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Ungewohnte KlängeTransient-Festival im Kloster Steinfeld bot besondere Hörerlebnisse

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Maxine Troglauer steht bei Sonnenschein in einem Innenhof des Klosters in Steinfeld und spielt Posaune.

Wie Klänge an unterschiedlichen Orten wirken, zeigte Maxine Troglauer an der Bassposaune.

Jeremias Schwarzer und sein Team nutzten den Kreuzgang des Klosters Steinfeld mit seiner Raumakustik und Atmosphäre voll aus.

Es waren ungewohnte Klänge, die an die Ohren des Stammpublikums im Steinfelder Kloster drangen. Ist die König-Orgel sonst ein ständiger musikalischer Begleiter der zahlreichen Konzerte, spielte sie beim Transient-Festival keine Rolle. Neben mittelalterlicher und Neuer Musik war genauso Improvisation zu hören – und das auf eine Weise, die den Besuchern neue Hörerlebnisse erschloss.

Vorsichtig, um keine störenden Schrittgeräusche zu machen, wanderte Jeremias Schwarzer, Initiator und künstlerische Leiter des Festivals, durch den Kreuzgang. Dort spielte die Pianistin Serra Tavsanli das zeitgenössische Stück „wind whispers“ der Komponistin Konstantia Gourzi. Schwarzer verweilte hier und lauschte dort, bis er im Brunnenhaus ankam, wo er wenige Minute später selbst mit der Flöte seinen Auftritt haben sollte: „Ich fand es faszinierend, wie anders das Klavier an den verschiedenen Positionen im Kreuzgang klang.“

Posaunistin Maxine Troglauer ist überwältigt vom Klang

Denn nicht nur die Musiker waren Ausführende, sondern auch der Kreuzgang mit seiner Raumakustik und Atmosphäre. „Die Posaune klingt hier überwältigend“, sagte Maxine Troglauer. Sie müsse sich etwas zurücknehmen. Denn die Musik spielte sich im Festivalteil „Resonanzen“ nicht an einem festen Ort ab, sondern wanderte durch den Kreuzgang und ließ dort Klangräume entstehen, wo vorher keine vermutet wurden.

Der künstlerische Leiter des Transient-Festivals, Jeremias Schwarzer mit seinen Flöten.

Seine Flöten spielte Festival-Leiter Jeremias Schwarzer.

Etwa, als die Bassposaunistin mit Blasmusikern aus der Eifel um den Kronenburger Saxofonisten Frank Reinshagen im Garten improvisierte. „Es ist eindrücklich, wie still es ist“, sagte sie. Die Naturgeräusche faszinierten sie, und sie sei überrascht, wie laut die Vögel seien. Denn als Troglauer und Reinshagen gemeinsam spielten, stimmten zwei Vögel ein und machten aus dem Duo ein Quartett. „Raus aus den Konzertsälen in die Lebendigkeit, die uns umgibt“, sagte Schwarzer dazu.

Transient sei ein Forschungsprojekt. Es sei die Suche nach den Inhalten der Konzerte der Zukunft. Und so war die Eifeler Natur bereits in den Vorjahren ein integraler Bestandteil des Festivals, als die Musiker etwa bei Alendorf ein Klavier auf den Kalvarienberg brachten, um dort mit verschiedenen Echos zu arbeiten.

Neue Musik und mittelalterliche Klänge erklangen im Kreuzgang

Auch dieses Mal ging es zum Kunstgenuss in die Natur. Die Schauspielerin Heidrun Grote von der Theaterschule Nettersheim wanderte mit 26 Teilnehmern ins Kuttenbachtal, wo sie auf mehreren Stationen Werke von Marie T. Martin las. Dabei kommunizierte sie mit der Sängerin Olivia Stahn, die von einem Hochsitz auf der anderen Talseite aus zu der Lesung sang.

„Music for Places“ war das Festival in diesem Jahr überschrieben. Dabei arbeiteten nicht nur Musiker aus der Region mit denen aus dem Transient-Ensemble. Neben Profis wie Reinshagen und Troglauer waren auch ambitionierten Hobbymusiker gefragt, die so oft ihren ersten Kontakt mit Neuer Musik erlebten.

Eine Frau in weißem T-Shirt läuft einen Kreuzgang entlang, hinter ihr an einer Wand steht eine zweite Frau.

„Litany for a whale“ von John Cage boten Olivia Stahn (vorne) und Nicole Besse bei ihrer Performance im Kreuzgang.

Leon Senger sitzt an zwei Trommeln, links im Bild sitzen ein Mann und eine Frau und hören zu.

„Erstarrt“ hat Leon Sänger seine Installation betitelt.

Auch die Auswahl der Musikstücke atmete Vielfalt. Unter dem Titel „Resonanzen“ erschuf Schwarzer  mit seinem Team im Kreuzgang neue und ungewöhnliche Klangräume. Mehrere Stücke aus Neuer Musik und   Mittelalter stellte er zu zwei Musikblöcken zusammen, erforschte so nicht nur die Akustik des Raumes, sondern antwortete auch auf dessen kunsthistorische Vorgaben. „Vor dem mittelalterlichen Glasfenster, die im 16. Jahrhundert von dem Kölner Glasmaler Gerhard Remsich geschaffen wurden, haben wir Musik gespielt, die vielleicht auch er einmal gehört hat“, so Schwarzer.

Daneben wurden moderne und digitale Ansätze gestellt. Auf vibrierenden Lautsprechermembranen, die durch computergenerierte Frequenzen gesteuert wurden, ließ der Schlagzeuger Leon Senger in seiner Klanginstallation „erstarrt“ Steine tanzen, die so wieder ihre eigenen Geräusche erzeugten. Inspiriert von Hildegard von Bingen wurden modale Quellcodes dargeboten. Und mit einem Augenzwinkern in Richtung Nordsee sangen Nicole Besse und Olivia Stahn „Litany for the Whale“ von dem amerikanischen Komponisten John Cage, bei dem fünf Noten immer wieder zu neuen Tonfolgen kombiniert werden. Ruhig und dominant schwang der Gesang der beiden Musikerinnen in den Gängen des Klosters.

Transient-Festival in Steinfeld: Musikalisch keine leichte Kost

Es war nicht die einfachste Kost, doch inspirierend und faszinierend zugleich. Wie auch Anne Obertreis aus Nettersheim befand: „Es ist toll, so etwas zu erleben.“ Sie war bereits mit Grote auf der Wanderung gewesen, die sich ebenfalls lobend äußerte: „Es ist großartig, einen ganzen Tag mit Musik zu verbringen, die ich sonst nicht höre.“ Die Veranstaltung strahle so viel Frieden aus.

Eröffnet worden war das Festival mit dem Konzert „Kinderszenen aus Istanbul“, bei denen Werke von Komponisten wie Robert Schumann, Johann Sebastian Bach mit zeitgenössischer Musik von Konstantia Gourzi, Ahmed Altani und anderen kombiniert wurden. Die Pianistin Serra Tavsanli spielte zu einer Videoinstallation von Folkert Uhde.

Für den Abschluss sorgte   Jeremias Schwarzer mit einem Konzert in der alten Klosterbibliothek. Dabei präsentierte er Blockflötenmusik aus 1000 Jahren Musikgeschichte, unter anderem von Hildegard von Bingen, aber auch Transkriptionen persischer Ney-Musik.