In Verbindung mit dem Hermann-Josef-Fest bot das Eifeler Kultur-Event eine große Vielfalt mit vielen Höhepunkten. Hauptzelebrant des Hochamtes war Dr. Stefan Heße, der Erzbischof von Hamburg.
Steinfeld CallingKunstvolle Illumination der Klosterfassade zu den Klängen von Pink Floyd

Motive für die Illumination der Klosterfassade hatten auch Schüler des Hermann-Josef-Kollegs gestaltet.
Copyright: Stefan Lieser
Die nächtliche Illumination der Klosterfassade mit Bildmotiven der mittelalterlichen, bleiverglasten Scheiben des Kreuzgangs war der Höhepunkt der Doppelveranstaltung „Steinfeld Calling“ und des Hermann-Josef-Festes. Mit dem Wochenende wurde erneut unter Beweis gestellt, dass das Kloster Steinfeld zur wohl wichtigsten Adresse für kulturelle Veranstaltungen in der Gemeinde Kall geworden ist, was auch Iris Poth als Vorsitzende des Kuratoriums des Klosters attestierte.
Mit dem Zwei-Tages-Programm wurde zudem unter Beweis gestellt, dass Steinfeld nicht nur über eine vergleichsweise große geistliche Gemeinschaft verfügt, sondern insgesamt ein ausgesprochen lebendiger Ort ist.
Der „Classic Cadillac Club“ war mit 40 amerikanischen Straßenkreuzern angereist
Über zahlreiche Buchungen im Gästehaus freute sich Christoph Böhnke. Jedoch resultierten die nicht in erster Linie aus der Veranstaltung, sondern von Mitgliedern des „Classic Cadillac Clubs“. Auf Anregung eines Mitglieds aus der Eifel war Steinfeld das Ziel des jährlichen Ausflugs, den die Besitzer von 40 Straßenschlitten aus US-amerikanischer Produktion der 1950er- und 60er-Jahre unternahmen.
Nicht jedem gefiel allerdings die Parade der PS-starken und entsprechend benzindurstigen Autos. „Der ist mir einfach zu groß, der passt nicht in die Garage“, sagte Jelmer aus den Niederlanden diplomatisch. Er war gerade mit seiner Clique auf Rennrad-Urlaub in der Region. Weiter entfernt von einem Cadillac geht es vermutlich nicht.

Bedrohlich wirkte die Darstellung des grauen Grabengels.
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Glasmalkunst auf der Fassade: Ein Königskopf wurde projiziert.
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Straßenkreuzer und Fahrrad, Rock und Blasmusik – in zahlreichen Themen zeigte das Wochenende, dass Steinfeld auch für Vielfalt steht. Während am Samstagabend zur Covermusik von „Rostfrei“ abgerockt werden konnte, spielte am Sonntag unter anderem der Musikverein Hümmel unter der Leitung von Martin Schneider auf. Unter den Zuhörern war auch Pater Paul Cyrus SDS, ehemaliger Superior der Steinfelder Salvatorianer: „Es ist gelungen, mit Steinfeld Calling auch das Hermann-Josef Fest wieder attraktiver zu machen. Man merkt das am Zuspruch der Gläubigen.“
Hier in der Eifel ist das Wetter rau, man braucht Widerstandskraft. Die haben die Eifeler. Und die braucht auch der Glaube in diesen Zeiten.
Zum geistlichen Programm des Hermann-Josef-Festes gehörten auch in diesem Jahr neben dem Hochamt und Messen die Andachten für die Gruppen, die zum Grab des heiligen Hermann-Josef pilgerten. Als besonders eindrucksvoll empfanden viele Gläubige die Vorabendmesse mit der Erhebung der Gebeine des Heiligen aus dem stets mit Äpfeln geschmückten Reliquienschrein im Mittelschiff der Basilika. Nach einer kurzen Prozession wird der Sarg zum Fest traditionell an einem Seitenaltar gezeigt. 20 Messdiener, Schüler des Hermann-Josef-Kollegs, unterstützten die Vorabendmesse ebenso wie das Schulorchester.

