehrfahrzeug zur Verfügung stehe. Insbesondere in ländlichen Regionen seien die Entfernungen zwischen den Feuerwachen enorm. In der Region Kagera im Nordwesten Tansanias liegen diese teilweise mehr als 100 Kilometer auseinander.
Drohnenübung
Zurück zur Drohnenübung nach Hollerath: „Wir erkennen außergewöhnliche Talente“, sagt Hammes. Kinyunyu sei durch seine schnelle Auffassungsgabe aufgefallen, sodass er in Tansania bereits nach kurzer Zeit als Co-Trainer eingesetzt werden konnte. Und auch in Hollerath konnte Kinyunyu nach wenigen Minuten die Steuerung des Fluggerätes der Drohneneinheit der Hellenthaler Feuerwehr von Gregor Becker übernehmen.
Mit der Drohne kann unter anderem in der waldreichen Kommune die Lage bei Waldbränden beobachtet werden. Geschehen ist dies bereits im Sommer, als beim Venn-Brand der Rauch auch über das Gemeindegebiet gezogen war.
Vor allem die Ausrückezeiten der deutschen Feuerwehrkameraden beeindruckten Kinyunyu: Acht Minuten bis zum Einsatzort sind in seiner Heimat angesichts der Entfernungen der Wachen undenkbar. Er habe schon einige Ideen, die er mit nach Hause nehmen werde. Vor allem müsse jedoch an der Kommunikation gearbeitet werden. Denn die Menschen in seiner Heimat rufen zuweilen nicht bei einer Notfallnummer an, sondern direkt bei einem der Feuerwehrleute.
Auch Rettungseinsatz unter Tage geübt
Eine Besonderheit wartete auf Kinyunyu auch noch in der Eifel. Mit den Feuerwehrleuten ging er in das Besucherbergwerk Grube Wohlfahrt. Dabei stand allerdings nicht die Geschichte des Bleierzabbaus in der Eifel im Vordergrund, sondern die Möglichkeit der Menschenrettung aus einem Stollen. „Bergbau gewinnt in der Region Kagera immer mehr an Bedeutung“, erklärte Hammes. So erlebte Kinyunyu im Rescheider Bergwerk eine Führung unter feuerwehrtechnischen Aspekten, die von Marian Trinkel vom Heimatverein Rescheid und Christoph Heup von der Feuerwehr durchgeführt wurde.
Dabei konnten dem tansanischen Kameraden auch die neuen Erkenntnisse nahegebracht werden, die bei der Großübung vor wenigen Wochen gewonnen wurden. Auch informierte sich Kinyunyu bei einem Treffen mit Franka Dümmer, Michael Huppertz und Werner Groß über die Zusammenarbeit der Gemeindeverwaltung und der Freiwilligen Feuerwehr.
Seit Sonntag hospitiert Kinyunyu für vier Wochen bei der Berufsfeuerwehr Dortmund, wo er am Wachalltag und Einsatzdienst teilnehmen wird. Auch von seiner Zeit in der Ruhrpott-Großstadt verspricht sich der junge Tansanier einiges: Einblicke in Techniken, Strukturen und den Aufbau der verschiedenen Einheiten.

