Die Kaller Verwaltung erläuterte den Stand der Maßnahmen und erklärte, wie die Gelder verwendet werden.
Nach der FlutGemeinde Kall informierte Bevölkerung über den Wiederaufbau

Rund 100 Zuhörer waren der Einladung der Gemeindeverwaltung in das Haus der Begegnung gefolgt.
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Es klingt kompliziert, und das ist es auch: Wenn es um die Feinheiten der Wiederaufbauhilfe nach der Flutkatastrophe und deren konkrete Verwendung in den Kommunen geht, dann sind meist Fachleute gefragt. Wozu die Gelder genutzt werden, die in den Kreis geflossen sind und noch fließen, kann jeder erfahren – sofern man sich die Mühe macht, Rats- und Ausschusssitzungen zu besuchen oder sich durch die nicht immer bürgerfreundlichen Ratsunterlagen zu wühlen.
Wie es alternativ aussehen kann, demonstrierte die Gemeinde Kall, die zu einer Informationsveranstaltung zum Stand des Wiederaufbaus ins Haus der Begegnung eingeladen hatte. Rund 100 Zuhörer waren zu der Veranstaltung gekommen. Mehrere Experten standen bereit, so viele Fragen wie möglich zu beantworten: Bürgermeister Emmanuel Kunz, der Allgemeine Vertreter Markus Auel, Wiederaufbaukoordinator Manfred Poth, Bauamtsleiter Lothar Schatten, Finanzexperte Dominik Peiffer und Eduard Zubiks, der Fachmann für Gewässer.
Viele Fragen im Zusammenhang mit den Folgen der Flut von 2021
Letzterer laborierte eigentlich, wie Bürgermeister Kunz verriet, an einer Erkältung, hatte jedoch der Versammlung den Vorzug vor dem heimischen Sofa gegeben. Was gut war, denn er sollte mit seiner Expertise im Laufe des Abends zur zentralen Figur werden.
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Was machen die da? Warum dauert das so lange und wo bleibt das ganze Geld? Das sind Fragen, die immer wieder im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau nach der Flut aufkommen. Rund fünf Jahre wird es gedauert haben, bis im Sommer auch die letzten Arbeiten im Kaller Rathaus erledigt sein werden.

Manfred Poth, Koordinator des Wiederaufbaus in der Gemeinde Kall, präsentierte jede Menge Fakten.
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Diese und viele andere Fragen in Bezug auf den Hochwasserschutz zu beantworten und so auch Transparenz bei der Arbeit der Verwaltung zu schaffen, dazu war diese Informationsveranstaltung gedacht. Sie solle nicht die letzte bleiben, kündigte Kunz an. „Wir wollen mitteilen: Wo stehen wir, was sind die Projektstände“, sagte er. Doch es gehe genauso um die Anregungen und Hinweise aus der Bevölkerung und den Kontakt mit den Bürgern.
Fast eine Stunde lang präsentierte Manfred Poth den Zuhörern einen Schnellkurs in Sachen Wiederaufbau in der Gemeinde Kall. Von den rechtlichen Grundlagen über die Organisation, die bürokratischen Feinheiten und Abrechnungsmodalitäten hangelte er sich zu konkreten Beispielen und Projekten.
Koordinator Manfred Poth sprach von einem zähen Prozess
Immer wieder machte er dabei deutlich, wie zäh der gesamte Prozess sei. Schließlich müsse auch alles dokumentiert sein, da davon auszugehen sei, dass nach mehreren Jahren plötzlich Prüfer des Bundes- oder Landesrechnungshofs vor der Tür stünden. „Dann müssen die Bearbeiter sieben Jahre später noch wissen, was vorher alles gemacht worden ist“, beschrieb er das Problem.
Bereits im September 2021, so führte Poth aus, sei die Förderrichtlinie des Landes verabschiedet worden. „Das ist nicht selbstverständlich, das darf man an dieser Stelle auch sagen“, lobte er. Bund und Land seien den hochwassergeschädigten Kommunen schnell zu Hilfe gekommen. Innovativ und zweckmäßig sei die Richtlinie. Besonders angenehm aber sei die Förderquote von 100 Prozent.
