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Steigende SchülerzahlDie Hauptschule in Hellenthal ist noch kein Auslaufmodell

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Das Foto zeigt die eingeschossige Grundschule in Hellenthal.

Auf zwei Standorte – hier Hellenthal – ist die Grundschule derzeit noch aufgeteilt, die demnächst in einem Neubau zusammengeführt werden soll.

Laut Schulentwicklungskonzept wird die Zahl der Schüler in der Hauptschule 2032 bei 208 liegen. Für die Grundschule wurde derweil ein pädagogisches Raumkonzept erstellt.

Einen Blick in die Kristallkugel warfen die Gemeindevertreter im Schulausschuss. Und das so wissenschaftlich wie möglich ist, wobei Christian Rindsfüßer von der Firma SAGS aus Augsburg seinem Vortrag ein Karl Valentin zugeschriebenes Zitat vorausschickte: „Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“

Da Rindsfüßer kein Wahrsager, sondern Diplom-Statistiker ist, bediente er sich bei seiner Vorhersage allerdings keiner gläsernen Kugel, sondern trockenem Zahlenwerk. Denn genau darum ging es bei dem Schulentwicklungskonzept, das er im Auftrag der Gemeinde Hellenthal erarbeitet hat. Bürgermeister Martin Berners hatte im Wahlkampf angekündigt, genau so ein Schulentwicklungskonzept erarbeiten zu wollen, um die Diskussion um den Neubau der Grundschule mit Fakten zu unterfüttern.

Aktuell ist die Zahl der Hauptschüler in Hellenthal auf 180 gesunken

Konkret ging es dabei um die Zukunft der Hauptschule in Hellenthal. Schließlich hatte die CDU argumentiert, aufgrund der sinkenden Schülerzahlen stehe die Hauptschule vor der Schließung, so dass das Gebäude bald für eine Grundschule in Hellenthal zur Verfügung stehe. Die Aufgabe von Rindsfüßer war nun, anhand der zu erwartenden Schülerzahlen zu prognostizieren, ob die Hauptschule eine Zukunft habe oder nicht.

Keine ganz abwegige Frage, denn die Zahl der Schüler, die auf die Hauptschule gehen, ist seit dem Hoch nach der Schließung der Schleidener Hauptschule stetig zurückgegangen. Von 251 Schülern im Schuljahr 2015/16 sank die Zahl immer weiter bis auf aktuell 180. 18 Schüler in der Jahrgangsstufe 5, wie in diesem Jahr, sind notwendig, um eine Klasse zu bilden. Erst in der siebten Klasse steigen erfahrungsgemäß die Zahlen, so dass die Hellenthaler Hauptschule in der Regel zweizügig ist. Doch wird das so weitergehen?

Eine ganze Reihe von Faktoren macht Prognosen schwierig

Eine Frage, die Rindsfüßer mit den Mitteln der Statistik zumindest in einer Hinsicht positiv beantworten konnte. Denn anhand der Bevölkerungsentwicklung in den Kommunen, aus denen die Schüler der Hellenthaler Hauptschule kommen, arbeitete er heraus, dass bereits ab dem übernächsten Jahr rein statistisch ein Anstieg der Schülerzahlen zu erwarten ist. Für das Schuljahr 2031/32 errechnete er einen Höchststand von 208 Schülern, bevor die Zahl wieder langsam zu sinken beginne und im Jahr 2043 dann 184 erreiche.

Grundlage für diese Berechnung war die Tatsache, dass geburtenstarke Jahrgänge wieder ein Hoch nach sich ziehen würden, wenn aus den Kindern Erwachsene geworden seien, die selbst wieder Nachwuchs bekämen. Zum Beispiel habe es 2010 wenig potenzielle Mütter gegeben, da der Geburtsjahrgang 1980 relativ schwach gewesen sei. Die 2010 geborenen Kinder bildeten jetzt die oberen Klassen der Hauptschule, so dass die Schülerzahl gering sei. Auch für 2040 seien wenig Geburten zu erwarten.

Blick auf das Areal, im Vordergrund eine Bruchsteinmauer. Hinter Bäumen ist die Grenzlandhalle zu erkennen.

Auf das Gelände der Grenzlandhalle soll die neue Grundschule gebaut werden.

