Hilfsorganisationen im Kreis Euskirchen ziehen sich zurück, weil sie in vielen Fällen für die Entsorgung draufzahlen müssen.
Textil-RecyclingAltkleidercontainer werden im Kreis Euskirchen langsam rar

Im Kleiderladen der Caritas in Schleiden bekommen Altkleider eine zweite Chance. Caritasverband Eifel.
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Die EU-Richtlinie ist das eine, die Realität das andere. Seit Januar 2025 sollen sämtliche Textilien, gut erhaltene wie auch verschlissene, getrennt von anderem Müll gesammelt werden. So weit die Theorie. In der Praxis wird es immer schwerer, Altkleider loszuwerden. Immer weniger Container stehen in den Orten. Und wenn noch welche da sind, sind sie oft heillos vollgestopft.
Die neue Pflicht zur Getrenntsammlung richte sich in Deutschland an die Kommunen beziehungsweise die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, heißt es auf der Homepage des Bundesumweltministeriums. Die Stadt Mechernich hat sich nun an ihre Bürger gewandt mit der Bitte, schmutzige oder abgetragene Kleidung in die graue Tonne zu werfen.
Bis zu 300 Tonnen Altkleider kämen pro Jahr im Stadtgebiet zusammen, so die Schätzung der Stadtverwaltung. Es gebe kaum noch gewerbliche Sammler – unter anderem, weil oft beschädigte oder verschmutzte Kleidung in Containern gelandet sei. Deren Entsorgung koste Geld und mache das Geschäft unattraktiv. Wenn es keine gewerblichen Sammler mehr gebe, entständen der Stadt erhebliche Kosten, die auf die Bürger umgelegt werden müssten.
Das DRK hat sämtliche Altkleidercontainer abgebaut
Nicht nur die gewerblichen Sammler ziehen sich zurück. Das DRK (Deutsche Rotes Kreuz) hat sämtliche Altkleidercontainer im Kreis Euskirchen abgebaut, wie Kreisgeschäftsführer Rolf Klöcker berichtet. 86 seien es mal gewesen. Doch die Nachfrage nach Altkleidern gehe weltweit zurück, der Preis sei auf Null gesunken, teilweise sogar ins Minus gerutscht. Sprich: Wer getragene Textilien loswerden will, zahle drauf. Und das, so Klöcker, gehe für das DRK gar nicht: „Wir können doch nicht die Spenden, die wir bekommen, statt für soziale Projekte für die Altkleiderentsorgung ausgeben.“
„Das Geschäft ist im Wandel“, sagt auch André Bung, Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes im Kreis Euskirchen. Die Hilfsorganisation hat nur noch in Zülpich und Euskirchen Container stehen. Bung beklagt, dass einige Leute nicht nur schmutzige Anziehsachen, sondern auch Müll in den Altkleidercontainer entsorgten. „Wir haben darin schon Hausmüll und Renovierungsabfälle gefunden“, sagt er. Den Unrat zu entsorgen, treibe die Kosten in die Höhe. Außerdem werde Kleidung ohne Säcke eingeworfen. Oder in Beuteln, die nicht zugebunden seien – das müsse dann mühsam sortiert werden.
Wir können doch nicht die Spenden, die wir bekommen, statt für soziale Projekte für die Altkleiderentsorgung ausgeben.
Der Preisverfall von Alttextilien auf dem Weltmarkt hat schon einige Verwerter in die Knie gezwungen. Eine Ursache der Misere sehen Klöcker wie Bung in der schlechten Qualität der meisten modischen Kleidung. „Fast Fashion, die aussortiert wurde, ist fast immer nicht mehr tragbar“, sagt André Bung. Und Mischgewebe seien häufig gar nicht zu verwerten, auch nicht als Putzlappen oder für Autopolster, so Klöcker. Er sagt dennoch: „Wir würden gern weitermachen.“ Doch das DRK brauche die Gewähr, dass Kosten für die Entsorgung nicht brauchbarer Altkleider erstattet würden. Die Kommunen müssten eine Lösung finden.
Eine Lösung, die bis heute funktioniert, ist der Kleiderladen des Caritasverbands Eifel in Schleiden. Aber auch Birgit Junctorius, Assistentin des Vorstands und zuständig für den Kleiderladen, kennt die Probleme. „Im Moment geht es“, formuliert sie vorsichtig. Das heißt: Im Moment holt ein Entsorger aussortierte Kleidung ab, ohne Geld dafür zu verlangen. Früher habe er sogar dafür bezahlt. „Wenn wir den Ausschuss kostenpflichtig entsorgen müssten, könnten wir den Kleiderladen nicht halten“, sagt Birgit Junctorius.

Ab in die Tonne: Verschlissene oder verschmutzte Kleidung gehört nicht in den Altkleidercontainer.
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Aussortiert wird vieles. Gut 60 Ehrenamtlerinnen nehmen die gespendeten Kleider streng unter die Lupe, damit nur Sachen in den Laden kommen, die man auch wirklich noch guten Gewissens verkaufen kann. Der Rest und alles, was sich als Ladenhüter entpuppt, kommt in einen eigens angeschafften Container und wartet auf die nächste Abholung. Einkaufen kann im Caritas-Laden jeder, der Wert auf Nachhaltigkeit legt und Kleidung eine zweite Chance geben will.
Und natürlich sind Spenden willkommen, aber bitte mit Ansage. Denn die Lagerkapazitäten seien gegrenzt. „Unsere Ehrenamtler entscheiden, wann sie genug Platz haben und weitere Kleidung annehmen können“, erklärt Junctorius den Ablauf.
Sie bittet, auf keinen Fall Säcke oder Kartons mit Kleidung vor der Tür des Ladens abzustellen. Denn wenn es regne, könnte der Inhalt meist nur noch weggeworfen werden. Zudem hätten auch Ehrenamtlerinnen schon unangenehme Erfahrungen mit Restmüll in den Kleiderspenden gemacht.
Grosse Umweltbelastung
Die Abfallberatung des Kreises Euskirchen hat aufgelistet, was in die Altkleidersammlung gehört und was auf keinen Fall hineindarf. Und sie hat weitere Fakten zusammengetragen: Textilien sind weltweit der fünftgrößte Verursacher der Treibhausgasemissionen. Im Durchschnitt besitzt jede erwachsene Person in Deutschland 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken). Jedes fünfte Kleidungsstück davon wird so gut wie nie getragen.
50 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland zwischen 14 und 29 Jahren tragen die Hälfte ihrer Kleidung nie – oder nur selten. 14 Prozent aller weltweit hergestellten Insektizide und etwa fünf Prozent der Pestizide landen auf Baumwollfeldern. Bis zu 805 Liter Wasser werden benötigt, um einen Pullover mit 90 Prozent Baumwollanteil herzustellen – das entspricht ungefähr sieben Badewannen.