Das Hochamt zelebrierte Hamburgs Erzbischof Dr. Stefan Heße.
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War dies für viele der geistliche Höhepunkt, folgte nach Einbruch der Dunkelheit das halbstündige Hauptevent von „Steinfeld Calling“. Wie im vergangenen Jahr hatte der Videokünstler Milton Reggi Motive der einstigen Bemalung der bleiverglasten Scheiben des Kreuzgangs für eine Illumination digitalisiert.
Der Bilderstrom, unter anderem mit Musik aus dem Pink-Floyd-Album „Wish you were here“ unterlegt, zog über die Klosterfassade: ein König, ein fast nackter armer Sünder, Kämpfe zwischen Erzengel und dem Teufel. Die Motive stammen aus der im Kreuzgang einst dargestellten „Biblia pauperum“, der ab dem 13. Jahrhundert beliebten Armenbibel.
Originale sind im Londoner Victoria & Albert-Museum zu sehen
Sehenswert waren auch die Bilder, die HJK-Schüler im Kunstunterricht mit Lehrerin Diana Poensgen entwickelt hatten. Da verwandelten sich die alten Mauern mal in ein mit bunten Flecken überzogenes Muster. Mal huschte ein Lurch entlang, der mit wechselnder Projektion des Motivs auch seine Farbe änderte. Mal baute sich ein gewaltiger Grabengel auf, mal blickte ein Dalmatiner erstaunt.
Die in 40 Motiven erhaltenen, einstigen Glasmalereien sollen im kommenden Jahr erneut ausgestellt werden. Dabei wird es sich jedoch um Repliken handeln. Die noch erhaltenen Originale sind zum Beispiel im Londoner Victoria & Albert-Museum zu sehen.

Zum vielfältigen Musikprogramm trug auch der Musikverein Hümmel unter der Leitung von Martin Schneider bei.
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Martin Reinicke, Vorsitzender der Stiftung Kloster Steinfeld, ist zuversichtlich: Die Ludwig-Börne-Stiftung habe schon die Übernahme der Hälfte der Kosten zugesagt. Ihm ist es auch maßgeblich zu verdanken, dass für das diesjährige „Steinfeld Calling“-Fest Fördergelder des Regionalen Kulturprogramms (RKP) der Landesregierung bewilligt wurden.
So bildgewaltig dieser erste Tag endete, so beeindruckend begann der zweite. Zum Hochamt hatten Chor und Orchester an der Basilika unter der Leitung von Erik Arndt Mozarts „Waisenhaus-Messe“ einstudiert. Hauptzelebrant war Dr. Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg.
Steinfeld ist zu einem Leuchtturm in der Eifel geworden!
Er hat Gefallen an der Eifel gefunden, wie er vor dem Schlusssegen bekundete: „Ich bin wieder gerne nach Steinfeld gekommen. Auch der deutschen Bischofskonferenz hat vor einem Jahr der Besuch in Steinfeld und die Stärke der Glaubensgemeinschaft gut gefallen. Hier in der Eifel ist das Wetter rau, man braucht Widerstandskraft. Die haben die Eifeler. Und die braucht auch der Glaube in diesen Zeiten.“
Zum abschließenden Familienfest hatten regionale Anbieter von Kulinarischem und Kunsthandwerk rund 20 Stände aufgebaut. Für die Kinder gab’s Zirkus und Musik von Uwe Reetz, es gab Basilika-Führungen und Musik, etwa von der Band „Saitensprung“ mit Coversongs.
Wolfgang Scheidtweiler, der sich dem Kloster auch als finanzieller Unterstützer eng verbunden fühlt, fasste seinen Eindruck des Doppelfestes so zusammen: „Steinfeld ist zu einem Leuchtturm in der Eifel geworden!“