Doch es gebe noch weitere Faktoren, die sich statistisch schlecht bestimmen ließen. Da gebe es zum Beispiel die Schulbesuchsquote, bei der es einen Rückgang gegeben habe. Genauso sei nicht abzusehen, wie sich der Zuzug von Flüchtlingen entwickele, die zu einem Teil auf die Hauptschule gegangen seien. Auch sei die Schulpolitik ein Faktor, der in die Prognose nicht einfließe. Schließlich gebe es auch noch den Faktor Zufall, der ebenfalls Veränderungen an den Daten nach sich ziehen könne.

„Wir werden von unserer Seite das Gespräch mit der Bezirksregierung suchen, das ist ein zentraler Punkt“, kündigte Berners an. „Wenn ich die Statistik so sehe, steht für mich fest, dass die Hauptschule weiterlaufen wird“, sagte Heinz-Bert Weimbs (SPD). Daran werde auch die Bezirksregierung nichts ändern.

An Schulgebäude werden heute ganz andere Anforderungen gestellt

Auch die Zukunft der Grundschule wurde in der Sitzung des Schulausschusses erörtert. Hier hatte der Haupt- und Finanzausschuss im September der Firma conceptk den Auftrag erteilt, ein pädagogisches Raumkonzept zu erstellen. Denn Schule heute sei nicht mehr das, was sie zu dem Zeitpunkt gewesen sei, als die Ratsvertreter ihre Schulzeit hatten, machte Jürgen Luga von conceptk deutlich.

„Die Schulgebäude haben sich in den Orten, wo ich in der Schule war, bis heute nicht verändert“, sagte er. Aber die Bildungslandschaft und die gesellschaftlichen Verhältnisse hätten sich dramatisch verändert. Vor 20 Jahren hätten die Themen Ganztag, Inklusion und Flüchtlingskinder nicht so eine Dimension gehabt wie heute. Deshalb gebe es in der Schule mittlerweile multiprofessionelle Teams aus Lehrern, aber auch Schulpsychologen, Sozialpädagogen oder Schulbegleiter.

Wenn ich die Statistik so sehe, steht für mich fest, dass die Hauptschule weiterlaufen wird.
Heinz-Bert Weimbs (SPD)

Das pädagogische Raumkonzept stehe vor der Beauftragung eines Architekten, erläuterte er. In mehreren Workshops mit allen Beteiligten in der Gemeinde sei es erarbeitet worden. Es gebe vergleichbare Musterraumkonzepte vom Städtetag NRW oder auch von den Städten Bochum und München. Ein wichtiger Termin sei der Besuch der neuen Grundschule in Firmenich gewesen, betonte er. Da gebe es neue Begrifflichkeiten wie Lerninseln oder Bereiche, die nicht mit Straßenschuhen begangen würden.

Firmenicher Grundschule dient als Beispiel

In dem Konzept würden zum Beispiel Fragen erörtert, so Luga, wie groß Gemeinschaftsräume wie Mediatheken sein sollten, wie groß Differenzierungsräume oder Klassenzimmer, und welche Fachräume würden gebraucht. Wo hätten die Schulbegleiter ihre Räume, und wie seien die Arbeits- und Ruheräume für die Lehrer sowie die Büros der Schulleitung angeordnet. Auch sollten die Schule und der Offene Ganztag gemeinsam gedacht werden, so dass keine doppelten Strukturen entstünden.

So errechnete das Beratungsbüro conceptk für die neue Grundschule in Hellenthal einen Raumbedarf von 3199 Quadratmetern. Relativ viel verglichen mit dem Musterraumprogramm des Städtetages NRW und der Stadt Bochum, die 2545 Quadratmeter beziehungsweise 2897 Quadratmeter empfehlen. Auch die Firmenicher Grundschule habe lediglich 3080 Quadratmeter Grundfläche. Damit liege die Berechnung genau im Rahmen, den die Stadt München vorgebe. Auch gebe es noch viele Möglichkeiten, Korrekturen oder Änderungen einzubringen.

Auf Nachfrage, warum die berechneten Flächen für Hellenthal größer seien als bei anderen, führte Luga das Konzept der großen Gemeinschaftsfläche zwischen den Klassenräumen an. „Das, was wir in Firmenich gesehen haben, fand ich ein Idealbeispiel dafür, wie Ganztag und Unterricht miteinander verzahnt werden“, sagte er. Große Flächen würden Möglichkeit bieten, Ecken zu schaffen, in die sich zum Beispiel Schüler zurückziehen könnten, um Hausaufgaben zu machen oder die Möglichkeit für Differenzierungen zu bieten. Was heute getrennt sei, könne zusammengeführt werden.

Beide Präsentationen werden nun in den Fraktionen erörtert und dann in der nächsten Sitzung des Schulausschusses diskutiert.