Die Entscheidung des Kaller Gemeinderats, sich mit einer Resolution gegen die Reaktivierung der Oleftalbahn zu positionieren, hat auch in Hellenthal die ablehnende Haltung gegenüber dem 75-Millionen-Euro-Projekt weiter befeuert. In seiner nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag, 5. November, legen Bürgermeister Martin Berners (CDU) und die Verwaltung dem Gremium jedenfalls auch eine Resolution gegen das Verkehrsprojekt zur Abstimmung vor.
„Ich hatte nach der Entscheidung in Kall den Eindruck, dass das Projekt auch in Hellenthal mehrheitlich sehr kritisch gesehen wird“, erläutert Berners im Gespräch mit dieser Redaktion seine Initiative. Dieser Eindruck habe sich dann in einem Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden der im Gemeinderat vertretenen Parteien bestätigt, so Berners.
Schnellbus SB81 als Alternative zur Bahn
„Ich sehe für unsere Gemeinde keinen Mehrwert, den die Oleftalbahn den Bürgerinnen und Bürgern bieten könnte“, so der Bürgermeister. Insbesondere durch die Schnellbuslinie SB81 bestehe bereits eine gute Verbindung nach Schleiden und weiter bis nach Kall. „Diese Linie bedient zahlreiche Haltestellen entlang der Strecke und ermöglicht dadurch für viele Menschen kürzere Wege als eine Bahnverbindung mit wenigen, weiter auseinanderliegenden Bahnhaltepunkten“, heißt es im Entwurfstext der Resolution. Gerade für ältere Menschen, Personen mit eingeschränkter Mobilität sowie Familien sei diese wohnortnahe Erreichbarkeit ein wesentlicher Vorteil, der bei der Bewertung einer möglichen Reaktivierung berücksichtigt werden müsse.
Auch die Kostenschätzung zur Reaktivierung der 18 Kilometer langen Oleftalbahn zwischen Kall und Hellenthal sieht man kritisch: „Aufgrund einer Vorstudie wurden von der Deutschen Bahn Investitionskosten von rund 75,5 Millionen Euro für eine Reaktivierung kalkuliert. Anderweitige Kostenschätzungen belaufen sich bei Berücksichtigung aller Nebenkosten auf 160 Millionen Euro“, heißt es in dem Text aus dem Hellenthaler Rathaus. „Das sind Millionenbeträge, die sinnlos verpulvert werden“, vertritt Berners eine klare Meinung zur Frage des Kosten-Nutzen-Verhältnisses der Reaktivierung.

Die Trasse wird freigeschnitten.
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Er plädiert dafür, stattdessen in eine weitere Attraktivierung des Busverkehrs im Schleidener Tal zu investieren. Bereits jetzt seien auf Anregung der Anliegerkommunen die Fahrtzeiten der Buslinien auch im Früh- und Spätverkehr ausgeweitet worden, sodass die Busverbindungen Hellenthal-Kall und zurück „sowohl für Pendler als auch für Touristen gute und zeitnahe Verbindungsmöglichkeiten“ böten.
„Die Schnellbusse verkehren im Halb-Stunden-Takt und werden bereits recht gut angenommen. Wenn man zusätzlich noch in den On-Demand-Verkehr investiert, bekommen wir ein Angebot, das wesentlich mehr Fahrgäste mit kürzeren Wegen erreichen kann“, so Berners.
Radweg statt Bahntrasse
Auch eine Reaktivierung zu rein touristischen Zwecken sieht die Gemeinde aufgrund der Kosten kritisch. „Ausdrücklich positioniert sich der Rat der Gemeinde Hellenthal für eine alternative Nutzung der vorhandenen Bahntrasse, zum Beispiel in Form der Errichtung eines Radweges“, heißt es weiter im Entwurfstext für die Resolution. Ein solcher Radweg könnte auch für touristische Zwecke an bestehende Routen angebunden werden und sei zu deutlich niedrigeren Kosten zu haben, so die Gemeindeverwaltung weiter.
Wäre das Reaktivierungsprojekt damit bereits gestorben, wenn sich nach Kall nächste Woche vielleicht auch der Hellenthaler Rat gegen die Oleftalbahn aussprechen würde? Bei dieser Frage winkt Ingo Pfennings, Bürgermeister der „Sandwichkommune“ Schleiden, ab: „Ob die Strecke reaktiviert wird, diese Entscheidung wird bei der Bahn getroffen“, betont Pfennings. Er gehe trotzdem nach wie vor davon aus, dass die Stadt Schleiden eine wichtige Stimme bei dieser Entscheidung habe: „Schleiden hat den größten Streckenanteil“, betonte Pfennings. „Ich verstehe, dass es Argumente dafür und dagegen gibt, aber letztlich ist wichtig, dass wir unseren Bürgern gute ÖPNV-Angebote machen können.“
Während der jüngsten Schleidener Ratssitzung hatte sich als Gast auch Landrat Markus Ramers zu dem Thema geäußert. „Bevor eine Entscheidung getroffen wird, muss zunächst die Kosten-Nutzen-Rechnung vorliegen“, so der Landrat. Er sagte aber auch: „Gegen den Willen der drei Anliegerkommunen würde der Kreis das Projekt sicher nicht weiterverfolgen.“ (thw)


