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Europaweit einzigartigFlutlicht in Sötenich ist von Dark Sky Association zertifiziert

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13 Männer stehen und sitzen in nebeneinander auf dem Sportplatz in Kall-Sötenich und präsentieren ein Zertifikat.

Gut beleuchtet freuten sich die Vertreter von Gemeinde, Naturpark, Sportverein und Hersteller über die europaweit erste Zertifizierung einer Sportplatzbeleuchtung, über die nun die Sötenicher Anlage verfügt. 

Die neue Flutlichtanlage in Sötenich reduziert die Lichtverschmutzung und schützt den Sternenpark. Auch die Sportler sind sehr zufrieden. 

Wer früher zur Abendstunde einen Sportplatz suchte, hatte es leicht: Dort, wo sich ein Lichtkegel am Himmel zeigte, als sei gerade ein Ufo gelandet, war in aller Regel die gesuchte Sportstätte. Denn das Flutlicht beleuchtete nicht nur den jeweiligen Rasen- oder Aschenplatz, sondern großzügig auch die nähere und manchmal weitere Umgebung.

Doch das ist Geschichte. Mittlerweile ist es Standard, dass nicht nur LED als Lichtquelle zum Einsatz kommen, sondern die Lampen auch so gestaltet sind, dass das Licht nur dorthin geht, wo es hingehört: aufs Spielfeld. Das hat positive Auswirkungen, da nicht nur die Effizienz der Beleuchtungsanlage ungleich größer ist, sondern auch die Auswirkungen auf die Umwelt geringer sind. Das honoriert im Fall des Kunstrasenplatzes in Sötenich auch die International Dark Sky Association (IDA). Als europaweit erster Sportplatz ist die Flutlichtanlage durch die Organisation zertifiziert, die sich dem Schutz der nächtlichen Dunkelheit verschrieben hat.

Die Anlage in Sötenich erhält euopaweit das erste Zertifikat

Seit Januar ist die neue Beleuchtung einsatzbereit, und so konnten bereits die ersten Spiele mit dem neuen Flutlicht absolviert werden. „Die Spieler sollen was sehen“, sagte Kalls Bürgermeister Emmanuel Kunz. Das sei durch die neue Lichtanlage gewährleistet, aber das Licht sei eben nur dort, wo es gebraucht werde. „Man steht am Spielfeldrand im Dunkeln“, beschrieb Christoph Graf, Projektleiter der Gemeinde für den Bau des neuen Sportplatzes, den Effekt. So gebe es keine Blendwirkung für die Anwohner, und mit nur vier Masten könne der ganze Platz ausgeleuchtet werden.

135.000 Euro hat das gekostet. „Eine herkömmliche Anlage wäre nur unwesentlich billiger gewesen“, sagte Graf. Der Betrag sei in den Gesamtkosten für die Kunstrasenanlage enthalten, die durch die Sportstättenförderung mit 750.000 Euro unterstützt wird.

Wir wollen nicht das Licht ausschalten und zurück ins Mittelalter.
Dominik Hosters, Naturpark Nordeifel

In der Dark-Sky-Woche im April wird das Projekt in einer Online-Konferenz über Lichtverschmutzung und Möglichkeiten, diese zu verhindern, vorgestellt. Das kündigte der Astronom Harald Bardenhagen, unermüdlicher Kämpfer gegen die Lichtverschmutzung, an: „Damit wird das Projekt weltweit bekannt gemacht.“ Präsentiert werde es von Christoph Rang, der das Projekt für den Energieversorger e-regio betreut habe. „Es ist wichtig, dass solche Projekte bekannt werden. Es lohnt sich, über den Tellerrand zu sehen“, so Bardenhagen.

LED-Technik und verlängerte Schuten, die das Licht passgenau an der Seitenlinie begrenzen, sind bereits in anderen Flutlichtanlagen in der Eifel im Einsatz. Doch die Sötenicher können sich damit brüsten, dass ihre Anlage als erste durch die IDA als sternenparktauglich zertifiziert ist. In Gang gebracht hatte die Zertifizierung Hauke Petersen vom Hersteller der Leuchten, der Musco Lighting Germany GmbH. Dass nur Sötenich das Zertifikat hat, dürfte vor allem daran liegen, dass es diese Möglichkeit erst seit kurzem gibt. Für die Zertifizierung sei eigens ein Techniker vor Ort gewesen, um die Lichtverhältnisse zu prüfen.

Bislang gibt es nur positive Rückmeldungen von den Sportlern

Die Lichtausbeute sei höher, dadurch sei die Anlage effektiver, so Rang: „Man sieht, dass die Lampen so nach unten gerichtet sind, dass das Licht gar nicht nach oben weg kann.“

„Bisher haben wir nur positive Rückmeldungen von den Sportlern bekommen“, sagte Eric Geschwind, Vorsitzender des SV Sötenich. Auf manchen Plätzen gebe es dunkle Flecken, aber das sei hier nicht der Fall. „Die Lichtverhältnisse sind auch für Torhüter ideal“, sagte Manfred Poth, Chef der Sportfreunde 69 Marmagen-Nettersheim und ebenso Vorsitzender des Naturparks Nordeifel: „Der Nationalpark ist bereits Sternenpark, doch wir sind im Moment in der Vorbereitung des Anerkennungsverfahrens, dass die Region in einem Umkreis von 35 Kilometern um den Sternenpark zur Sternenregion wird.“ Da seien derartige Projekte besonders wichtig.

Der Naturpark hat schon vor Jahren das Interesse der Menschen an der Dunkelheit und die Möglichkeit der touristischen Vermarktung ausgemacht und über sein Projekt „Unterm Sternenzelt“ vorangetrieben. Sternenguides wurden ausgebildet, Sternenführungen angeboten und nicht zuletzt die Sternenblicke in der Region installiert, die besondere Beobachtungsmöglichkeiten bieten.

„Wir wollen nicht das Licht ausschalten und zurück ins Mittelalter“, betonte Dominik Hosters, Geschäftsführer des Naturparks. Doch solche Flutlichtanlagen machten deutlich, dass es durch derartige Innovationen möglich sei, die Nacht zu schützen und Sport zu betreiben. 13 Kommunen haben bereits Beleuchtungsrichtlinien verabschiedet, mit denen die Lichtverschmutzung reduziert werden solle, so Hosters.