Sie können nicht 140 Projekte mit dem vorhandenen Personal abwickeln.
Nicht so positiv aber sei die Tatsache, so Poth, dass die Kosten für das Personal, das sich dem Wiederaufbau widmet, nicht gefördert werden. „Sie können nicht 140 Projekte mit dem vorhandenen Personal abwickeln“, machte er deutlich. Wahrscheinlich sei das wegen schlechter Erfahrungen nach dem Elbhochwasser 2002 gewesen, als einige Kommunen in diesem Punkt etwas großzügig gewesen seien, vermutete Poth. Nichtsdestotrotz sei ein Flaschenhals entstanden, der das Fortkommen erschwere, betonte auch Bürgermeister Kunz.
Mit rund 100 Millionen Euro für insgesamt 140 Projekte bezifferte Poth die Summe für die Gemeinde Kall, die vom Land für den Wiederaufbau bewilligt worden sei. Davon seien bisher knapp 27 Millionen ausgegeben. Mit 89 Projekten sei begonnen worden, 31 seien baulich fertiggestellt. Ob bis zum Ablauf des Bewilligungszeitraums im Jahr 2030 alles erledigt sei, das müsse die Zeit zeigen. „Ich glaube, das wird nicht funktionieren“, sagte Poth. Deshalb sei beim Land ein Antrag auf Verlängerung der Frist gestellt worden. Gemunkelt werde, dass die bis 2032 verlängert werde.
Die Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg war aufwendig
Wie mühsam die Realisierung mitunter ist, machte Poth bei der Vorstellung einiger Projekte wie dem Sportpark in Kall deutlich. So habe ein Ballfangzaun nicht bis zur notwendigen Höhe von sechs Metern errichtet werden können, weil ein Energieversorger die Höhe auf vier Meter beschränkte. Nach Monaten habe schließlich ein Ortstermin vereinbart werden können, in dem die Angelegenheit geklärt wurde.
Auch sei die Suche nach möglichen Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg langwierig und aufwendig gewesen. Am Ende seien 54 Sondierungen nötig gewesen. „Das Resultat war ein Eimer mit Matchbox-Autos“, so Poth. Eine Million Euro an zusätzlichen Kosten sei dabei angefallen.
Land NRW beteiligt sich an den Kosten für den Hochwasserschutz
Großes Interesse zeigten die Zuhörer auch an den Details zum Hochwasserschutz. Abgesehen vom interkommunalen Hochwasserschutzkonzept, das vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER) erstellt wird, gebe es auch die Möglichkeit, Schutzprojekte auf lokaler Ebene zu realisieren, führte Poth aus.
Dazu habe das Land NRW vor wenigen Wochen eine Summe von zehn Prozent der Gesamtschadenssumme bewilligt, im Fall der Gemeinde Kall also knapp zehn Millionen Euro. Darüber hinaus werde vom Kreis Euskirchen eine Summe von 1,9 Millionen Euro bereitgestellt.
Im Bereich direkt an der Urft seien Schutzmaßnahmen jedoch schwierig, da dort die Bahntrasse sei, führt Zubiks aus. Allerdings eigne sich die Topographie der Gemeinde gut, die Zuflüsse der Urft zu regulieren. Einige Projekte seien kurz vor der Umsetzung.
Verschiedene Mängel und die Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen, wurden vom Publikum angesprochen. So sei bereits vor Jahren auf Missstände im Bereich der Aachener Straße hingewiesen worden, wo das Wasser aus dem Wohngebiet ungebremst über die Straße laufe. Die Verwaltungsmitarbeiter sagten zu, sich dieser konkreten Probleme in der nächsten Zeit anzunehmen. Auch hatten die Bürger die Möglichkeit, ihre Kontaktdaten zu hinterlegen sowie Ansprechpartner bei der Gemeinde zu finden.

