Im Windpark „Honderberg/Sistiger Venn“ sollen im Rahmen eines Repowerings vier Windräder entstehen. Die Gemeinde kann das Vorhaben nicht verhindern.
Repowering geplantNeue Windräder bei Golbach werden 250 Meter hoch

Die alten Windräder bei Golbach sollen durch 250 Meter hohe Anlagen ersetzt werden.
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Die dänische Firma European Energy plant ein Repowering des bestehenden Windparks „Honderberg/Sistiger Venn“. Geplant ist, vier der fünf bestehenden Windräder zurückzubauen und durch leistungsstärkere Anlagen zu ersetzen. Die Fünfte soll noch einige Jahre weiter betrieben und dann zurückgebaut werden. Ende 2029 oder Anfang 2030 sollen die neuen Anlagen ans Netz gehen.
Die fünf alten Anlagen sind 18 Jahre alt und liegen zwischen den Orten Golbach, Straßbüsch und Frohnrath. Sie haben eine Höhe von jeweils 125 Metern. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Beschwerden von Anwohnern wegen Lärmbelästigungen und Problemen mit Eiswurf gegeben. Die Betreiberfirma, die Energiekontor AG in Bremen, hatte stets erklärt, dass alle rechtlichen Vorgaben eingehalten würden. European Energy hat zwischenzeitlich die Anlagen übernommen.
Schon vor der Ausschusssitzung hatte die Verwaltung bei einer Bürgerversammlung in Golbach mit der European Energy über die anstehenden Repowering-Maßnahmen informiert. „Es gab sehr viele kritische Rückfragen“, berichtete Bürgermeister Emmanuel Kunz. Man habe aber klar gemacht, dass die Gemeinde das Vorhaben nicht verhindern könne und man nun das Beste aus der Situation machen müsse.
Bürgermeister kritisiert fehlendes Mitspracherecht der Kommunen
In der Sitzung des Ausschusses für Entwicklung, Umwelt, Digitalisierung und öffentliche Sicherheit kritisierte jetzt der Bürgermeister, dass die Gemeinde wegen Änderungen bei den gesetzlichen Grundlagen bei dem Projekt kein Mitspracherecht habe: „Im Rahmen der ausgewiesenen Flächen dürfen Anlagen entstehen. Die Landesregierung lässt die Kommunen in NRW leider bewusst außen vor.“ Er halte diese Entwicklung grundsätzlich für falsch. „Nach dem neuen Teilplan Erneuerbare Energien könnten die neuen Anlagen sogar noch näher, vor allem an Golbach, heranrücken.“ Die Grenze von mindestens 500 Meter halte er für fatal. Das Unternehmen habe aber zugesichert, einen Abstand von 700 Meter einzuhalten.
In Verhandlungen mit dem Unternehmen habe man in den vergangenen Monaten zudem erreicht, dass es einen Mehrwert für die Bevölkerung in den betroffenen Ortschaften geben werde. Das sei in den vergangenen 20 Jahren nicht der Fall gewesen. Der Entwicklungsausschuss folgte dementsprechend auch dem Vorschlag der Verwaltung, ein Modell für die Beteiligung der Ortschaften an Einnahmen aus Erneuerbare-Energien-Projekten auszuarbeiten. Im konkreten Fall geht es um die Ortschaften Frohnrath, Golbach und Straßbüsch, die künftig finanziell vom Repowering im Windpark „Honderberg/Sistiger Venn“ profitieren sollen. Das Beteiligungskonzept soll aber auch Modellcharakter für andere Projekte im Bereich „Erneuerbare Energien“ in der Gemeinde haben.
Für die Genehmigung müssen noch Hutachten erstellt werden
„Die neuen Anlagen sollen rund 250 Meter hoch werden und eine Leistung von jeweils sieben Megawatt haben“, erklärte Simon Martin von European Energy. „Damit reizen wir nicht aus, was heutzutage möglich ist.“ Der Rotordurchmesser liege bei 175 Meter. „Insgesamt können wir damit knapp fünfmal so viel Energie erzeugen.“
Für das Genehmigungsverfahren müssten noch einige Gutachten zum Schattenwurf, zum Eiswurf und zu den Schallemissionen erstellt werden, sagte der Planer. Ein erstes externes Gutachten habe aber bereits ergeben, dass die Schallgrenzwerte eingehalten werden können. Die Lärmbelastung werde sogar um einige Dezibel geringer ausfallen als bei den Altanlagen. Ende 2028 soll mit dem Bau begonnen werden. Die Altanlagen sollen vorher zurückgebaut und der Beton der Fundamente beispielsweise für den Wegebau genutzt werden. Die Standorte für die neuen Windräder sind an anderen Stellen geplant.
„Ich sehe öfters, dass die Anlagen bei Wind abgeschaltet sind, weil die Energie nicht vom Netz abgenommen werden kann“, sagte Karl Vermöhlen (SPD). Ob da nicht angesichts der deutlich höheren Leistung der neuen Anlagen der Bau eines Speichers sinnvoll sei, wollte der Sistiger wissen. „Aktuell sei der Bau eines Batteriespeichers wirtschaftlich noch nicht sinnvoll“, entgegnete Martin. Man schaue sich aber die Entwicklung genau an.
Kall will Stiftung gründen
Die Gemeinde Kall will eine Stiftung gründen, um künftig Ortschaften an den Einnahmen aus Erneuerbare-Energien-Projekten zu beteiligen. Vorgesehen ist, dass zwei Drittel der Einnahmen aus Vorhaben in den jeweils direkt betroffenen Orten verwendet werden sollen. Ein Drittel der Gelder soll für Projekte im gesamten Gemeindegebiet zur Verfügung stehen.
Die Verwaltung soll ein Konzept erstellen und dafür alle Möglichkeiten aus dem Bürgerenergiegesetz und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz prüfen und voll ausschöpfen. Ziel sei es, eine transparente und gerechte Verteilung der finanziellen Erträge sicherzustellen sowie die Akzeptanz entsprechender Projekte vor Ort zu stärken.
Mit dem Thema hatte sich auch die der Arbeitsgruppe „Erneuerbare Energien“ im Mai intensiv auseinandergesetzt. Das vorgeschlagene Modell basiert laut Gemeinde auf den Ergebnissen dieser Arbeitsgruppe. Er bezieht sich zunächst auf einen konkreten Anwendungsfall, nämlich das Repowering im Windpark „Honderberg/Sistiger Venn“, soll jedoch zugleich als Orientierungsrahmen für den Umgang mit Einnahmen aus weiteren Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien dienen.
Die Wahl der Stiftungsform diene der Absicherung der Mittelverwendung aus haushaltsrechtlicher Sicht, schreibt die Verwaltung. Auch bei der Aufstellung eines Haushaltssicherungskonzepts können die Mittel weiterhin zweckgebunden eingesetzt werden. „Es geht um Spielregeln für die Zukunft. Wer die Belastung trägt, soll auch einen Mehrwert haben“, sagte Bürgermeister Emmanuel Kunz. Man orientiere sich an dem Modell in Schleiden.
